Melsungen: Neuer Standortsicherungsvertrag

B. Braun in Melsungen zieht mit Werk K um – 90 Millionen für neues Werk

Teile der Produktion werden verlegt: Im Werk K in Melsungen produziert B. Braun Teile für die Infusionstherapie. Künftig werden bis zu 50 Prozent an den Pfieffewiesen hergestellt.
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Teile der Produktion werden verlegt: Im Werk K in Melsungen produziert B. Braun Teile für die Infusionstherapie. Künftig werden bis zu 50 Prozent an den Pfieffewiesen hergestellt.

Keine betriebsbedingten Kündigungen und Millionen-Investitionen in den Standort Melsungen: Der neue Standortsicherungsvertrag FIT 2025+ ist beschlossen. Ein Mega-Projekt soll bereits im Juni starten.

Melsungen – Der Medizintechnikhersteller baut für 90 Millionen Euro ein neues Werk in den Pfieffewiesen. Active F 3 heißt es und die moderne Produktionsstätte soll laut Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor Dr. Stefan Ruppert neue Heimat des bisherigen Werks K werden.

An der Carl-Braun-Straße im Stadtzentrum werden Minispikes – Bestandteile für die Infusionstherapie – produziert. Teile der Produktion verbleiben auch nach der Fertigstellung von Active F 3 im alten Werk. Parallel entstehe derzeit ein Nutzungskonzept für nicht mehr genutzte Immobilien, berichtet Ruppert. Bestandteil des Standortsicherungsvertrags sind zusätzliche Stunden, die Mitarbeiter leisten.

Die Anzahl ist gegliedert nach Tätigkeiten: Mitarbeiter im Gleitzeitbereich leisten zusätzlich bis zu 96 Stunden jährlich, für Mitarbeiter im 2-Schicht-Betrieb sind es 60 und im 3-Schicht-Betrieb 48 zusätzliche Stunden. Die Belegschaft erhalte eine Ergebnisbeteiligung, die nicht direkt an den Unternehmenserfolg geknüpft ist und zusätzliche Qualifizierungsangebote.

Die Details der Ergebnisbeteiligung seien gerade in der Abstimmung, sagt Alexandra Friedrich, Betriebsratsvorsitzende. Sie sei ebenfalls sehr froh, dass es zum Abschluss des Standortsicherungsvertrags gekommen sei.

Der Melsunger Standort sei der mit den höchsten Lohnkosten im B. Braun-Konzern, sagt der 49-jährige Ruppert, der seit einem Jahr Vorstandsmitglied ist. „Melsungen ist zentraler Standort und Heimat des Unternehmens. Wir wollen nicht nur die zentralen Bereiche hier haben, sondern wollen auch zeigen, dass eine Produktion zu wettbewerbsfähigen Bedingungen möglich ist.“

Ohne FIT 2025+ hätte in den kommenden Jahren über Personalabbau gesprochen werden müssen, sagt Friedrich. Das müsse vor dem Hintergrund einer 20-prozentigen Kürzung bei der Gruppenprämie ab 2022 betont werden.

Für Mehrarbeit gibt es Ergebnisbeteiligung

FIT 2025+ heißt der neue Standortsicherungsvertrag. Die Buchstaben FIT stehen für Future, Invest, Trust – also Zukunft, Investition und Vertrauen. Seit April greifen die neuen Stundenkontingente. Je nach Arbeitsmodell leisten die Mitarbeiter mehr Stunden – zwischen vier und acht im Monat. Dafür gibt es am Ende des Jahres eine Ergebnisbeteiligung. In den ersten Standortsicherungsverträgen haben alle Beschäftigten zusätzlich 8,6 Stunden pro Monat geleistet. 

Der neue Standortsicherungsvertrag enthält zahlreiche Details für die mehr als 7000 Mitarbeiter am Standort. Ziel der Standortsicherungsverträge ist es, Melsungen – also den Unternehmenssitz – als Produktionsstandort zu erhalten. Keinesfalls wolle man in der Konzernleitung Melsungen zu einem reinen Verwaltungssitz machen, sagt Arbeitsdirektor Dr. Stefan Ruppert, Vorstandsmitglied für Personal und Recht. Dafür seien aber erhebliche Investitionen in Gebäude und Produktionstechnik notwendig.

„Ohne diese Investitionen in die Produktion hätten wir über die nächsten Jahre einen massiven Personalabbau erfahren“, sagt Betriebsratsvorsitzende und Gesamtbetriebsrätin Alexandra Friedrich – denn andernfalls hätte wohl Produktion in andere Länder verlagert werden müssen.

Alexandra Friedrich

Investitionen von 300 Millionen Euro über die Laufzeit des neuen Standortsicherungsvertrags hat die Konzernführung zugesagt. Das sind die Details des neuen Standortsicherungsvertrags:

  • Keine betriebsbedingten Kündigungen für alle Beschäftigten für die nächsten fünf Jahre. Der Betriebsrat kann den Vertrag einseitig um ein Jahr verlängern.
  • Die Tarifbindung an die Chemische Industrie (IG BCE) bleibt bestehen.
  • Investitionen in die Produktion am Standort Melsungen von 300 Millionen Euro über die Laufzeit in Gebäude, Maschinen und die Weiterbildung der Mitarbeiter.
  • Mehrarbeit für die Beschäftigten nach Arbeitsmodell: Mitarbeiter in Gleitzeit leisten jährlich bis zu 96 Stunden zusätzlich. Im 2-Schichtbetrieb sind es 60 Stunden und im 3-Schicht-Betrieb sind es 48 Stunden.
  • Am Jahresende gibt es eine Ergebnisbeteiligung. Diese wird aktuell noch verhandelt. Sie wird unabhängig vom Erreichen der Unternehmensziele fällig.
  • Die Mitarbeiter am Standort erhalten zusätzlich zu den übertariflichen Leistungen eine Gruppenprämie. Diese reduziert sich ab dem kommenden Jahr auf 80 Prozent. Dieses Gruppenentgeld wird an den anderen Standorten nicht gezahlt. Trotz der Sicherung der Arbeitsplätze sei dieses Thema das sensibelste von allen, sagt Betriebsratsvorsitzende Friedrich. Denn erstmals gehe es wirklich an das Entgelt der Beschäftigten.

Mit den Investitionen und dem neuen Werk schaffe man in Melsungen eine der modernsten Produktionen. Der CO2-Bedarf reduziere sich und in Melsungen sänken Lieferverkehre, sagt Ruppert. (Damai D. Dewert)

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