Der große Ansturm blieb aus

Corona: Im Kreisteil Melsungen sind Geschäfte wieder geöffnet

Endlich wieder shoppen im Laden: Das geht jetzt nach Terminvereinbarung auch wieder in der Melsunger Modeboutique Fysel. Im Bild Mitarbeiterin Marion Krieger.
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Endlich wieder shoppen im Laden: Das geht jetzt nach Terminvereinbarung auch wieder in der Melsunger Modeboutique Fysel. Im Bild Mitarbeiterin Marion Krieger.

Seit gestern dürfen Geschäfte in Hessen wieder öffnen. Allerdings müssen die Kunden vorher in den Läden Termine vereinbaren. Was einfach klingt, ist insbesondere für kleine Läden eine Herausforderung.

Kreisteil Melsungen – Wir haben bei einigen Geschäftsinhabern im Kreisteil Melsungen nachgefragt.

Fysel Modeboutique

Mode shoppen bei Fysel in Melsungen können die Kunden nach Terminvereinbarung per Whatsapp oder Anruf. „Wir machen das jetzt mal so mit“, sagt Inhaberin Heike Hofer. Jedoch seien mit der Öffnung viele Schwierigkeiten verbunden. Bis Montagmorgen hatten sich für drei Tage in dieser Woche Kunden angemeldet. „Und dafür muss ich extra immer eine Mitarbeiterin hinschicken und den Laden hochfahren“, sagt Hofer. „Ich kann ja niemanden einen vollen Tag beschäftigen, wenn mal morgens und nachmittags ein Kunde kommt.“ Die Kosten stünden bei dieser termingebundenen Öffnung in keinerlei Verhältnis zu den Einnahmen. „Ich kann den Kunden ja auch nicht sagen, dass sie zwar einen Termin buchen können, dann aber auch für 250 Euro einkaufen müssen“, sagt Hofer. Man wolle es die Woche nun ausprobieren, ein paar Erfahrungen sammeln, und dann schauen, wie es sich einpendelt. Geplant ist, nur Termine an zwei oder drei Tagen die Woche anzubieten, damit sich der Aufwand wenigstens ein bisschen lohne. „Und wenn wir dann ohnehin vor Ort sind, können die Kunden auch spontan Termine vereinbaren.“

Modepalette by Jung

Bei der Modepalette by Jung in Felsberg kann man telefonisch oder per E-Mail Termine vereinbaren. Es sei aber auch möglich, spontan vorbeizukommen – wenn dann genug Platz im Laden sei, werde man keinen Kunden wegschicken, sagt Inhaber Thomas Jung. Da pro 40 Quadratmeter Ladenfläche ein Kunde das Geschäft betreten darf, dürften sich 20 Kunden gleichzeitig dort aufhalten.

„Ich plane für jeden Kunden eine Stunde Zeit ein“, sagt Jung – bei Bedarf könne man aber auch länger stöbern, solange es nicht zu voll sei. „Wir hoffen, dass es jetzt gut läuft nach einem Vierteljahr Schließung.“

Zwar hatte er zuletzt auch angeboten, dass Kunden sich auf Bestellung Kleidung im Laden abholten, was auch ganz gut angenommen worden sei. Dennoch habe er damit nur einen winzigen Bruchteil des Umsatzes gemacht, den er bei einer ganz normalen Ladenöffnung erziele. Kleidung werde eben selten nach Bedarf gekauft, sondern spontan, wenn dem Kunden etwas gefalle, was er im Laden sehe. „Dieses Guck-Erlebnis hat in den letzten Monaten gefehlt“, sagt Jung. „Wir hoffen, dass uns unsere Stammkunden treu geblieben sind.“

Modehaus Vockeroth

Auch im Modehaus Vockeroth kann man seit gestern wieder shoppen, ebenfalls nach Terminabsprache. Allerdings könne man auch spontan vorbeikommen und fragen, ob noch ein Termin verfügbar ist, sagt Geschäftsführer Thomas Vockeroth. Im Laden in Melsungen sei die Verkaufsfläche 2000 Quadratmeter groß, das bedeute, dass 50 Kunden gleichzeitig einkaufen dürfen. „Und so viele Kunden waren heute nie gleichzeitig im Geschäft“, sagte Vockeroth gestern Nachmittag. Es sei zwar laufen Betrieb gewesen, aber von einem Ansturm könne man nicht sprechen. Das sei aber auch gut so. „Die Leute sind vorsichtig. Und Sicherheit steht auch bei uns ganz oben.“

Den Kunden, die gleich gestern gekommen seien, habe man die Freude über die Öffnung sehr angemerkt. Hoch im Kurs stehe die neue Frühjahrskollektion. Diejenigen, die einfach mal bummeln gehen wollten, seien aber deutlich in der Minderheit. Es seien vorrangig Kunden gekommen, die etwas Bestimmtes suchen. Weil während des Lockdowns vieles aus der Herbst- und Winterkollektion liegen geblieben sei, könnten sich die Kunden auf satte Rabatte freuen.

Baumarkt Bauspezi

Einfacher als Modegeschäfte haben es zum Beispiel Bau- und Gartenmärkte wie Bauspezi in Spangenberg: Dort kann man ab sofort auch ohne Terminabsprache einkaufen. „Wir sind sehr glücklich, dass wir wieder öffnen dürfen, darauf haben wir lange gewartet“, sagt Inhaberin Silke Ruppert.

Das Vorbestellen und Abholen der Waren sei „sehr mühselig“ gewesen. „Wir bekommen viel positives Feedback von den Kunden. Gerade die Handwerker haben es vermisst, selbst durch die Gänge zu gehen und zu gucken.“ Trotzdem seien am ersten Öffnungstag weniger Kunden gekommen, als sie erwartet hätte. „Es muss sich erst mal rumsprechen, dass wir wieder geöffnet haben“, vermutet Ruppert.

Die Menschen seien angesichts der vielen unterschiedlichen Regelungen irritiert. Sie macht sich keine Sorgen, dass es in ihrem 850 Quadratmeter großen Geschäft Gedränge geben könnte. „Die Kundschaft verteilt sich bei uns gut über den Tag hinweg.“ (jul/cha) 

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