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Bis zu 3000 Geflüchtete aus der Ukraine werden im Landkreis erwartet

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Von: Hannah Köllen, Fabian Becker, Damai Dewert

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Soll Unterkunft werden: Der Ratskeller in Felsberg steht seit einiger Zeit leer. Die Stadt plant, die Gaststätte als Unterkunft für ukrainische Geflüchtete anzubieten.
Soll Unterkunft werden: Der Ratskeller in Felsberg steht seit einiger Zeit leer. Die Stadt plant, die Gaststätte als Unterkunft für ukrainische Geflüchtete anzubieten. © Manfred Schaake

Bis zu 3000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine erwatet der Schwalm-Eder-Kreis. Diese Zahl gab die Kreisverwaltung am Montag bekannt. Das Land Hessen rechnet kurzfristig mit etwa 74 000 Geflüchteten aus der Ukraine. Mindestens 100 Geflüchtete haben sich bereits in den sieben Kommunen des Altkreises Melsungen registrieren lassen, ergab eine Umfrage bei den Städten und Gemeinden.

Altkreis Melsungen - Bis zu 3000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine erwartet der Schwalm-Eder-Kreis. Diese Zahl gab die Kreisverwaltung am Montag bekannt. Das Land Hessen rechnet kurzfristig mit etwa 74 000 Geflüchteten aus der Ukraine.

Mindestens 100 Geflüchtete haben sich bereits in den sieben Kommunen des Altkreises Melsungen registrieren lassen, ergab eine Umfrage bei den Städten und Gemeinden.

Nach Ankündigung der hessischen Ministerien des Inneren sowie für Soziales und Migration werden bereits in den nächsten Tagen erheblich mehr geflüchtete Menschen aus der Ukraine dem Schwalm-Eder-Kreis zugewiesen als bisher angenommen. Dabei handelt es sich überwiegend um Frauen mit Kindern. Um diese große Aufgabe zu bewältigen, sei Hilfe auf allen Ebenen im Landkreis gefordert. Der Schwalm-Eder-Kreis erhalte die Zuweisungen von geflüchteten Menschen aus der Ukraine vom Land und koordiniert deren Unterbringung im Kreisgebiet, teilt die Kreisverwaltung mit.

Sporthallen werden zur Unterbringung Geflüchteter eingerichtet

Da die bereits angebotenen Wohnungen und kleineren Einrichtungen nicht ausreichten, müsse auch auf Sporthallen zurückgegriffen werden. Aus diesem Grund richten Einheiten des Katastrophenschutzes und der Feuerwehren kurzfristig Sporthallen im Landkreis für die Unterbringung Geflüchteter ein. Bei den Sporthallen wird zwischen Hallen zur vorübergehenden Erstaufnahme – nur Feldbetten – für Tage im Landkreis und Hallen, die für eine längere Belegung – mit Stellwänden – eingerichtet werden, unterschieden. „Es wird uns in der uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht gelingen, die hohe Anzahl von Geflüchteten in Wohnungen und anderen Gruppenunterkünften unterzubringen“, sagt Landrat Winfried Becker.

In Melsungen sind die mehr als 30 geflüchteten Menschen bislang nur in privaten Unterkünften untergebracht: Städtische Möglichkeiten prüfen wir noch“, sagt Citymanager Alexander Dupont. Landkreis und Kommunen appellieren daher an die Einwohner, sich zu melden und Unterkünfte anzubieten.

Die Hilfsbereitschaft im Altkreis ist enorm. In allen Städten und Gemeinden gibt es Initiativen und Hilfsangebote. Bei den Kommunen sind bereits private Unterkünfte, an denen es besonders mangelt, hinterlegt. Wir haben die Städte und Gemeinden im Altkreis nach dem Stand der Vorbereitungen befragt.

Morschen

In Morschen ist die Anteilnahme groß. „Wir werden überrollt von Vereinen und Organisationen, die sich einbringen wollen“, sagt David Bögge, der für den Katastrophenschutz und damit für die Flüchtlingskoordination in Morschen zuständig ist. „Es gibt auch viele Mörscher, die Wohnungen und Zimmer anbieten.“ Allein Montagvormittag seien drei Wohnungen angeboten worden. „Viele fragen, was die Flüchtlinge in den Wohnungen benötigen.“ Bögge schätzt, dass 100 bis 200 geflüchtete Ukrainer in der Gemeinde untergebracht werden. „Es kann aber sein, dass diese Zahl noch nach oben korrigiert werden muss.“

Körle

Die Gemeinde Körle steht noch ganz am Anfang bei der Organisation der Flüchtlingsunterbringung, sagt der Erste Beigeordnete Helmut Teis. „Wenn Körler Wohnungen zur Verfügung stellen, geben wir das an die Kreisverwaltung weiter“, sagt er. Genaue Zahlen zu Wohnungen und Geflüchteten, die auf die Gemeinde zukommen, könne er noch nicht sagen. „Sollte die Zahl der Geflüchteten aber sehr hoch werden, könnte es sein, dass sie auch in Hallen untergebracht werden müssen.“ Das sei derzeit aber noch kein Thema in Körle.

