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Eine Kneipe weniger in Melsungen: Bierhaus Adler hat geschlossen

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Von: Damai Dewert

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Aus für den Adler: Silvia Weinreich-Langstein und Christel Weinreich mit einem alten Druck. Die beiden haben das Traditionsgasthaus am Sonntag geschlossen.
Aus für den Adler: Silvia Weinreich-Langstein und Christel Weinreich mit einem alten Druck. Die beiden haben das Traditionsgasthaus am Sonntag geschlossen. © Hanne Braun

In Melsungen gibt es eine Kneipe weniger: Das Bierhaus Adler hat seit Sonntag geschlossen. Die Pächter über nach der Schließung Kritik am Melsunger Citymanager.

Melsungen – Pächterin Silvia Weinreich-Langstein und ihr Mann Christel Weinreich schließen traurig ihre Bierkneipe am Melsunger Marktplatz. „Der Adler war immer mein Baby, aber Corona hatte viele negative Auswirkungen“, sagt die Pächterin. Das Bierhaus Adler ist seit Sonntag zu.

Ein beliebter Melsunger Treffpunkt schließt somit. Ob beim Skat, Geburtstagsfeiern, samstags beim Konzert auf dem Marktplatz, Vereinstreffen oder nur so beim Treffen zum Marillen-Schnäpschen, die Wirtin hatte für alle ein offenes Ohr.

„Die schönen Stunden hier kann uns keiner nehmen“, sagt auch eine Besucherin traurig. Vor rund zwei Wochen fiel die Entscheidung, den Adler schweren Herzens dauerhaft zu schließen.

Seit sechs Jahren und einem Monat betrieben die beiden alteingesessene Melsunger Kneipe. Eine unüberbrückbare Situation mit dem Vermieter habe letztlich zur Schließung geführt. So hätten sie die Miete auch während der Corona-Schließung weiterzahlen müssen. Insgesamt war das Gasthaus neun Monate geschlossen, berichten die Wirtsleute. Leider habe aus ihrer Sicht zuletzt einiges im Verhältnis nicht mehr gepasst. „Wir haben es sehr gern gemacht, aber das letzte Jahr war mit viel Ärger verbunden“, sagt Weinreich-Langstein.

Melsunger Citymanager wehrt sich gegen Kritik

Zu spürbaren Umsatzeinbußen habe außerdem die Aufstockung der Veranstaltungstage des „Verzauberten Schlossgartens“ geführt. Dazu sei leider eine Ausweitung des eigenen Biergartenbetriebs nicht genehmigt worden. Kritik gibt es auch am neuen Citymanager: Der habe sich bisher bei ihnen nicht vorgestellt, sagt die Wirtin.

Den persönlichen Kontakt habe es gegeben, sagt hingegen Citymanager Alexander Dupont. Zum Beispiel im Zusammenhang mit den Feierabendmärkten habe man miteinander gesprochen. Er habe seit seinem Antritt zahlreiche Projekte zu betreuen und tatsächlich noch nicht mit allen Gewerbetreibenden sprechen können.

Das arbeite er aber ab und seine Tür stehe auch immer allen offen. Er bedauere die Entscheidung sehr, das Bierhaus sei ein toller Traditionsbetrieb gewesen. Die Stadt habe die Ausweitung des Angebots im Schlosspark weder initiiert noch Mitspracherecht. Der Betreiber habe für den Zeitraum ein Sondernutzungsrecht und dieses genutzt. Nach der Kleinen Köötze schließt also ein weiteres Traditionsgasthaus. Dort verspricht allerdings ein Aushang eine baldige Neueröffnung.

Promis kamen ins Bierhaus Adler in Melsungen

1989 wurde das Bierhaus Adler durch die neuen Besitzer Wolfgang Wons und Dieter Dams wiederbelebt. 65 Sitzmöglichkeiten gab es zuletzt im Innenraum, und 65 Biergartenplätze freuten sich auf Besucher. Promis statteten dem Adler Besuche ab, so war Michael Schanze zweimal vor Ort, Tanja Schumann von RTL und der ehemalige EU-Kommissar Günther Oettinger. Viele Radfahrer kehrten ein, „So eine urige Kneipe, in ganz Fulda gibt es so eine nicht“, berichtet Christel Weinreich über Besucher.

Das Publikum habe sich ebenfalls geändert, früher seien die Gäste jünger gewesen. Vier Mal mussten die Inhaber in all den Jahren die Polizei verständigen, dreimal wegen versuchten Schlägereien und unangemessenem Verhalten. Ein Besucher benutzte den Eingang als Toilette. In früheren Jahren bekamen die Besucher auch nachts mal Rührei serviert.

Live-Musik war öfter im Programm, Stammtische trafen sich, oder die Damen kamen mittwochs zum Würfeln. „Es war unser Vereinslokal von Melsungen 08 in den 60er Jahren, ich bin sehr traurig und verstehe den Vermieter nicht“, sagt Liselotte Redenius.

„Wir haben es gern und mit Liebe gemacht. Wir bedanken uns bei allen treuen Gästen für die liebevolle Unterstützung, es war wirklich herzlich“, so die Wirtsleute zum Schluss. (Hanne Braun/Damai D. Dewert)

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