Interview mit Bürgermeister

Corona in Melsungen: So läuft es während der Krise in der Stadtverwaltung

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Vieles anders: Auch in der Stadtverwaltung bestimmt das Kontaktverbot den Alltag. Das Telefon ist für Bürgermeister Markus Boucsein wichtiger denn je. 

Corona wirkt sich stark auf de Alltag in Deutschland aus. Wir haben mit Bürgermeister Markus Boucsein ein Interview geführt über kommunale Aufgaben in Zeiten von Corona.

  • Das Coronavirus breitet sich im Schwalm-Eder-Kreis aus.
  • Auch der Alltag in Melsungen ist stak beeinträchtigt.
  • Wir sprachen mit Bürgermeister Markus Boucsein.

Auch wenn das Leben in Melsungen stillzustehen scheint, die Straßen gespenstisch leer sind, wird hinter den Kulissen der Stadtverwaltung gearbeitet. Wir haben mit Bürgermeister Markus Boucsein ein Interview geführt über kommunale Aufgaben in Zeiten von Corona.

Herr Boucsein, wenn Sie aus dem Fenster blicken, gibt es dort kein geschäftiges Treiben. Was hat sich für Sie, was hat sich für die Stadtverwaltung verändert?

Die Auswirkungen der Krise haben Wesentliches verändert. Und das auch noch so schnell. Ich war Ende Februar noch in Kanada, da war für mich persönlich noch nicht absehbar, was da auf uns zukommt. Wir alle mussten die Situation auch erst erfassen.

Welche Auswirkungen gibt es in der täglichen Arbeit?

Wir sind mittlerweile in einer Phase der Ruhe und des Stillstands. Aber natürlich finden noch die wichtigsten Dinge des Arbeitsalltags statt. Am 14. März gab es noch eine Bürgermeisterdienstversammlung, zu der wir uns persönlich gesehen haben. Seit dem findet die Kommunikation mit den Kollegen und der Kreisverwaltung ausschließlich per Telefonkonferenz statt.

Was sind aktuell wesentliche Bereiche innerhalb der Stadtverwaltung?

Ein wichtiges Element unserer Aufgaben ist beispielsweise die Notfallbetreuung. Momentan betreuen wir in den städtischen Einrichtungen fünf Kinder – die Zahlen können aber täglich wechseln. Die Kindertagesstätten werden auch in den Ferien offen haben. Die Zahl der betreuten Kinder melden wir täglich an das Jugendamt in Homberg.

Es findet in vielen Bereichen also noch Arbeit statt.

Ja, natürlich. Im Personalbestand halten wir natürlich die Wasserversorgung, das Abwasser und die Kläranlage aufrecht. Ich spüre und sehe bei den Mitarbeitern aus allen Bereichen ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Das zeigt sich auch beim Krankenstand. Der ist, nicht nur gemessen an den Umständen, sehr niedrig. Gut zu tun haben auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Sie werden unterstützt von Kollegen aus dem Ordnungsbehördenbezirk.

Die Mitarbeiter kontrollieren also die Einhaltung der Ausgehbeschränkungen.

Genau. Das läuft bisher auch unaufgeregt. Unsere Mitarbeiter sind höflich und die Menschen draußen sind es auch. Besondere Vorkommnisse hat es meines Wissens nicht gegeben. Bauhofmitarbeiter bereiten zum Beispiel die Auspflanzungen vor.

Was ist mit den Mitarbeitern, die derzeit nicht ausreichend beschäftigt werden können. Zum Beispiel im Bürgerbüro.

Auch dort sind wichtige Angelegenheiten zu erledigen. Die Einwohner können die Dienstleistungen zum Großteil in Anspruch nehmen.

Können Kommunen Angestellte in Kurzarbeit schicken?

Kommunen erhalten kein Kurzarbeitergeld. Wir orientieren uns am Modell des Landrats, dass die Mitarbeiter Überstunden abbauen, Resturlaube nehmen und zusätzlich maximal sechs Tage aus diesem Jahr. Wir haben aber auch Glück, dass es in den meisten Abteilungen viel zu tun gibt.

Was ist, wenn es nicht so bleibt?

Wir wollen unsere Mitarbeiter schon bei der Stange halten. Wir versuchen, den Betrieb weiterzuführen. Blumen müssen gesetzt und Flächen gemäht werden. Die Mitarbeiter könnten in einer Notsituation sicher auch andere Aufgaben übernehmen.

Inwieweit ist die Stadt denn ohne parlamentarische Entscheidungen handlungsfährig?

Unser Haushalt ist verabschiedet. Und Tätigkeiten, die die eine Entscheidung des Parlaments bedürfen, haben wir ausgesetzt. Es ist außerdem möglich, Dinge im Eilverfahren zu entscheiden. Dazu wird der Haupt- und Finanzausschuss einberufen und dann – wohl auch per Telefonkonferenz – entschieden. 

So getroffene Entscheidungen müssten aber in einer später stattfindenden regulären Stadtverordnetenversammlung nochmals abgestimmt werden. Dieses Vorgehen ist aktuell mit den Fraktionen besprochen. Solche unaufschiebbaren Entscheidungen liegen aktuell aber nicht an. Auch der Magistrat tagt regelmäßig via Telefonkonferenz.

Was bedeutet die Krise finanziell für die Stadt. Befürchten Sie einen Einbruch bei den Steuereinnahmen?

Das ist tatsächlich ein großes Thema. Wir werden schon jetzt mit den Folgen konfrontiert und fehlende Einnahmen werden wir sicher noch stärker zu spüren bekommen. Wir gehen ganz sicher davon aus, dass wir nach der Krise schwer schlucken müssen. Die Kreditlinien, die wir uns gesetzt haben, werden wohl nicht zu halten sein.

Kann die Stadt Melsungen das schultern?

Ja, wir als Kommune werden das aushalten. Vielleicht werden wir auf die eine oder andere Investition verzichten müssen. Kleinstunternehmen und den Einzelhandel trifft es momentan deutlich härter. Der Markt wird aktuell schneller bereinigt, als uns das lieb sein kann. Als Kommune können wir vieles konsolidieren, ob das auch dem Handel gelingt, werden wir sehen.

Hat die Krise Ihnen auch etwas Schönes beschert?

Die Freizeitgestaltung ist zum Erliegen gekommen. Unser Wohnmobil steht ungenutzt in einer Scheune, aber wir nehmen uns dieser Tage viel Zeit für tolle Essen zu Hause. An einem Wochenende haben wir im Freundeskreis einen Videochat gehabt, das war ein neues Erlebnis und ein schöner Moment.

Hinweis: In der Stadtverwaltung sind 180 Mitarbeiter beschäftigt, davon allein 60 im erzieherischen Bereich und 25 beim Bauhof.

Von Damai Dewert

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