Nicht jeder Patient wird auf Corona getestet

Coronavirus: Mitarbeiter der Melsunger Asklepios-Klinik in Quarantäne 

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Asklepios-Klinik Melsungen: Dort gibt es eine Isolierstation für Menschen mit infektiösen Krankheiten. 

Drei Mitarbeiter der Asklepios-Klinik in Melsungen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Das bestätigt der Klinik-Konzern auf Anfrage der HNA.

Vergangene Woche wurde der Tod eines 90-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis bekannt. Er wurde zunächst wegen eines anderen Infekts in der Asklepios Klinik in Melsungen behandelt. Erst wenige Tage später erfolgte ein Corona-Test, dieser fiel positiv aus.

Die Menschen, die mit dem infizierten Verstorbenen in Kontakt standen, befänden sich in häuslicher Quarantäne, erklärt Mathias Eberenz, Sprecher des Asklepios-Konzerns mit Sitz in Hamburg. Nach HNA-Informationen soll der Mann mit mit zehn Menschen Kontakt gehabt haben. Darunter auch ein anderer Patient, der ebenfalls in Quarantäne ist. 

„Weitere Aussagen zum Gesundheitszustand des Patienten sowie Angaben zum Aufenthalt des Patienten in der Klinik verbieten sich wegen der ärztlichen Schweigepflicht.“ Ob der Mann sofort auf der Isolierstation oder auf der normalen Stationären untergebracht war, beantwortete der Konzern nicht. Weiter unklar ist auch, ob der Mann an den Folgen von Covid-19 gestorben ist.

Coronavirus: Risiko einer Infektion für Klinikpersonal groß

Dass die Mitarbeiter unter häusliche Quarantäne gestellt wurden, sei bundesweit üblich, um Patienten und Mitarbeiter zu schützen, sagt Eberenz. Dem geht eine Risikobewertung des Robert-Koch-Instituts voraus. Das Risiko für Klinikpersonal und Patienten, sich mit Corona zu infizieren, bestehe immer. Denn nicht jeder Patient könne zuerst auf Corona getestet werden, bevor er behandelt wird. 

„Dafür haben wir einfach nicht die Ressourcen“, erklärt Eberenz. Das könne weitreichende Folgen haben. Wenn ein Patient beispielsweise erst später Symptome der Atemwegserkrankung zeige und nicht sofort auf der Isolierstation behandelt werde. Denn in Zeiten von Corona stünden Krankenhäuser vor enormen Herausforderungen. Das Personal sei aber gut geschult. 

Coronavirus: Fiebermessen vor Notaufnahme

Beim Eintreffen der Patienten in der Klinik werden Fragen gestellt, die sich an den Richtlinien des RKI orientierten. Zudem wird in den Asklepios-Kliniken in Schwalmstadt undMelsungen Fieber gemessen und ein Screening durchgeführt, bevor Patienten in die Notaufnahme gelangen. „Beim kleinsten Verdacht auf Corona, wird der Patient isoliert.“ Der Klinik-Sprecher sieht ein größeres Problem bei der Ausstattung: „Schutzkleidung und Atemschutzmasken sind Mangelware.“

"Nicht jeder Patient wird vor der Behandlung auf Corona getestet"

Ein Restrisiko, dass sich Klinikpersonal an einem Patienten mit Corona infiziert, bestehe immer, erklärt Mathias Eberenz. Grundsätzlich werden den Patienten beim Eintreffen in der Klinik Fragen gestellt, die sich an den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts orientieren, erklärt Eberenz. 

