Ehemaliger Wirtschaftsminister Hessens ist zurück

Dieter Posch im Interview zur Kommunalpolitik in Melsungen und Schwalm-Eder

+
Im Einsatz für die Mobilität: Dieter Posch fährt auch mal mit dem Fahrrad in die Kanzlei nach Kassel. Im Bild steht er vor dem Melsunger Rathaus, in der kommenden Legislaturperiode sitzt er erstmals für die FDP im Stadtparlament.

Melsungen. Ein großer hessischer Politiker ist zurück: Dieter Posch, ehemaliger Wirtschaftsminister Hessens, soll für die FDP in den Kreisausschuss und ins Stadtparlament einziehen.

Posch ist um erstaunliche 15 Plätze nach oben in die Melsunger Stadtverordnetenversammlung kumuliert worden. Dort ist das politische Schwergewicht Posch aber ein Neuling.

Herr Posch, ist Ihr Sohn Christopher (TV-Anwalt) mittlerweile bekannter als Sie?

Posch: Das kommt darauf an, in welchen Bevölkerungskreisen. Aber ich glaube, unter dem Strich wohl schon (lacht).

Sie arbeiten gemeinsam in einer Kanzlei in Kassel. Wie läuft das? 

Posch: Auf jeden Fall sehr konfliktfrei. Es ist eine Partnerschaftskanzlei, die wir gemeinsam mit Partnern aufbauen, das ist sehr spannend.

Viele haben sich in Ihrem Alter längst in den Garten oder aufs Fahrrad verabschiedet. 

Posch: Das ist schon eine Option. Also mit dem Fahrrad bin ich viel unterwegs, sogar die 70 Kilometer hin und zurück in die Kanzlei.

Sich ganz aus der Politik zurückzuziehen ist aber keine Option? 

Posch: Für mich stand immer fest, dass ich mich nicht hinsetze und im Garten Radieschen züchte.

Parteien klagen über Nachwuchsmangel und Mitgliederschwund. Liegt das nicht auch daran, dass der Nachwuchs nicht an den arrivierten Größen vorbeikommt? Fällt es Ihnen schwer, loszulassen? 

Posch: Bei der Wahrnehmung von Funktionen ist mir das nicht schwer gefallen. Als politischer Mensch fällt es mir aber sehr schwer, mich von Themen zu verabschieden. Die FDP hat immer den Nachwuchs unterstützt - im Landkreis zum Beispiel mit Wiebke Reich und Nils Weigand.

Sie werden im Kreisausschuss und in der Melsunger Stadtverordnetenversammlung sitzen, welche Themen wollen Sie voran bringen?

Posch: Ganz klar, neue Mobilitätsformen und die Entwicklung des ländlichen Raums. Da bin ich noch nah dran, arbeite der Landtagsfraktion zu und bin im Bundesfachausschuss Verkehr engagiert. Ich werde aber aufpassen müssen, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger dazustehen. (lacht)

Zieht es Sie dabei in die erste Reihe? 

Posch: Nein, ich möchte zurückhaltend arbeiten. Meinen Erfahrungsschatz einbringen und der Region etwas zurückgeben, ich habe in den vergangenen Jahren schließlich auch viel bekommen.

Die Sitten sind rau im Land- und Bundestag, können Sie ein paar Gänge zurückschalten? 

Posch: Sicher, ich nehme für mich in Anspruch, in Wiesbaden immer einen moderaten Umgang gepflegt zu haben, das werde ich jetzt auch so halten.

Kam das Ergebnis in Melsungen eigentlich überraschend für Sie? Immerhin sind Sie 15 Plätze nach oben kumuliert worden (von 21 auf 6). 

Posch: Oh ja, ich wollte meinen Solidarbeitrag leisten und habe mich aufstellen lassen. Kommunalpolitisch war ich aber immer nur auf Kreisebene aktiv, aus der Stadtpolitik habe ich mich bewusste rausgehalten. Aber ich nehme das Ergebnis und Mandat jetzt auch gerne an.

Zur Person:

Dieter Posch wurde am 19. Oktober 1944 in Wien geboren. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Marburg und Wien. 1966 Beitritt zur FDP. 1972 bis 1977 Mitglied des Kreistages und 1981 bis 1997. 1989 bis 1991 Staatssekretär beim Hessischen Minister für Wirtschaft und Technik. Von 1987 bis 2013 mit Pausen Mitglied des Hessischen Landtags und von 1999 bis 2003 und von 2009 bis 2012 Staatsminister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung. Posch ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.