1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen
  4. Melsungen

Ex-GNTM-Kandidatin Lijana Kaggwa spricht über Mobbing in Melsungen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Trägt ein besonderes Kleidungsstück: Ex-Germany's-Next-Topmodel-Kandidatin Lijana Kaggwa hat Beleidigungen und Hasskommentare auf dem Mantel stehen.
Trägt ein besonderes Kleidungsstück: Ex-Germany"s-Next-Topmodel-Kandidatin Lijana Kaggwa hat Beleidigungen und Hasskommentare auf dem Mantel stehen. © Lena Pöppe

Mobbing findet überall statt, wo digitale Medien genutzt werden. So auch in der Schule. Jetzt gab es eine Aktion dagegen an der Gesamtschule Melsungen.

Melsungen - Cybermobbing bezeichnet vor allem die Nutzung von sozialen Medien, um vorsätzlich und wiederholt Menschen zu verletzen, zu beleidigen und zu bedrohen, heißt es auf der Internetseite des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Nachdem Lijana Kaggwa selbst nach der Teilnahme an der Model-Castingshow Germany’s Next Topmodel von Cybermobbing betroffen war, hält sie nun in Schulen Vorträge, um junge Menschen für das Thema Mobbing zu sensibilisieren. Diese Woche war sie an der Gesamtschule Melsungen Teil des „Anti-Mobbing-Parcours“. Sie spricht über ihr Motto „Love always wins“ (zu deutsch: Liebe gewinnt immer) und stärkt bei der Aktion das Selbstbewusstsein der Schüler.

Frau Kaggwa, Sie haben den Schülern heute viel über das Thema Mobbing vermittelt. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Mir ist das Thema Mobbing und Cybermobbing so wichtig, weil ich selbst stark davon betroffen war. Außerdem passiert Mobbing nicht nur den Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sondern auch den Kindern hier in der Schule Tag für Tag. Deshalb ist es wichtig, dass man darüber spricht.

Inwiefern waren Sie davon betroffen?

Vor zwei Jahren habe ich an der Castingshow Germany’s Next Topmodel (GNTM) teilgenommen und aufgrund der Ausstrahlung unter extremem Cybermobbing gelitten. Das Cybermobbing ist bei mir bis ins reale Leben übergeschwappt, sodass ich schlussendlich unter Polizeischutz stand. Das ging so tief in meine Psyche, dass ich davon schwer depressiv wurde und Suizidgedanken hatte. Davor möchte ich die jungen Menschen bewahren.

Was genau hat zum Cybermobbing bei der Ausstrahlung geführt?

Ich wurde im Laufe der Show so manipuliert, dass ich dem Rollenbild der Zicke entsprochen habe. Das wusste ich während des Drehs selbst nicht. Mir wurden gewisse Handlungen vorgegeben, die den Zuschauer denken ließen, ich sei eine Egozentrikerin, die für den Sieg alles tun würde. Durch das ausgestrahlte Bild der Zicke hat sich eine gefährliche Eigendynamik im Netz entwickelt. Man hat mich gehasst, und desto schlimmer der Hass gegen mich war, umso mehr Applaus hat der Hasser von der Internetgemeinschaft bekommen.

Was raten Sie Betroffenen, um sich aus ihrer Situation zu befreien?

Hilfe von Außen. Ganz häufig schafft man es nicht alleine da raus. Man fängt an, den Mobbern zu glauben. Deswegen sind Personen wichtig, die einem immer wieder zeigen: Hey, du bist wertvoll. Mobber definieren dich nicht. Die Hilfe kann von Freunden, Bekannten, der Familie oder Hilfestellern wie dem Bündnis gegen Cybermobbing, den „Coolen Monkeys“ von der Evangelischen Landeskirche oder Schulsozialassistenten und Vertrauenslehrern kommen. Außerdem ist eine starke Selbstliebe wichtig. Die jungen Menschen müssen für sich erkennen, dass Individualität gut und wichtig ist. Für mich persönlich ist nur bunt schön. Niemals ist irgendetwas an dir falsch, weshalb du gemobbt wirst.

Ihre Botschaft ist „Love always wins“. Wie sind Sie darauf gekommen?

Es war mir wichtig, eine positive Botschaft zu senden. Wofür stehe ich? Ich bin für die Liebe. Denn egal ob Selbstliebe oder Liebe nach außen schenken, das ist das Wichtigste, was man im Kampf gegen Mobbing machen kann. Hass kann man nur mit Liebe bekämpfen. Bei mir hat am Ende definitiv die Liebe gegen den Hass gewonnen. Deshalb stehe ich jetzt hier, und bin glücklich. Man sieht bei mir: Love always wins.

Sehen Sie Veränderungen durch Ihre Projekte und die Aufklärungsarbeit?

Die Gesellschaft wird immer sensibler für solche Themen. Auch auf den Social-Media-Plattformen stehen Menschen immer häufiger in den Kommentaren für Betroffene ein, was vorher nicht so zu beobachten war. Diese Veränderung ist das Schönste, was mir passieren kann. Ich will, dass niemand mehr so was Schlimmes erleben muss wie ich.

Wenn Sie Betroffenen eine Sache sagen könnten. Was wäre das?

Du selbst entscheidest deinen Wert. Lass dir von keinem Menschen auf der Welt erzählen, wer du bist. Du entscheidest dich dafür, dass du dich selber liebst und dass du selber ein wundervoller Mensch bist, gerade weil du anders und individuell bist. Wenn du dich dafür entschieden hast, dann kann dir Mobbing und Cybermobbing nichts mehr anhaben, weil es dich einfach nicht mehr verletzen kann.

(Lena Pöppe)

Auch interessant

Kommentare