Der Markwald wird jünger: Zehntausende neue Bäume gepflanzt

Schutz gegen den Wildverbiss: Hier ist es die neu gepflanzte Vogelkirsche am Heiligenberg, die durch Wuchshüllen geschützt werden soll. Die Hüllen werden später beseitigt. Links Betriebsassistent Jonas Schorr mit seinem Hund Janka, rechts Klaus Stiegel, Vorsitzender der Markgenossenschaft Beuerholz.
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Schutz gegen den Wildverbiss: Hier ist es die neu gepflanzte Vogelkirsche am Heiligenberg, die durch Wuchshüllen geschützt werden soll. Die Hüllen werden später beseitigt. Links Betriebsassistent Jonas Schorr mit seinem Hund Janka, rechts Klaus Stiegel, Vorsitzender der Markgenossenschaft Beuerholz.

Die 2018 begonnene Verjüngungskur für den Markwald Beuerholz wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. In den vergangenen Jahren sind auf einer Gesamtfläche von rund zehn Hektar zusammen 42 340 Bäume neu gepflanzt worden.

Beuern - In diesem Jahr kommen noch einmal 14 600 hinzu. Das teilten namens der Waldbesitzer der Vorsitzende der Markgenossenschaft, Altbürgermeister Klaus Stiegel, sowie Jonas Schorr vom Forstamt Melsungen in einem HNA-Gespräch mit. Schorr ist der stellvertretende Revierleiter. Neben den Neupflanzungen wurden in den vergangenen zwei Jahren in den vorhandenen Kulturen 15 500 Bäume nachgepflanzt. Der 650 Hektar große Markwald Beuerholz ist ein Privatwald, der von Hessen Forst betreut wird.

Nunmehr zwei Dürresommer, Windwurf und Schädlingsbefall vor allem durch den Borkenkäfer und Mäuse machen auch den heimischen Wäldern schwer zu schaffen. Dem Markwald Beuerholz geht es zwar nicht ganz so schlecht wie anderen Wäldern, sagt Stiegel. Damit aber die entstandenen Lücken wieder geschlossen werden können, wird verstärkt neu gepflanzt. „Freie Flächen müssen so schnell wie möglich aufgeforstet werden“, sagt Stiegel im Hinblick auf die kahlen Stellen, die nach Sturmschäden, Käferbefall und Trockenheit entstanden sind.

Ergänzt wurde der Bestand in den vergangenen Jahren unter anderem mit Douglasien, Esskastanien, Küstentannen, Vogelkirschen, Bergahorn, Traubeneichen, Elsbeeren und Baumhasel. In diesem Jahr wird zusätzlich auch die Roteiche gepflanzt. Hessen Forst setzt auf die natürliche Verjüngung standortgerechter Baumarten. Schorr: „Wir fördern den Mischwald, da dieser stabiler ist.“ Daher würden gezielt klimarobuste Arten wie Traubeneiche, Douglasie oder Roteiche gepflanzt.

Zum Schutz der Pflanzen vor Wildverbiss waren Schutzzäune auf einer Gesamtlänge von 2500 Metern notwendig. Hinzu kommt der Einzelschutz für frisch gepflanzte Bäume. Der fällt beispielsweise auf, wenn man zur Burg Heiligenberg fährt oder wandert. In der Nähe des ehemaligen Forsthauses sieht man derartige Wuchshüllen. Es sind Plastikschalen, die die jungen Bäume davor schützen, dass das Wild die frischen Triebe abfrisst.

Gehandelt werden muss, weil die Schäl- und Verbissschäden im Markwald inzwischen ein hohes Ausmaß angenommen haben, wie es Klaus Stiegel formuliert. Verursacher seien in erster Linie Rehe und Hirsche. „Hirsche wandern immer wieder aus den Rotwildrevieren jenseits der Fulda zu“, sagt Stiegel.

Nach seinen Angaben gibt es im Markwald zwei Jagdreviere. Die Jagdpächter hätten ihre Vorgabe, wie viel Wild sie schießen müssen. Die Abschusspläne sollen – so erläutert Stiegel – zu 30 Prozent über das normale Maß hinaus erfüllt werden, „um die laut Verbissgutachten festgestellten hohen Schäden an den Jungpflanzen zu minimieren“. Stiegel: „Wir wollen sicher nicht, dass mehr Wild als notwendig abgeschossen wird, aber wir müssen, um den Wald für die kommenden Generationen zu erhalten, dafür sorgen, dass er wieder wächst und die entstandenen Lücken zügig geschlossen werden.“

Mit dem Pflanzen der Kulturen allein ist es nach den Worten von Jonas Schorr aber nicht getan. In den nächsten Jahren sei es wichtig, die Kulturen im Auge zu behalten, sie zu pflegen – zum Beispiel durch das Freischneiden von Graswuchs, Holunder und Brombeeren – und nachzubessern. Dabei gehe es auch um die Bekämpfung der Schäden durch Mäusefraß. Das werde auch in Zukunft Kosten verursachen, sagt Schorr, der von einem „Hindernislauf“ und vielen Hürden für die jungen Bäume spricht.

Der Markwald Beuerholz lebe von einer schwarzen Null, formuliert es Klaus Stiegel. Nur durch die Einnahme der Windräder habe man einen gewissen finanziellen Spielraum. Der Wald sei aber am Rand seiner Leistungsfähigkeit. In den vergangenen zwei Jahren haben die Waldeigentümer 94 000 Euro für neue Pflanzen investiert. Hinzu kommen 46 000 Euro für den Schutz gegen Wildverbiss. 40 000 Euro staatliche Förderung gab es.

Von Manfred Schaake

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