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Gemeindecheck: So ist die Versorgungslage in Melsungen

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Von: Damai Dewert

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Die Stadt Melsungen betreibt eine Wasserturbine: Im Bild checkt Elektromeister Sebastian Jung den Rechen der Anlage, die mit Fuldawasser gespeist wird.
Die Stadt Melsungen betreibt eine Wasserturbine: Im Bild checkt Elektromeister Sebastian Jung den Rechen der Anlage, die mit Fuldawasser gespeist wird. © Damai Dewert

Woher beziehen unsere Städte und Gemeinden ihre Energie, wie autark sind sie? Wir stellen unsere Kommunen vor: heute Melsungen.

Melsungen – Im Mittelzentrum Melsungen leben aktuell etwa 14 000 Menschen in 5500 Haushalten. Hinzukommen außerdem mehrere große Unternehmen mit großem Energiebedarf wie die B. Braun-Werke und die Zentrale der Edeka-Hessenring. Wir haben mit Nadine Finn, der Leiterin des Bauamtes, die relevanten Punkte zusammengetragen.

Strom

Die Stadt Melsungen ist an das Netz der EAM angeschlossen. Die Unternehmen, die kommunalen Liegenschaften und die privaten Haushalte werden über das Netz des rekommunalisierten Energieversorgers versorgt. Wegen des liberalisierten Strommarktes können die Stromanbieter variieren.

Wärme

Der zentrale Gaslieferant der Stadt Melsungen ist ebenfalls die EAM. Ein Großteil der Melsunger Haushalte verfügt über einen Erdgasanschluss. In den Stadtteilen Kirchhof und Kehrenbach gibt es keinen zentralen Erdgasanschuss, der Energieträger ist dort überwiegend noch Öl.

Wasser

Die Stadt Melsungen hat zwölf Tiefbrunnen. Verantwortlich sind die Stadtwerke Melsungen. Der Strom für den Betrieb der Tiefbrunnen und die Wasserverteilung und Aufbereitung erfolgt über den Energieversorger. Alle Anlagen sind regelbar. Das bedeutet, dass die Pumpen nicht unter Volllast arbeiten, sondern nach Anforderung. „Das spart Strom und minimiert den Verschleiß“, sagt Finn.

Die Stadt verfügt außerdem über drei dieselbetriebene Notstromaggregate und ausreichend Treibstoff. „Für den Fall der Fälle können wir unsere Wasserversorgung also weiterbetreiben, nicht in vollem Umfang, aber die Versorgung der Bevölkerung ist sichergestellt“, stellt sie klar.

Die Aggregate sind mobil und können bei Bedarf ausgewählte Brunnen betreiben: „Wir wollen uns im Katastrophenfall nicht auf eine Fremdversorgung verlassen müssen.“ Melsungen ist über eine Leitung nach Melgershausen an das Gruppenwasserwerk Homberg angeschlossen. Ein Anschluss an das Wassernetz der Stadt Spangenberg ist in Planung.

1,8 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen die Einwohner und die Industrieunternehmen, dabei sind vor allem B. Braun und die Edeka Hessenring zu nennen. Die Verbräuche der Industrie steigen weiter. Sie liegen bei über einer Million Kubik. Stadt und Einwohner benötigen etwa 750 000 Kubikmeter Wasser.

Das Ziel in der Wasserversorgung sei, sie so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Das bedeutet über längere Zeiträume weniger aus dem System herauszunehmen, als zufließt. So würden die Ressourcen geschont.

Städtische Gebäude

Die Schule und die Großsporthalle werden über ein gemeinsames Nahwärmenetz des Landkreises versorgt – das Schwimmbad wiederum über eine Pelletheizung. Außerdem wird das Becken künftig nachts abgedeckt, um den Wärmeverlust zu minimieren.

In allen sanierten Gemeinschaftshäusern läuft ebenfalls bereits eine Pelletheizung. Das heißt, an allen dezentralen Standorten setzt die Stadt auf nachwachsende Rohstoffe. Als letztes folgen die Dorfgemeinschaftshäuser Röhrenfurth und Obermelsungen.

In allen neu gebauten kommunalen Kindergärten gibt es Luft-Wärme-Pumpen. Das sei das Energieeffizienteste, was aktuell in der Gebäudetechnik machbar sei. Diese Technik biete sich insbesondere für neue Gebäude an. Im Einsatz sind sie in den Kindergärten Fuldaufer und Schloth.

„Wenn wir etwas anfassen, haben wir unbedingt die Energieeffizienz im Blick“, sagt Finn. Das gelte auch für die Straßenbeleuchtung und die an den Sportplätzen. Am Standort des Bauamtes und am Bauhof wird die Heizungswärme mit einem Wärmetauscher produziert, der die Wärmeenerige des gereinigten Abwassers aus der Kläranlage nutzt.

Lediglich das Rathaus wird konventionell mit Strom und Gas versorgt.

Das Dienstleistungszentrum hat als Neubau einen niedrigen Energieverbrauch – ist für die Gebäudeklimatisierung aber an das Strom- und Gasnetz angeschlossen.

Die Stadthalle wird aktuell mit einem Wärmetauscher beheizt. „Der ist mit 15 Jahren aber schon in einem fortgeschrittenen Alter.“ Die Sanierung werde aktuell geplant. Im Rahmen der Möglichkeiten des Denkmalschutzes wird die Stadthalle auch energetisch saniert.

Regenerative Energie

Die Stadtwerke Melsungen betreiben eine Wasserturbine an der Fulda. Dort werden bis zu 350 000 kW/h jährlich produziert. Das entspricht etwa dem jährlichen Verbrauch von mehr als 100 Vier-Personen-Haushalten. An der Turbine hängen keine Verbraucher. „Wir speisen den Strom vollständig ins Netz ein.“

Die Stadtwerke betreiben weiterhin zwei Blockheizkraftwerke, die sowohl Strom als auch Wärme produzieren. „Damit versorgen wir die Kläranlage mit Wärme und Strom.

In einer Kläranlage falle eine Menge Gas an, der in Strom gewandelt werden könne. „Die Kläranlage hat einen immensen Energiebedarf. Das schaffen wir leider nicht nur mit unseren Blockheizkraftwerken. Aber einen erheblichen Teil“, sagt Finn. Die Melsunger Kläranlage versorgt die Gemeinde Körle mit. 

Autarkie

„Wir sind mit unseren Anlagen ganz klar nicht autark“, sagt Finn. Wenn der Holzlieferant nicht komme, gebe es nun mal auch keine Pellets mehr. Auch das Rathaus werde konventionell versorgt, sei aber nicht unbedingt kritische Infrastruktur.

Ausblick

Das Kraftwerk stamme aus 1950er-Jahren, sei aber modernisiert. Es dürften aus wasserrechtlichen Gründen aber ohnehin keine weiteren Turbinen installiert werden. Es gebe aktuell Überlegungen einer privaten Initiative, in Adelshausen einen Solarpark zu bauen, da sei die Stadt bisher aber nicht involviert. „Wir könnten uns aber vorstellen, mehr Fotovoltaikanlagen zu bauen.

Windkraft sei für die Stadt kein Thema. Es gebe keine ausgewiesenen Vorrangflächen, es dürften also keine Anlagen gebaut werden. „Wir konzentrieren uns daher voll auf die Effizienzsteigerung der vorhandenen Systeme.“

Darüber hinaus gebe es ein kommunales Programm, um private Projekte zu fördern. Mehr Informationen dazu sind im Internet unter melsungen.de hinterlegt. (Damai Dewert)

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