Melsungen kämpft im Wald gegen den Klimawandel

Mehr junge Eichen für den Melsunger Stadtwald

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Kleine Eiche im Schutz der Baumwurzel: Förster Erwin Heckmann zeigt eine Eiche, die im vergangenen Jahr im Stadtwald gesät wurde.

Im Schutze einer gefällten Fichte wächst die kleine Roteiche heran. Sie wurde im Oktober vergangenen Jahres von Melsunger Freiwilligen als Eichel gesät und ist mittlerweile zu einem stattlichen Pflänzchen herangewachsen. Sie soll groß und kräftig werden, genau wie viele andere ihrer Art, um die kahle Fläche wieder zu bewalden. Dort stand einst ein Fichtenwald – bis Hitze, Dürre, und Borkenkäfer kamen.

Viele Schüler, Kindergartenkinder, Jugenddiakonien und Bewohner der Stadt haben im vergangenen Herbst unter Anleitung von Revierförster Erwin Heckmann bei den Pflanzaktionen mitgemacht. Sie haben das gemacht, was sonst Eichelhäher, Krähen oder Eichhörnchen übernehmen: Sie haben die Früchte der umliegenden Rot- und Traubeneichen gesät. Das Ergebnis lässt sich nun, nach einem dreiviertel Jahr, erkennen.

Nur eine von fünf Eicheln schafft es.

Petra Westphal, Forstamtsleiterin Melsungen

Nur wenige Lärchen und Buchen stehen noch auf dem eingegatterten Areal unterhalb der Carl-Braun-Hütte. Ansonsten sind dort Baumstümpfe, in deren Wurzelschutz, die der Förster Stockachseln nennt, die kleinen Pflänzchen wachsen. „Nur eine von fünf Eicheln schafft es“, berichtet Forstamtsleiterin Petra Westphal. Die anderen wurden im Winter von Mäusen gefressen. Vor Wild, das die jungen Triebe abknabbern würde, werden sie von einem Gatter geschützt.

Auf fünf Hektar sind solche bepflanzten Gatter-Bereiche im Stadtwald entstanden. Neue sind auf einer Fläche von 7,5 Hektar gepflanzt. Die Stadt als Eigentümerin setzt bei der Wiederbewaldung hauptsächlich auf Naturverjüngung und Saat beziehungsweise Pflanzung von Hand.

Ziel ist es, klimarobuste Baumarten im Stadtwald zu haben. „Damit haben wir eventuell nicht so großen Ertrag“, sagt Bürgermeister Markus Boucsein, „aber das war nie unser Ziel, wir wollen ordentlich arbeiten und die schwarze Null erreichen.“ Denn der Melsunger Stadtwald ist auch Erholungswald und nimmt die größte Fläche in der Melsunger Gemarkung ein. „Wir wollen einen gesunden, klimarobusten Mischwald hochziehen“, sagt Petra Westphal, „und dafür brauchen wir Geduld.“

Der Melsunger Stadtwald ist 700 Hektar groß und wird von Revierleiter Erwin Heckmann, einem Forstwirtschaftsmeister sowie einem Forstwirt bewirtschaftet. Er besteht aus folgenden Baumarten: Buche 40 Prozent, Fichte 20 Prozent, Eiche 15 Prozent, Sonstige wie Kiefer, Lärche etc. 25 Prozent. Fünf Prozent des Fichtenbestands ist durch Hitze, Trockenheit und Borkenkäfern zerstört. Das sind etwa 35 Hektar, was einer Fläche von 49 Fußballfeldern entspricht.

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