Eingekeilt im Sturm - 21-Jähriger konnte Wald mit Auto nicht mehr verlassen

Ein Schock für die Hinterbliebenen: Dieser mächtige Baum fiel auf dem Harler Friedhof auf die Gräber. Foto:  Brandau

Melsungen. Riesiges Glück im Unglück hatte der 21-jährige Konstantin Brückmann aus Hessisch Lichtenau, der am Dienstagabend während seiner Autofahrt über den Himmelsberg bei Günsterode in den Sturm geriet.

„Als ich oben auf der Höhe war, habe ich mein Dachflächenfenster geschlossen, weil ich gemerkt habe, dass es ziemlich windig und auch sehr düster wurde.

Innerhalb von fünf Sekunden ging es richtig schnell und sehr heftig los: Die ersten Zweige und Nadeln flogen. Kurz bevor es unten aus dem Wald rausgeht, knallte der erste Baum vor mir auf die Straße.“ In einem Feldweg wendete der Student seinen BMW bei peitschendem Wind und Regen, mit Warnblinkanlage fuhr er langsam wieder den Berg hinauf. „Dann ist 100 Meter vor mir der nächste Baum von rechts auf die Straße geknallt. Der hat die Oberleitung mitgerissen und ist auf der anderen Seite auf die Böschung gekracht. Da habe ich überlegt, ob ich doch versuchen soll, an dem anderen Baum vorbeizukommen. Aber da sind schon zu beiden Seiten der Straße Bäume im Wald umgefallen. Plötzlich lagen sieben Bäume um mich herum. Deshalb habe ich mich mit dem Auto an die Einmündung eines Feldweges gestellt, wei lich dachte, hier stehen jetzt die wenigsten Bäume. Ich habe überlegt: Aussteigen und irgendwohin laufen oder sitzen bleiben? Mit dem Handy habe ich die Polizei alarmiert.

Zum Glück war der Sturm relativ fix vorbei. Nach einer Stunde kam die Feuerwehr aus Günsterode in Zweier-Teams mit Treckern und Motorsägen und hat die Bäume klein geschnitten und auf die Seite geworfen.“ (and)

Unwetter im Schwalm-Eder-Kreis

+++ Forstämter: Sturm riss viele Bäume um +++

Der Tornado habe vor allem in Melsungen, Schwarzenberg, Spangenberg und Kaltenbach großen Schaden angerichtet, berichtet der Melsunger Forstamtsleiter Jan Stetter.

Aber auch in Borken sind hunderte Festmeter Holz gefallen, berichtet Karl-Gerhard Nassauer vom Jesberger Forstamt: „Es war eine kleine Windhose, die großen Schaden anrichtete.“ Kaum betroffen waren aber die Wälder in der Schwalm: „Wir hatten großes Glück“, sagt Florian-Peter Koch, Forstamt Neukirchen.

Die Forstleute warnen vor der Gefahr nach dem Sturm: In den Kronen hängen viele abgebrochene Äste, ist die Gefahr für Spaziergänger groß. Wer in diesen Tagen joggen oder spazieren gehen will, sollte das auf Feld- und nicht etwa auf Waldwegen tun. (bra)

+++ Schaden an Kirche in Hebel +++

Der Schrecken sitzt Pfarrerin Sabine Koch aus Hebel noch in den Gliedern: Das Unwetter hat großen Schaden an der Kirche angerichtet. „Es hat uns ganz schön getroffen. Auf einer Fläche von 30 Quadratmetern wurden die Dachziegeln rausgerissen“, sagt Koch. Die seien zu Boden gekracht und verfingen sich zum Teil im Schneefang der Kirche.

„Das war gefährlich, weil diese Ziegeln noch vom Dach fallen und jemanden verletzen konnten“, sagt Koch. Die Feuerwehren aus Hebel, Falkenberg und Wabern verhinderten das. „Sie haben tolle Arbeit geleistet“, sagt Koch. Dabei sei der Einsatz nicht einfach gewesen: Denn durch die eindringenden Regenmassen sei die Lehmdecke der Kirche feucht geworden, deshalb durfte man sie nicht betreten. Die Feuerwehrleute hätten sich mit einer Art Bergsteigerausrüstung abgeseilt, um das Dach der Kirche zu sichern. Wie hoch der Schaden sei, stehe nicht fest, sagt Koch. (may)

 +++ Stromkunden schnell wieder am Netz +++

Der Sturm richtete auch am Stromnetz in den betroffenen Gebieten große Schäden an. In der Nähe von Malsfeld seien mehrere Strommaste des vorgeschalteten Netzbetreibers Avocon umgestürzt, berichtete die EAM-Tochter Energie-Netz Mitte. Es sei aber innerhalb kurzer Zeit gelungen, die beiden Umspannwerke in Neumorschen und Rotenburg statt vom Hochspannungsnetz über das Mittelspannungsnetz der EAM zu versorgen.

Somit seien die durch die Umspannwerke versorgten Gemeinden, darunter Morschen, Malsfeld und Knüllwald, schnell wieder am Netz gewesen. Die Kunden hätten von der Störung kaum etwas bemerkt, erklärte Energie-Netz Mitte. (hro)

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