Neuer Chefarzt

Coup für neue Psychiatrie: Ex-Hephata-Chef baut Asklepios-Klinik in Melsungen mit auf

Neue Aufgabe: von links Chefarzt Peter Wulf mit seiner Assistenzärztin Aluca Oancea, Asklepios-Geschäftsführerin Dagmar Federwisch und seiner Bereichsleiterin Pflege Natalja Walker freuen sich auf das neue psychiatrische Angebot am Melsunger Krankenhaus. Das Bild entstand auf der Bartenwetzerbrücke.
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Neue Aufgabe: von links Chefarzt Peter Wulf mit seiner Assistenzärztin Aluca Oancea, Asklepios-Geschäftsführerin Dagmar Federwisch und seiner Bereichsleiterin Pflege Natalja Walker freuen sich auf das neue psychiatrische Angebot am Melsunger Krankenhaus. Das Bild entstand auf der Bartenwetzerbrücke.

Der Landkreis bekommt ein neues psychiatrisches Angebot. Asklepios eröffnet in der Melsunger Klinik im August zwei neue Stationen mit 30 Betten. Für die medizinische Leitung ist dem Klinikkonzern dabei ein Coup gelungen: Chefarzt wird Peter Wulf (53).

Der Facharzt für Psychiatrie verantwortete zuletzt drei Jahre den psychiatrischen Bereich bei Hephata in Treysa. Mit ihm wechseln auch die Bereichsleiterin Pflege, Natalja Walker, und die Assistenzärztin Aluca Oancea nach Melsungen.

In Melsungen soll er das neue psychiatrische Angebot etablieren und mittelfrististig ausbauen – von 30 Betten zum Start auf künftig 50. Zum stationären Angebot gebe es auch eine psychiatrische Institutsambulanz, sagt Dagmar Federdwisch, Geschäftsführerin der Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken.

Der Personalbedarf sei gedeckt, das Team stehe im Wesentlichen, sagt Federwisch. Die neue Personalverordnungsrichtlinie gibt den Stellenschlüssel vor. Für die beiden Stationen schafft Asklepios 25 Stellen im pflegerischen Bereich, außerdem werden Physio-, Ergotherapeuten und weitere Therapeuten eingestellt. Zu den beiden benötigten Stationsärzten kommen der Chef- und der Oberarzt. Das Profil des Angebots möchte man zusätzlich mit der psychologischen Stelle schärfen. Dort stehe man in aussichtsreichen Verhandlungen, sagt Federwisch. Derzeit befindet sich noch die psychiatrische Ambulanz mit Tagesklinik von Vitos im selben Gebäude. Mittel- bis langfristig würde Asklepios dieses Angebot aber gerne selbst anbieten, stellt Federwisch klar.

Der Aufbau des psychiatrischen Angebots sei ein Bekenntnis zum Standort Melsungen. Ob es im Klinikneubau fortgeführt werde oder in einem dann modern sanierten Bestandsgebäude ist noch offen. Die Planung mit dem hessischen Sozialministerium laufe und sei noch nicht abgeschlossen.

An dieser Informationspolitik gibt es weiterhin Kritik aus dem Landkreis. Im Kreistag forderte Bernhard Lanzenberger (CDU), Asklepios müsse die Pläne jetzt endlich transparent machen.

Psychiatrische Abteilungen von Asklepios öffnen im August

Auch wenn aktuell viel Kritik auf Asklepios Schwalm-Eder hereinprasselt, der Aufbau der psychiatrischen Abteilungen wird als Standortbekenntnis gewertet.

„Wir haben viel vor“, sagt Peter Wulf, neuer Chefarzt der Psychiatrie in Melsungen. Das sei Teil der neuen Herausforderung. Er habe keine Blaupause, sondern können mit einem tollen und starken Team etwas neues aufbauen. Er könne den Start im August kaum erwarten.

Er verlasse Hephata mit einem weinenden Auge: Die Mitarbeiterschaft sei ein echter Schatz. Die Kollegen in Treysa seien weit über das übliche Maß hinaus motiviert und Neuem gegen über sehr offen gewesen. Es gebe einen sehr wertschätzenden Umgang mit den Patienten. Das führe unter anderem dazu, dass weitaus weniger Zwangsmaßnahmen notwendig seien, als sonst üblich. Diesen Umgang wolle er auch in Melsungen etablieren.

Im Gepäck hat Wulf außerdem einen innovativen Therapieansatz für schwerst depressive und therapieresistente Patienten: die elektrokonvulsive Therapie (EKT). Diese Patienten erhielten unter Kurznarkose und mit Gabe von Muskelentspannern Stromimpulse, die nur wenige Sekunden andauerten. Die Impulse lösen eine kurze Überregung im Gehirn aus – vergleichbar einem epileptischen Anfall. Diese Therapie komme nur bei ausgewählten Patienten und auf Wunsch der Patienten zum Einsatz.

Durch diese Therapie sei er auch mit Asklepios in Kontakt gekommen, berichtet Asklepios-Geschäftsführerin Dagmar Federwisch. Denn die Behandlung erfolgte mit Asklepios-Anästhesisten in der Schwälmer Klinik. Die direkte Anbindung an eine Klinik mit somatischen Abteilungen sei ein weiterer Grund für seinen Wechsel gewesen, sagt Wulf. Eine weitere Methode, die er mit nach Melsungen bringt, ist die Vagusnervstimulation. Dabei wird den Patienten ein Schrittmacher am Vagusnerv am Hals eingesetzt, der für eine dauerhafte Stabilisierung der Stimmung sorgt.

Für eine Stabilisierung der Stimmung muss Asklepios indes in einem anderen Bereich sorgen. Denn der Ersatz-Neubau des Melsunger Krankenhauses und die gescholtene Informationspolitik sorgen weiter für Diskussionen – und im Kreistag zuletzt für erhitzte Gemüter. Aus diesem Grund stellten die CDU- und Linken-Fraktion Dringlichkeitsanträge, mit denen Druck auf Asklepios ausgeübt werden soll. Bernhard Lanzenberger (CDU) sagte: „Wir befürchten, dass es uns in Melsungen ähnlich ergehen könnte, wie in Homberg.“ Asklepios solle ihre Pläne hinsichtlich des Melsunger Krankenhauses endlich transparent machen.

„Wir führen uns allmählich von Asklepios an der Nase herum geführt“, sagte der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Nils Weigand. Der Klinikbetreiber müsse sich endlich äußern.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Günter Rudolph sieht vor allem ein Versagen im hessischen Sozialministerium, da Asklepios seit Jahren Fördergeld des Landes Hessen für den Ersatz-Neubau erhalte. „Das was hier passiert ist, ist ein Kommunikationsdesaster. Die Menschen brauchen Planungssicherheit, gerade in Corona-Zeiten.“

Auch Jochen Böhme-Gingold (Linke) kritisierte die Entwicklung in Melsungen. „Der Neubau ist ein trauriges Kapitel“, sagt er. Wahrscheinlich würde er nicht wirtschaftlich betrieben werden können, so die These des Fraktionsvorsitzenden.

Der Erste Kreisabgeordnete Jürgen Kaufmann erklärte, dass er mit Landrat Winfried Becker Gespräche mit der Asklepios-Leitung geführt habe, immer wieder sei darauf verwiesen worden, dass der Neubau in Kürze beginne. Die Anträge wurden angenommen.

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