Sanierung und künftige Nutzung waren Themen

Bürgerversammlung zur Stadthalle: Mehrheit für Abriss

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Blick in den Saal: Sanierung, Erneuerung und künftige Nutzung der Stadthalle waren Thema einer Bürgerversammlung. Wenn es konkrete Pläne für die Zukunft gibt, sollen die Bürger erneut eingeladen werden.

Eine Mehrheit stimmte am Ende der Bürgerversammlung für den Abriss des großen Saals. Zwölf Besucher stimmten für den Erhalt.

Die Mehrheit aber enthielt sich der Stimme. „Alle meckern, und keiner kommt“, meinte eine Bürgerin zum Besuch der Versammlung – viele Stühle blieben am Dienstagabend leer.

Stadtverordnetenvorsteher Timo Riedemann stellte klar: „Keiner will das Casino niederlegen.“ Ziel sei, die Stadthalle so wiederherzustellen, dass sie den neuen Anforderungen gerecht werde. Der Charakter der Stadthalle solle beibehalten werden.

Die Probleme

Beim Brandschutz gebe es bauliche Defizite, formulierte Diplom-Ingenieur und Architekt Ralf Salzmann. Das Rettungswege-System im Untergeschoss sei „nicht funktional“. Handlungsbedarf bestehe auch bei der Heizung: „Zu viel Energie wird ins Dachgeschoss geblasen.“ Der Fachmann erläuterte auch den Zustand der Küchentechnik, der Lüftungs- und Sanitärinstallation und sprach von „sicherheitstechnischen Problemen“. 2017 seien die Kosten für die Haustechnik mit 2,7 Millionen Euro veranschlagt worden, heute sei man bei einem Plus von 45 Prozent.

Die Kosten

3,5 bis vier Millionen Euro seien erforderlich, um die Stadthalle in der jetzigen Form zu erhalten, sagte Stadtverordnetenvorsteher Riedemann. Im Haushalt 2019 seien 80 000 Euro Architektenkosten vorgesehen. Riedemann: „Wir möchten in die Planungsphase gehen.“

Laut Bürgermeister Markus Boucsein sei der Abriss ein Horrorszenario. „Bei vier Millionen Euro Handlungsbedarf muss man eigentlich neu bauen.“

Der Brandschutz

Bei der Wieder-Einweihung der Stadthalle 1978 sei sie in einem exzellenten Zustand gewesen. „Was hat sich denn geändert?“, fragte Martin Gille. Es gebe 400 alte Fachwerkhäuser in Melsungen, und wenn man beim 600 Jahre alten Kölner Dom mit dem Brandschutz anfange, „können Sie ihn auch schließen“.

Bauamtsleiter Martin Dohmann sagte, nach den Auflagen des Kreises habe die Stadthalle „fast vor der Schließung gestanden“. Deshalb habe man unter anderem die Fluchtwege „aufgerüstet“.

Kabarett und Kino

Die Kosten im Detail – laut Dohmann noch nicht ermittelt – hinterfragte Falk Hochwald. Bruno Albrecht vom Jugendparlament meinte, ein Neubau biete neue Chancen für Melsungen, könne ein neuer Magnet werden. Der neue Saal müsse auch für Theater, Kabarett und Kino geeignet sein.

Falk Hochwald, Melsunger

Die Stadthalle für weitere 30 Jahre attraktiver machen – dieses Ziel formulierte Prof. Ludwig Georg Braun (FDP). „Wir brauchen Touristen- und Tagesgäste und und freuen uns darüber, dass Busse zu uns kommen.“

Wenn man die Stadthalle erhalte, dann erhalte man auch die Geschäfte, betonte Lars Kühn (CDU). Man müsse auch mit Investoren sprechen, „die das mitfinanzieren“.

Bruno Albrecht, Melsunger

„Wir verlieren jeden Tag Kaufkraft“, erklärte Volker Wagner (SPD). Und: „Wir müssen Melsungen zum attraktivsten Zentrum neben Kassel machen.“

Auf Beifall stieß am Ende der Vorschlag eines Melsungers, für die Stadthalle einen Ideen-Wettbewerb auszuloben.

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