Erste Bilanz nach drei Wochen

Coronavirus: So läuft Homeschooling bei der Felsberger Gesamtschule

Die Eingangshalle sowie die Wände in der Drei-Burgen-Schule werden derzeit saniert.

Seit dem 16. März waren die Schulen wegen des Coronavirus geschlossen. Wir haben an der Drei-Burgen-Schule  in Felsberg nachgefragt, wie der Fernunterricht vor den Osterferien lief.

Felsberg – „Die Schule ist wie eingefroren“, sagt Karl-Werner Reinbold. Am 13. März beschloss die Landesregierung, dass auch alle Schulen und Kitas in Hessen schließen müssen. „Wenn wir die Krise überwunden haben, müssen wir sie wieder auftauen“, sagt er. Stück für Stück.

Karl-Werner ReinboldSchulleiter Drei-Burgen-Schule

Im Lehrplan einfach weiterzumachen, komme dann nicht in Frage. Das heiße aber nicht, dass Schüler und Lehrer in der Situation planlos seien. „Wir haben einen Weg gefunden“, sagt der Schulleiter. Ein Überblick, wie Schule von Zuhause aus funktioniert hat und wie man die Zeit noch genutzt hat.

Coronavirus: Schule wird während Schließung saniert

Die Räume der Drei-Burgen-Schule waren menschenleer. Bis auf einzelne Handwerker, die dabei sind den Eingangsbereich sowie die Decke der Schule zu sanieren. „Wir nutzen die Zeit, die Sanierungsarbeiten, die eigentlich für die Sommerferien geplant waren, jetzt schon umzusetzen“, sagt Reinbold. Lediglich eine Schülerin war bei der Notfallbetreuung an der Drei-Burgen-Schule angemeldet. Das Kind sei gut betreut worden in den Räumen der Sozialarbeiter, sagt Reinbold.

Die Eingangshalle sowie die Wände in der Drei-Burgen-Schule werden derzeit saniert.

Coronavirus: So läuft Der Unterricht von Zuhause

„Seien sie kreativ“, hieß es vom Kultusministerium in Hinblick auf die Herausforderung für Lehrer, Schüler und Eltern. Lehrer Ole Schütz (Klasse fünf, Gymnasialzweig) habe eine gut funktionierende Kommunikationsstruktur zwischen Eltern, Schülern und ihm über E-Mail und Telefon aufgebaut, erklärt Reinbold. Mit Hilfe eines Lerntagebuchs übergab Schütz Arbeitsaufträge, Übungen, Lösungen und Lehrvideos, die gemeinsam bearbeitet wurden. Um eine Struktur zu bekommen, habe er einen Wochenplan erstellt. Mithilfe eine Checkliste konnten die Schüler dann überprüfen, ob sie mitkommen. 

Lehrer Ole Schütz beim Korrigieren der digitalen Arbeitsblätter seiner Schüler.

Reinbold sagt aber auch: Die Lehrer standen in regem Kontakt mit den Eltern. „Es ist aber nicht die Aufgabe der Eltern den Kindern neuen Stoff beizubringen – dafür sind die Schule und Lehrer da“, sagt Reinbold. Wir wollen, dass die Aufgaben gut verinnerlicht werden, damit man dann wieder gemeinsam in der Schule im Lehrplan weitermachen kann – möglichst auf demselben Stand. „Neuer Unterrichtsstoff gehört nach dieser Zeit ausschließlich in die Schule.“ Im Kollegium sei man sich durchaus bewusst darüber gewesen, dass Eltern mit Kinderbetreuung, Homeoffice, Kurzarbeit und Versorgung von älteren Angehörigen mit wichtigen anderen Dingen beschäftigt seien, sagt der Schulleiter. Die Überprüfung der Arbeitsaufträge der Schule stünde nicht im Vordergrund. Nach dieser Zeit werde es weder Überprüfungen noch Arbeiten mit Leistungserfassung dazu geben.

Coronavirus: Schüler werden auf  Prüfungen vorbereitet

Komplizierter war es bei den Abschlussklassen. Anita Berreis, Klassenlehrerin einer zehnten Realschulklasse, bereitet derzeit ihre Schüler im Fach Mathematik auf die Abschlussprüfung vor. „Eine riesen Herausforderung“, sagt Reinbold. Dafür hatte sich Berreis etwas ganz Besonderes ausgedacht: Ein Youtubekanal mit dem Namen „FitinPrüfung“. In den Videos rechnet sie die Aufgaben und erklärt dabei ihren Rechenschritt. „Die Schüler schauen sich die Videos an und können die Lösungswege mitrechnen, mitdenken, nachvollziehen“, sagt Reinbold. In einem Chatroom wurden die Fragen der Schüler beantwortet.

Anita Berreis hat für ihre Schüler einen YouTube-Channel erstellt: Darin erklärte sie Mathe-Aufgaben. Mit den selbst gebauten Hilfsmitteln filmt sie die Rechnung.

Nicht alles könne aber so einfach digital umgesetzt werden, denn dafür reichen nicht immer alle Mittel: Stephan Warlich, Klassenlehrer einer achten Klasse, hatte Probleme bei der Umsetzung der Aufgaben. „Nicht alle Schüler haben einen eigenen Laptop oder PC oder müssen sich diesen mit Geschwistern teilen.“ Deshalb musste auch er kreativ werden: Als passionierter Radsportler war er mehrmals in der Woche unterwegs und brachte die Materialien direkt nach Hause und holte diese auch dort ab. „Denn es ist auch eine Zumutung, dass die Eltern hunderte von Arbeitsblättern ausdrucken – da kommen auch Eltern an ihre Grenzen“, sagt er.

Stephan Warlich beim Austragen der Aufgaben.

Lehrer machen während Schulschließung Fortbildung

Und was machten die Lehrer, wenn sie nicht gerade mit Eltern telefonierten, neue Videos für YouTube drehten? Die Lehrer der Drei-Burgen-Schule nutzten die Zeit für Fortbildungen. „Es gab das Angebot, eine Fortbildungsmöglichkeit auf dem BiSS-Fortbildungsportal (Bildung durch Sprache und Schrift) zu buchen“, sagt Reinbold.

Das E-Learning-Modul „Sprache im Alltag und im Fach“ umfasse die Wissensaneignung durch Sprache. Sprachsensibilisierung sei notwendig, dass auch Sprachbildung im Fachunterricht stattfinden könne, so Reinbold.

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