Die ewige Ruhestätte: Gedenktafel für Nelson-Gräber in Melsungen geplant

Schmucklos ist er – der jüdische Friedhof in Melsungen. Ein grüner Zaun trennt ihn von der Fritzlarer Straße. Der Zaun ist neu. Neu geplant ist auch eine Gedenktafel für zwei besondere Gräber – die Nelson-Gräber.

Der Friedhof liegt zwischen einem Discounter und dem Melsunger Forstamt. Und das wird er noch lange. Denn einmal beigesetzt, liegen die Toten bis in alle Ewigkeit beziehungsweise bis zum Tag des jüngsten Gerichts. Die Beisetzungen auf einem jüdischen Friedhof folgen eigenen Regeln. So muss der Leichnam unversehrt bleiben und darf nicht verbrannt werden. Beigesetzt werden die Toten meist in einfachen Holzsärgen und ohne Beigaben.

Auch das Schmucklose des Friedhofs ist gewollt. Grabverzierungen gibt es nicht, auf sie wird verzichtet. Jochen Petzold vom Regierungspräsidium Kassel kennt weitere Besonderheiten. So sind alle Grabstätten nach Jerusalem ausgerichtet. 145 gibt es auf dem 1200 Quadratmeter großen Stück Land. Es gehört dem Verband der jüdischen Gemeinden Deutschland. Den Pflegeaufwand teilen sich Bund, Land und die jeweilige Kommune.

Immerhin 100 jüdische Friedhöfe gibt es im Regierungsbezirk Kassel und 25 jüdische Friedhöfe liegen im Schwalm-Eder-Kreis. Mit dem Friedhof in Binsförth gibt es sogar den ältesten jüdischen Friedhof Nordhessens im Schwalm-Eder-Kreis. Die älteste lesbare Inschrift dort stammt aus dem Jahr 1694.

Auf dem Melsunger Friedhof wurde erstmals 1861 ein Mensch bestattet. Nicht ganz klar ist das Datum der letzten Beisetzung. Laut Inschrift soll dies 1941 gewesen sein. Dr. Ralf Schaper weiß zumindest von einer Urnenumbettung auf den Friedhof nach 1948. Der Mathematik-Professor Schaper bewahrt unter anderem das Andenken an das Landerziehungsheim Walkemühle in Adelshausen. Dort lehrte unter anderem Professor Dr. Leonard Nelson (1882–1927). Er und sein Vater, Justizrat Dr. Heinrich Nelson (1854–1929) sowie Erich Graupe (1903–1931) liegen in einer besonderen Ecke des Friedhofs. Laut der Internetseite Alemannia Judaica hatte Leonhard Nelson 1925 den Internationalen Sozialistischen Kampfbund gegründet, der seit 1933 im Widerstand gegen den Nationalsozialismus wirkte.

In Melsungen hat es seit den 1940er-Jahren keine Beisetzungen mehr gegeben.

Zum Gedenken an das Wirken Leonard Nelsons soll auf dem Melsunger jüdischen Friedhof demnächst eine Gedenktafel angebracht werden. Das beschlossen Schaper und Petzold jüngst bei einer Begehung.

Der Melsunger Friedhof lag – wie viele andere auch – historisch außerhalb der Stadtmauern. Wer den Friedhof besuchen möchte, muss sich bei der Stadt anmelden. Dort gibt es den Schlüssel für das Tor. An einigen Tagen darf der Friedhof nicht betreten werden – zum Beispiel an Samstagen (Shabbat) und an jüdischen Feiertagen wie Jom Kippur. Männer sollen den Friedhof nur mit Kippa – also einer Kopfbedeckung betreten.

Kontakt: Stadt Melsungen, Karola Schwarz, unter Tel. 05661/708106

Mehr Informationen:landerziehungsheim-walkemuehle.de

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