Zudem wird in den Asklepios-Kliniken in Schwalmstadt und Melsungen Fieber gemessen. „Es werde aber darauf geachtet, dass Patienten mit einem begründeten Verdacht auf das Virus umgehend auf die Isolierstation gebracht werden, selbst wenn sie beispielsweise wegen eines Beinbruchs in die Klinik kommen.“

Coronavirus: Schutzkleidung ist Mangelware bei Kliniken 

Grundlegend sei es unmöglich, jeden Patienten zuerst auf Corona zu testen, bevor er aufgenommen und behandelt werde. „Dafür haben wir – wie bundesweit viele Krankenhäuser – schlichtweg einfach nicht die Ressourcen“, erklärt Eberenz. Komme es doch zu einem Fall, dass sich erst im Nachhinein herausstelle, dass ein Patient an Corona erkrankt und nicht gesondert behandelt worden sei, greifen die folgenden bekannten Maßnahmen: „Es werden natürlich alle Kontaktpersonen des Infizierten informiert und unter Quarantäne gestellt“, sagt Eberenz. Dazu zählt dann natürlich auch das Klinikpersonal oder andere Patienten, wie bei dem Fall in Melsungen. Dann werden gegebenenfalls Tests vorgenommen.

In der derzeitigen Situation müsse man darauf bauen, dass das Personal die entsprechenden Schutzmaßnahmen konsequent einhält. „Dafür sind unsere Mitarbeiter gut geschult“, sagt Eberenz. Klinikpersonal, das Patienten betreut, die höchst infektiös sind, würden regelmäßig die Schutzkleidung wechseln, um sich selbst und andere zu schützen. 

Coronavirus: Schutzkleidung in Asklepios-Klinik in Melsungen Mangelware

Aber dort stünden die Asklepios-Mitarbeiter, wie auch Personal anderer Krankenhäuser, vor einer großen Herausforderung: „Wie in anderen Kliniken, Arztpraxen und Pflegeheimen ist Schutzkleidung derzeit Mangelware – auch in den Asklepios Kliniken müssen wir zum Beispiel mit Schutzmasken ressourcenschonend umgehen. Nachschub ist bestellt, aber die Lieferketten sind zum Teil unterbrochen“, sagt Eberenz.

Im Umgang mit Patienten, die nur ambulant behandelt würden, wechsele das Personal also nicht so häufig die Schutzkleidung, wie bei einem hochinfektiösen Patienten, sagt Eberenz. „Die Sicherheit der Patienten wird dabei aber nicht außer Acht gelassen.“

Derzeit müsse man sich aber einfach die Frage stellen, wie man mit Schutzkleidung nachhaltig umgehe. Außerdem verwende das Personal nicht bei jedem Patienten Atemschutzmasken mit der Klasse zwei oder drei, sagt er. Die seien beim Umgang mit hochinfektiösen Patienten wichtig, wenn das Personal unmittelbar am Patienten arbeite. Der Einsatz geschehe je nach Risikobewertung und streng nach Vorgaben des RKI und den Gesundheitsämtern. „Aber vollkommen ungeschützt gehen unsere Mitarbeiter nicht an die Patienten. Es werden keine Viren, Keime und Bakterien unkontrolliert verbreitet.“

Coronsvirus: Richtlinien des RKI für Krankenhäuser

Kritik übt der Klinik-Sprecher derweil an den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts. Diese sprechen den Kliniken eine Empfehlung im Umgang mit Patienten mit Corona und ohne Corona-Verdacht aus. Die Vorgaben werden regelmäßig aktualisiert.

„Unsere Mitarbeiter sind geschult und auf dem neuesten Stand der Informationen. Die Kriterien, was einen Risikopatienten oder einen begründeten Verdacht für eine Testung ausmacht, sind klar definiert.“

Problematisch sei aber, dass jetzt zunehmend Patienten mit Verdachtssymptomen in die Kliniken kämen, die nicht aus einem Risikogebiet kommen oder nachweislich direkten Kontakt zu positiv getesteten Personen gehabt hätten.

„Das Virus ist längst viel weiter in der Gesellschaft verbreitet, und das erschwert die Einschätzung, ob jemand getestet werden muss,“ sagt Eberenz. „Zu Beginn der Infektion ist der Patient oft ohne Symptome und das Virus nicht im Labor nachweisbar, deshalb kann auch ein Patient mit einer völlig anderen Erkrankung das Virus unbemerkt verbreiten – auch an Personal und andere Patienten“, sagt Eberenz.

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