Postkarten sind seine Passion

Der Malsfelder Ludwig Below sammelt historische Ansichtskarten

Ein besonderes Hobby: Die Arbeit bei der Post inspirierte den 71-jährigen Ludwig Below aus Malsfeld dazu, alte Ansichtskarten und Postdokumente zu sammeln und archivieren.
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Ein besonderes Hobby: Die Arbeit bei der Post inspirierte den 71-jährigen Ludwig Below aus Malsfeld dazu, alte Ansichtskarten und Postdokumente zu sammeln und archivieren.

Ludwig Below aus Malsfeld sammelt seit 1963 alte Postkarten mit Melsunger Stadtansichten.

Malsfeld – Ein Gefühl von Nostalgie kommt auf, wenn der Malsfelder Ludwig Below seine Sammlung historischer Ansichtskarten auf seinem Tisch ausbreitet. Der 71-Jährige sammelt seit über 50 Jahren Postkarten mit Melsunger Stadtansichten. Die Karten bewahrt Below in Kisten auf, in Folie eingeschweißt und sorgfältig sortiert. Zu jeder dieser Karten könne er eine Geschichte erzählen, sagt er.

Seine Faszination für Ansichtskarten begann, als er mit sechs Jahren seinem Vater bei der Arbeit in der Druckerei Bernecker half. Dort gab es eine Pinnwand, an der Postkarten aus der Region, aus Italien und Österreich hingen. Die Mitarbeiter hatten diese aus ihrem Urlaub an die Druckerei geschickt. „Dort war eine Karte mit dem Edersee als Motiv und die begeisterte mich besonders“, erzählt Below. 1963 begann er dann bei der Deutschen Bundespost in Melsungen zu arbeiten, da war er gerade einmal 13 Jahre alt. Seitdem sammelt er Ansichtskarten.

Das Betrachten alter Ansichtskarten bringt viele Erinnerungen zurück

Ludwig Below

Auf seinen täglichen Routen durch die Stadt vergrößerte er seine Postkartensammlung: Beim Ausliefern der Post fragte er die Leute an ihrer Haustür, ob sie alte Postkarten hätten. Auch Freunde wurden auf seine Leidenschaft aufmerksam und trugen zu seiner Sammlung bei. Heute ersteigert Below alte Ansichtskarten bei Ebay. Über 50 Jahre war Below bei der Post beschäftigt.

Er arbeitete in Frankfurt bei der Messepost und war auf einem Museumspostschiff von Duisburg bis Kiel im Einsatz. Bei der Fußball-WM 1974 war er für den Deutschen Fußballbund für internationale Reporter als Postmitarbeiter zuständig. Ende der 1990er-Jahre übernahm der Malsfelder die Filialleitung der alten Hauptpost in Kassel, bis er 2001 als Bankberater wieder zurück nach Melsungen kam.

Waldhotel zur Lindenlust: Die Ansichtskarte zeigt das Hotel in Melsungen bei der Eröffnung 1905. Repro.

In seinen Jahren bei der Post entstanden viele Freundschaften zu anderen Sammlern, mit denen er Postkarten tauschte. Die Heimat blieb dabei stets sein Lieblingsmotiv. Als bei einem Sammlertreffen jemand sagte, dass jeder Brief und jede Postkarte einmalig seien, sammelte Below auch Briefe und Telegramme über die Postgeschichte von Melsungen. So kamen rund 900 postgeschichtliche Dokumente zusammen, beginnend im 16. Jahrhundert.

„Das Betrachten alter Ansichtskarten bringt viele Erinnerungen zurück“, sagt er, als er eine Postkarte anschaut, die das Waldhotel Lindenlust zeigt. „Dort sind wir oft mit der Familie und Freunden gewesen und haben Waldmeisterbrause getrunken“, erinnert er sich.

Von Melsungen nach Grottkau: Die Karte von 1897 ist die älteste in Belows Sammlung. Repro.

Die älteste Postkarte in seinem Fundus ist von 1897. „In Melsungen meiner Heimat glücklich angekommen“, steht darauf geschrieben.

Mit dem Sammeln solcher Karten entwickelte Below Interesse am Fotografieren. Mit seiner ersten Kamera, einer Agfa Silette, fotografierte der 71-Jährige Häuser und Orte in Melsungen. Einige der Häuser gebe es heute nicht mehr, so Below. „Ich habe einige Kisten voll mit Fotos von Häusern in Melsungen und könnte zu jedem etwas erzählen.“

Der Malsfelder hat nicht nur zu Melsunger Orten Anekdoten auf Lager, sondern auch einige aus seinem Leben: Mit fünf Jahren schlich er sich aus dem Kindergarten, um sich dem Zirkus anzuschließen, der in Malsfeld seine Zelte aufgeschlagen hatte. „Doch das ist eine andere Geschichte.“ (Von Natascha Terjung)

Zur Person

Ludwig Below (71) wurde 1949 in Melsungen geboren. In seiner Jugend spielte er Fußball, war im Jugendspielmannzug der Feuerwehr und im Schützenverein. Von 1963 bis 2013 arbeitete Below bei der Deutschen Bundespost. Heute genießt er seinen Ruhestand mit seiner Frau in Malsfeld.

Neben dem Sammeln von Ansichtskarten und alten Briefen hat der Malsfelder auch Interesse an Briefmarken. Er gründete 1980 die Briefmarkenjugendgruppe Melsungen und ist Vorsitzender der Melsunger Briefmarkenfreunde. In den 1980er-Jahren spielte der 71-Jährige in dem Film „Feuerzeichen“ mit. Dieser wurde teilweise in Melsungen gedreht und war im Stadtwald zu sehen.

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