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Deutlich mehr Fehltage im Landkreis als im Vergleich zu 2021

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Von: Damai Dewert

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Fehltage haben seit Juni stark zugenommen: Die Anzahl der arbeitsunfähigen Mitarbeiter ist im Juli im Landkreis deutlich höher als im Vorjahr. Erkrankungen der Atemwege sind eine häufige Ursache – das Bild zeigt symbolisch Medikamente und eine Krankmeldung.
Fehltage haben seit Juni stark zugenommen: Die Anzahl der arbeitsunfähigen Mitarbeiter ist im Juli im Landkreis deutlich höher als im Vorjahr. Erkrankungen der Atemwege sind eine häufige Ursache – das Bild zeigt symbolisch Medikamente und eine Krankmeldung. © Damai Dewert

Die Krankenstände sind bundesweit und auch im Landkreis sehr hoch. Im ersten Halbjahr 2022 sind bundesweit rund 30 Prozent aller Krankheitsfälle auf Atemwegserkrankungen zurückzuführen.

Schwalm-Eder – Der Landkreis ächzt unter hohen Krankenständen. Das bestätigen die Kreisverwaltung, der Medizintechnikhersteller B. Braun und die Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken.

„Seit Mitte Juni sind die Krankheitsquoten bei uns in den Schwalm-Eder-Kliniken merklich nach oben gegangen – dies betrifft sämtliche Berufsgruppen und Fachbereiche. Zusätzlich zu der Coronapandemie sind auch deutlich mehr Ausfälle durch grippale Infekte hinzugekommen, was ja eigentlich sehr untypisch in dieser Jahreszeit ist“, sagt Klinikmanager Alexander Zietzsch.

Auch in der Kreisverwaltung weist der Sommer 2022 einen stark erhöhten Krankenstand auf. Im Juni sei ein Anstieg von etwa 26 Prozent der Krankheitstage im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen, teilt ein Kreissprecher mit.

Das deckt sich mit den Auswertungen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). Arbeitnehmer sind in diesem Jahr besonders häufig und lange wegen grippaler Infekte, Schnupfen, Bronchitis und anderer Erkrankungen der oberen Atemwege im Job ausgefallen. Das zeigen die Daten der KKH.

Im ersten Halbjahr 2022 sind bundesweit rund 30 Prozent aller Krankheitsfälle bei Berufstätigen auf Atemwegserkrankungen zurückzuführen. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 14 Prozent - ein Anstieg also um mehr als das Doppelte.

Es stiegen aber nicht nur die Fälle von Atemwegsinfekten, sondern auch die Summe der Krankheitstage: Insgesamt fast 18 Prozent der Fehlzeiten führt die KKH von Januar bis Juni 2022 auf Erkrankungen der Atemwege zurück. „Im Vorjahreszeitraum lag dieser Anteil noch bei 7,5 Prozent – ein drastisches Plus von rund 135 Prozent“, heißt es von einem Sprecher der KKH.

Arbeitnehmer mit diagnostizierten Atemwegsinfekten sind bis Ende Juni dieses Jahres 1,3 Millionen Tage im Job ausgefallen – dreimal so viele Tage wie im Vorjahreszeitraum.

So auch bei B. Braun: „Aktuell haben wir den höchsten Krankenstand in diesem Jahr und liegen weit über dem Jahresdurchschnitt 2021“, teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Genaue Zahlen würden und dürften nicht erhoben werden.

Die Krankenstände sind bundesweit und auch im Landkreis sehr hoch. Die Kaufmännische Krankenkasse veröffentlichte jüngst Zahlen dazu. Sie ist eine der größten bundesweiten gesetzlichen Krankenkassen mit rund 1,6 Millionen Versicherten.

Auch in den Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken gibt es viele Krankheitsfälle. „Es gibt leider Personalausfälle in sämtlichen Bereichen und über alle Berufsgruppen hinweg“, sagt Klinikmanager Alexander Zietzsch. Ein Umstand, der deutschlandweit sämtliche Kliniken betreffe. „Wir als Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken sind jedoch sehr stolz, sagen zu können, dass wir aufgrund der hohen Motivation und der Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiter, die erhöhten Ausfälle so kompensieren können, dass wir weiterhin in allen Einheiten voll einsatzfähig sind“, sagt Zietzsch.

Seit Beginn der Pandemie habe man viele Erfahrungen gesammelt und Abläufe entsprechend angepasst. Es gebe keine Notwendigkeit für weitere Anpassungen, da sich die etablierten Abläufe bewährt hätten. Natürlich gelte eine Maskenpflicht. Wegen der aktuell angespannten Lage musste wieder ein Besuchsverbot zur Kontaktreduktion verhängt werden. Zur Prävention würden zudem alle Mitarbeiter regelmäßig getestet.

„In Risikobereichen testen sich unsere Mitarbeiter und unsere Patienten noch häufiger. Jeder Patient, der in unserer Klinik aufgenommen wird, ist ebenfalls getestet“, sagt Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch. Seit Anfang Mai gebe es ein weiteres Angebot für die Mitarbeiter. Bei bundesweit 5000 teilnehmenden Fitnessstudios, Schwimmhallen, Kletterhallen und anderen Angeboten übernimmt Asklepios mehr als die Hälfte des Mitgliedsbeitrages für Mitarbeiter.

Für die Mitarbeiter gebe es zudem Grippeimpfungen und seit 2021 ein telefonisches Unterstützungsangebot in Krisenfällen: Mitarbeiter können anonym mit Experten telefonisch in den Austausch gehen.

Auch beim Medizintechnikhersteller B. Braun ist der Krankenstand überdurchschnittlich hoch. Laut Personalabteilung gebe es aber derzeit keine Engpässe in den Abteilungen.

Auch in der Kreisverwaltung gibt es noch keine schwereren Auswirkungen: Bei aufkommenden Infektionsgeschehen würden im beruflichen Umfeld täglich Tests zur Verfügung gestellt. Zudem werde die Arbeit so weit wie möglich, ins Homeoffice verlagert, heißt es von einem Sprecher.

Ausfälle würden durch Mitarbeitende aus anderen Abteilungen abgefangen. Das kostenlose Angebot für alle Mitarbeitenden hinsichtlich der Corona-Tests mit zwei Tests pro Woche wurde beibehalten, obwohl die Arbeitsschutzverordnung dies nicht mehr vorsehe. Es gebe im Allgemeinen ein internes Fortbildungsprogramm zur gesundheitlichen Prävention beziehungsweise zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Auch bei B. Braun gibt es viele Angebote: Diese reichten von Vorträgen und Kursen zur gesunden Ernährung und Schlafqualität bis hin zu Yoga, Pilates, Rückencoaching und Zuschüssen zu Gesundheitsreisen oder Nutzung eines Online-Fitnessclubs mit Fitnesskursen auf Abruf. (Damai Dewert)

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