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Fachkräftemangel in der Region: Melsunger Berufsschule und Betriebe müssen sich Azubis anpassen

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Die Ausbildungsinhalte ändern sich: Thorsten Träger, Lehrer für Kfz-Mechatronik zwischen einem Verbrenner- (links) und einem neuen E-Auto-Motor.
Die Ausbildungsinhalte ändern sich: Thorsten Träger, Lehrer für Kfz-Mechatronik zwischen einem Verbrenner- (links) und einem neuen E-Auto-Motor. © William Abu El-Qumssan

Immer mehr Betrieben fehlen Fachkräfte und Auszubildende. Mit unserer Serie „Ein Thema eine Woche“ beleuchten wir das Problem aus verschiedenen Perspektiven. Heute: die Berufsschule.

Melsungen – Die Bewerbungen auf Ausbildungsplätze in der Region nehmen immer weiter ab. Das spüren auch die Lehrer an der Radko-Stöckl-Schule Melsungen. Markus Gille, Leiter der Berufsschule und Thorsten Träger, Fachbereichsleiter der Kfz-Mechatronik sehen eine deutliche Veränderung in der Mentalität der Schüler.

Die Schüler

„Arbeit und Arbeitszeiten haben heute einen ganz anderen Stellenwert“, sagt Gille. „Und die Freiheit in der Alltagsgestaltung steht über einem hohen Gehalt.“ Außerdem sinke die Bereitschaft, Überstunden auf sich zu nehmen. Das werde in nicht wenigen Ausbildungsbetrieben vorausgesetzt.

Die Betriebe müssen sich Gedanken darüber machen, wie sie den Vorstellungen der jungen Menschen besser entgegenkommen können, sagt Gille. Außerdem werden handwerkliche Fähigkeiten von zuhause immer seltener mitgegeben. „Die wenigsten Schüler können eine Bohrmaschine bedienen“, sagt Gille. „Etwas neu zukaufen ist im Zweifel auch einfach günstiger, als es zu reparieren.“ So sinke der Anreiz, sich mit handwerklichem Können auseinanderzusetzen.

Der Unterricht

Für die Lehrer an der Radko-Stöckl-Schule bedeuten diese neuen Begebenheiten, sich noch mehr auf die Schüler einzulassen. Träger sieht bei den Lehrern einen Vorteil als Bezugspersonen gegenüber den Betrieben: „Schulen kennen die Auszubildenden ja schon. Aber das Arbeiten im Betrieb ist das Neue.“ Was die Lehrer deshalb in den vergangenen Jahren geändert haben: „Wir haben die Schüler als Kinder wahrgenommen“, sagt Träger.

„Doch jetzt nehmen wir sie als junge Erwachsene wahr. Und genau das brauchen die Schüler auch – ein Verhältnis auf Augenhöhe.“ Diese Wertschätzung sei noch nicht zu allen Ausbildungsbetrieben vorgedrungen. Viele Ausbilder gehen laut Gille aber aktiv auf die Schule zu, um sich dahingehend zu verbessern.

Die Anforderungen

Doch nicht nur die Herangehensweise bei der Zusammenarbeit mit den Schülern ist anders. Auch die Lehrinhalte haben sich in den vergangenen Jahren rasant verändert, sagt Träger. Als Beispiel nennt er die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker: „Früher waren die Herausforderungen von mechanischer Natur, heute besteht ein Großteil des Autos aus Elektrik. Ein Auto von vor 20 Jahren hat mit einem heutigen wenig gemein.“

Die Anforderungen werden komplexer. „Immer wieder kriegt man zu hören, dass Handwerker nichts auf dem Kasten hätten“, sagt Träger. „Aber wer heutzutage ein Auto repariert, muss absolut fit im Kopf sein. Und das ist auch in anderen Ausbildungsberufen so.“ (William Abu El-Qumssan)

Azubis als Zukunftsgestalter: Fachkräfte für Energiewende nötig

Immer mehr zu verarbeitende Themen prasseln auf die Schüler ein, sagt Markus Gille, Schulleiter der Radko-Stöckl-Schule. „Die Corona-Krise, jüngst der Ukraine-Krieg und schon seit Jahren der Klimawandel beschäftigen die Schüler sehr.“ Beim Klimawandel können die Jugendlichen laut Gille durch die Berufswahl einen direkten Beitrag leisten.

Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, Anlagenmechaniker und Kfz-Mechatroniker sind Berufe, mit denen die Zukunft mitgestaltet werden kann.“ Für den Weg weg von Öl, Benzin und Gas hinzu Solarenergie und E-Mobilität brauche es aber ausgebildete Fachkräfte. Diese Berufe werden an der Radko-Stöckl-Schule unterrichtet. Wer sich als Kfz-Mechatroniker intensiv mit E-Autos beschäftigen will, muss allerdings einen Hochvoltlehrgang absolvieren.

Mehr zur Serie „Fachkräftemangel in der Region“

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Ein Thema eine Woche: Fachkräftemangel in der Region“. Mehr zum Thema gibt es in weiteren Teilen.

Wie Migration dem Fachkräfte- und Auszubildenenmangel entgegenwirken kann, lesen Sie hier.

Wie beliebt das Dachdeckerhandwerk heutzutage ist, lesen Sie hier.

Wieso ein Florist seine Filiale wegen des Fachkräftemangels schließen musste, lesen Sie hier.

Wie Schüler über ihre berufliche Zukunft denken, lesen Sie hier.

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