Größte Flüchtlingsunterkunft im Kreisteil

Einblicke in die größte Flüchtlingsunterkunft im Kreisteil Melsungen

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Leben seit knapp zwei Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft in Melsungen: (von links) Sadiq und Hossein H. aus Afghanistan. Beide sprechen bereits verständlich deutsch.

Melsungen. Die ehemalige Jugendherberge ist die größte Gemeinschaftsunterkunft im Kreisteil. Die Mitarbeiter, Ehrenamtlichen und Bewohner ziehen positive Bilanz.

Gerd Kümmel, Leiter der Polizeistation Melsungen und Mitglied der Arbeitsgruppe Asyl und Integration, bestätigt: Das Zusammenleben der Menschen verlaufe harmonisch. „In der Zeit gab es keine kriminellen Auffälligkeiten“, sagt Gerd Kümmel.

Natürlich habe es kleinere Streitigkeiten gegeben. Diese seien aber unvermeidbar, wenn fremde Menschen so dicht beieinander wohnten. Zum Streit führten dann zum Beispiel banale Dinge wie die falsche Nutzung der Waschmaschinen. Das harmonische Zusammenleben sei vor allem der guten Vernetzung von Ehrenamtlichen, Vereinen und Schulleitern zu verdanken. Die enorme Hilfsbereitsschaft der Melsunger trage ebenfalls ein großes Stück dazu bei – genau wie die Bereitschaft der Flüchtlinge, sagt Kümmel.

Arbeiten in der Unterkunft: Karin Beisheim (BDKS), Carolin Liebermann und Thomas Tieze.

51 Flüchtlinge

Damals sind innerhalb von zwei Tagen 57 Flüchtlinge aus vier Nationen in die ehemalige Jugendherberge gezogen. Mittlerweile leben 51 Flüchtlinge aus acht Nationen, auf insgesamt 29 Zimmern verteilt, zusammen. Viele der Flüchtlinge kommen aus Syrien, dem Irak oder dem Iran.

Das Zusammenleben habe aber nicht auf Anhieb so gut funktioniert, erklärt Karin Beisheim von der Baunataler Diakonie Kassel (BDKS). Die Flüchtlinge mussten einen gewissen Lernprozess durchlaufen, sagt sie. Zu Beginn war nicht klar, wie sich die Familien die drei Küchen teilen sollen. Die Ruhezeit wurde auch nicht immer eingehalten. Diese Probleme gehören aber jetzt der Vergangenheit an, erklärt Beisheim.

Christen und Muslime

Das Zusammenleben verschiedener Ethnien habe aber von Beginn an gut funktioniert. In der Gemeinschaft leben Christen und Muslime zusammen. Der ehemalige Gebetsraum wurde nach kurzer Zeit in ein Spielzimmer für Kinder umfunktioniert. Seither habe niemand einen Gebetsraum vermisst, erklärt die Leiterin. „Die Menschen waren damit einverstanden, den Raum besser den Kindern zu überlassen“, erklärt sie.

Das bestätigen auch die beiden Cousins Sadiq, der wegen einer Gehbehinderung im Rollstuhl sitzt, und Hossein H. aus Afghanistan. „Wenn wir beten wollen, können wir das auch in unseren Zimmern“, sagt Hossein.

Umfunktioniert: Der ehemalige Gebetsraum wurde zum Spielzimmer

Die beiden leben seit Beginn in der Unterkunft. Damals konnten sie kein Wort Deutsch sprechen. Dadurch habe sich das Leben schwierig gestaltet, erzählt Hossein. „Man war sehr abhängig von den Mitarbeitern“, sagt er. Das habe sich verbessert: Die Cousins gehen problemlos alleine einkaufen und erledigen Behördengänge. Für das verbesserte Sprachniveau der Flüchtlinge haben sich viele Ehrenamtliche ins Zeug gelegt, sagt Karin Beisheim.

Die Vermittlung in Sprachkurse habe stets Priorität. „Das A und O ist es, Deutsch zu lernen, damit man Arbeit finden kann“, sagt sie. Die meisten der Flüchtlinge seien bereits so weit, sich verständlich auf Deutsch auszudrücken.

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