Viele Jahrgänge waren monatelang im Homeschooling

Endlich wieder Schule: Jugendliche im Kreisteil Melsungen freuen sich über Beginn des Wechselunterrichts

Schnelltest vor dem Unterricht: An der Gesamtschule Melsungen wurden seit Ostern rund 4000 Schnelltests gemacht. Unser Symbolbild zeigt eine Schule in Hannover.
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Schnelltest vor dem Unterricht: An der Gesamtschule Melsungen wurden seit Ostern rund 4000 Schnelltests gemacht. Unser Symbolbild zeigt eine Schule in Hannover.

Nach monatelangem Homeschooling werden nun auch Schüler ab der siebten Klasse wieder in der Schule unterrichtet.

Guxhagen/Spangenberg/Melsungen – Endlich wieder Schule – das denken sich viele Schüler, Lehrer und Eltern. Seit Donnerstag sind, wie berichtet, auch die Schüler ab Jahrgangsstufe 7 wieder im Präsenzunterricht. Wir haben an Schulen im Altkreis nachgefragt, wie es läuft.

Gesamtschule Melsungen
„Wir blicken in die Gesichter der Schüler, die zeigen: Wie gut, dass wir wieder da sind“, berichtet Dr. Matthias Bohn, Leiter der Gesamtschule Melsungen. Ein Teil seiner Schüler war seit fast fünf Monaten zuhause. „Das ist Wahnsinn: Die 13-, 14-jährigen Schüler sind in den letzten 14 Monaten sogar nur vier Monate halbwegs regelgerecht beschult worden.“ Die meiste Zeit stand Homeschooling auf dem Stundenplan.

Manche Schüler, die autodidaktisch begabt sind und eine gute Struktur zuhause haben, seien damit gut zurechtgekommen, hätten teilweise herausragende Leistungen abgeliefert. „Aber ein großer Teil der Lerntypen hat gelitten.“ Der Schulleiter geht davon aus, dass bis zu 15 Prozent der Schüler große Sorgen machen werden, dabei treffe es entwicklungsbedingt die Jungs stärker als die Mädchen. „Jungen brauchen mehr Bewegung und gemeinsamen Wettstreit und sind in dem Alter oft noch nicht so gut strukturiert wie Mädchen.“

Wichtig sei, dass der Präsenzunterricht den Schülern wieder eine Tagesstruktur gebe. Gleichwohl betont er: „Erwachsene unterschätzen oft die Resilienz der Kinder.“ Ihre psychische Widerstandskraft sei stark, und die Mehrzahl der Kinder werde einen Rhythmus finden.

Burgsitzschule Spangenberg
Auf eine Tagesstruktur haben sich auch die Schüler der Spangenberger Burgsitzschule gefreut, wie Schulleiterin Sieglinde Strieder berichtet. Sie sagt: „Es läuft gut, endlich ist wieder Leben in der Schule.“ Je 300 Schüler pro Woche werden an der Burgsitzschule im wöchentlichen Wechsel unterrichtet. Der Präsenzunterricht habe allen sehr gutgetan.

„Das soziale Miteinander hat einfach gefehlt“, sagt die Schulleiterin. Die Abschluss- und Übergangsklassen beispielsweise würden jetzt schon überlegen, wie sie vielleicht doch einen gemeinsamen Abschied gestalten könnten.

Auch wenn die Hygienekonzepte angepasst und die Pausenbereiche erweitert werden mussten, liefe alles sehr entspannt ab, auch die Selbsttests. Viele Schüler kämen bereits mit negativen Bürgertests in die Schule. „Dennoch geben wir 350 bis 400 Selbsttest in der Woche aus“, sagt Strieder.

Jetzt gelte es, die Schüler dort abzuholen, wo sie lerntechnisch stehen. „Wir müssen nun sehen, was haben sie gelernt und wie groß sind die Unterschiede, wo kann man ansetzen. Das wird eine Herausforderung“, sagt Sieglinde Strieder.

Integrierte Gesamtschule Guxhagen
„Wir haben die Klassen halbiert“, sagt Sabine Hillwig, Stufenleitern der Klassen fünf bis sieben an der Integrierten Gesamtschule Guxhagen (IGS). Sie werden im Wochenwechsel unterrichtet. In der Regel sollen die Präsenzgruppen im Lernstoff voranschreiten und die Gruppen zu Hause das Gelernte vertiefen. „Es gibt jedoch auch Videos, damit sich die Schüler zu Hause ein paar neue Inhalte erschließen können.“

Den Schülern sei vor dem Start in den Wechselunterricht von ihren Klassenlehrern mitgeteilt worden, in welcher Gruppe sie sind. „Wer wann dran ist und was gerade in der Schule gilt, wird auf igs-guxhagen.de mitgeteilt“, sagt Hillwig. Zudem seien die Eltern ständig von den Lehrern über das aktuelle Geschehen an der Schule informiert worden.

In der Schule gelten Abstands- und Hygieneregeln sowie Maskenpflicht – auch in der Pause, denn die Schüler müssen in der Pause raus. „Um den Verkauf von Lebensmitteln zu entzerren, haben wir nun einen zweiten Stand aufgestellt“, sagt die Stufenleiterin. „Ansonsten vertrauen wir darauf, dass die Schüler sich vernünftig verhalten.“ Für diese sei die Rückkehr in die Schule sehr wichtig. „Sie sind froh, zumindest wieder jede zweite Woche in die Schule zu kommen“, sagt Hillwig, „so ist soziales Lernen wieder möglich.“

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