Spangenberg

In der Stadt Spangenberg seien bisher 33 Flüchtlinge angekommen, berichtet Gritt Heinze von der Stadt- und Touristinformation. Helfer der Stiftung Himmelsfels kümmern sich nun um die Menschen. Dies sei jedoch nur eine kurzfristige Lösung, sagt Heinze. Es werden nach wie vor Menschen gesucht, die Wohnraum bereitstellen können. „Das muss ja nicht gleich eine ganze Wohnung sein. Es können sich auch Menschen melden, die beispielsweise ihre Gästezimmer zur Verfügung stellen möchten.“ Die Helfer sollen sich direkt an den Kreis wenden, damit die Wohnungsangebote von dort aus zentral gesteuert werden können. Darüber hinaus prüfe die Stadt Spangenberg aktuell Unterbringungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge, sagt Heinze.

Malsfeld

Die Gemeinde Malsfeld habe bisher 25 Flüchtlinge aufgenommen, sagt Bürgermeister Herbert Vaupel. Die Menschen seien aktuell auf sechs Unterkünfte in Malsfeld, Beiseförth und Mosheim verteilt. Eine Unterkunft ist das Gemeindehaus in Malsfeld, das auch als Obdachlosenheim genutzt wird. Bei den anderen Unterkünften handelt es sich um private Wohnungen.

Mit wie vielen weiteren Flüchtlingen er rechnet, kann Vaupel nicht sagen. „Es wäre unseriös, da jetzt irgendeine Zahl zu nennen.“ Aber: „Es wird nicht bei der jetzigen Zahl bleiben.“ Die Fuldatalhalle in Malsfeld soll als kurzfristige Übergangseinrichtung für die Geflüchteten genutzt werden. Bereits ab dem heutigen Dienstag werde sie für Vereine gesperrt.

Guxhagen

In Guxhagen gibt es die besondere Situation, dass die Kreissporthalle als Überlasteinrichtung genutzt wird, so Guxhagens Bürgermeisterin Susanne Schneider. Sie rechnet mit 150 bis 200 Geflüchteten, die in der Gemeinde untergebracht werden müssen. „Wir sind in erster Linie zur Unterstützung da“, sagt sie. Dazu gehört Dolmetscher suchen, Sachspenden wie Möbel organisieren, genauso wie Möglichkeiten zum Wäsche waschen. Wohnungen werden direkt dem Kreis gemeldet, die Bürgermeisterin bietet dazu an, die Wohnungen in Guxhagen zu prüfen und einzurichten, wenn nötig.

Durch all die Aufgaben wird der Bedarf an Ehrenamtlichen steigen, worum sich auch die Gemeinde kümmert. Zudem kontaktiert sie Gewerbetreibende, denn: „Da die Geflüchteten hauptsächlich Frauen und Kinder sind, könnte der Bedarf an Windeln und Babynahrung steigen“, sagt Schneider. Sie rechnet auch damit, dass der Bürgerservice mehr genutzt wird.

Felsberg

25 Geflüchtete sind in Felsberg bereits angemeldet beziehungsweise im Verfahren. Zusätzlich zur Sporthalle prüft die Stadt aktuell verschiedene Möglichkeiten zur Unterbringung der Menschen. So werde der Ratskeller zum Beispiel als Flüchtlingsunterkunft genutzt, berichtet der Projektkoordinator Dennis Möller von der Stadt. Dort hätten sechs Parteien Platz, es gebe eine Möglichkeit zum Kochen und einen Gemeinschaftsraum. Geprüft würden außerdem die Obdachlosenunterkünfte in Altenbrunslar und in Rhünda. Diese seien allerdings aktuell nicht voll belegbar.

„Unser oberstes Ziel ist es, den Menschen Schutz und eine Unterkunft zu bieten“, sagt Möller. Klar sei, dass die Kapazitäten ausgebaut werden müssten, das sei in Abstimmung mit dem Landkreis besprochen. Die Verwaltung sei positiv überrascht, wie groß die Hilfsbereitschaft sei, sagt Bürgermeister Volker Steinmetz. So gebe es zum Beispiel eine Liste für Sachspenden und Hilfsangebote wie Fahrdienste, Dolmetschertätigkeiten und ganz allgemein Hilfsangebote. Helfen will oder Sachspenden hat, kann sich unter Tel. 0 56 62/50 20 melden.

Melsungen

32 Menschen sind in Melsungen angemeldet und in privaten Wohnungen untergebracht. Städtische Angebote gebe es aktuell noch nicht, sagt Alexander Dupont. Der Citymanager ist aktuell auch Flüchtlingskoordinator. Für den 22. März sei eine Informationsveranstaltung in der Stadthalle für alle Personen geplant, die Geflüchtete aufnehmen wollen oder dies bereits getan haben. Los geht es um 18 Uhr.

Es gebe eine gute Resonanz auf private Unterkünfte, es würden aber noch viele benötigt. Am heutigen Dienstag starteten sogar bereits die ersten Deutschkurse. Diese fänden künftig regelmäßig immer dienstags und donnerstags statt.

Kontakt: Alexander Dupont unter Tel. 0 56 61/70 82 03

Weitere Sporthallen werden umgewidmet

Folgende Sporthallen werden aktuell im Landkreis als weitere Unterkünfte für Flüchtlinge eingerichtet: Großsporthalle Guxhagen an der Gesamtschule, Großsporthalle Gudensberg an der Gesamtschule, Großsporthalle Neukirchen an der Steinwaldschule. Hallen für eine längere Belegung: Großsporthalle der Erich-Kästner-Schule in Homberg, Große Stadtsporthalle Felsberg an der Drei-Burgen-Schule-Felsberg und die Fuldatalhalle der Gemeinde Malsfeld. 

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