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Fahrschulprüfungen: Immer mehr Prüflinge im Kreisteil betrügen im theoretischen Teil

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Von: Clara Veiga Pinto

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Die Betrugsversuche bei der theoretischen Fahrschulprüfung in Hessen mehren sich. In der Niederlassung Kassel, zu der auch Melsungen gehört, sind die Fälle auch deutlich angestiegen.
Die Betrugsversuche bei der theoretischen Fahrschulprüfung in Hessen mehren sich. In der Niederlassung Kassel, zu der auch Melsungen gehört, sind die Fälle auch deutlich angestiegen. © Oliver Berg dpa/lnw

Bei der theoretischen Führerscheinprüfung zu mogeln, ist schwierig. Trotzdem schaffen es einige Prüflinge immer wieder.

Melsungen – Viele gehen dabei sehr professionell vor und geben teilweise Tausende Euro dafür aus. Eine beliebte Masche beim Mogeln sei es, die Prüfung mit einer kleinen Kamera in der FFP2-Maske zu absolvieren, erklärt Uwe Herrmann, Leiter der Technischen Prüfstelle für den Kfz-Verkehr der Technischen Überwachung Hessen.

Dabei filmt die Kamera den Bildschirm mit den Fragen. Der Prüfling ist mit einem Knopf im Ohr verbunden mit einer anderen Person, die die richtigen Antworten durchgibt.

Manche werden bei dem Betrugsversuch erwischt, andere kommen davon. In den vergangenen Jahren habe es bei den aufgeflogenen Täuschungsversuchen einen stetigen Zuwachs gegeben, sagt Uwe Herrmann. „Das betrifft auch unsere Niederlassung in Kassel“, sagt er. Melsungen gehört zur Niederlassung Kassel.

Betrug: Meisten Fälle Hessens werden in Frankfurt aufgedeckt

„Die meisten Täuschungsversuche werden allerdings weiterhin in der Niederlassung Frankfurt aufgedeckt, im Jahr 2021 waren es etwa 45 Prozent aller Fälle in Hessen“, gibt er an. 2020 habe es einen hessenweiten Rückgang der aufgeflogenen Täuschungsversuche gegeben. In Kassel hätten sich die Fälle aber gesteigert.

Uwe Herrmann vermutet, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist. Der Trick mit der Kamera in der Maske sei auch ihm bekannt. „Früher waren die Kameras in Brillen und Knöpfen versteckt, heute sind sie in den Masken“, sagt Herrmann. „Manche Prüflinge haben statt des Knopfes im Ohr, der ihnen die Antworten vorgibt auch Vibrationsgeräte am Bein“, sagt der Leiter.

Diese fangen an zu vibrieren, wenn der Prüfling mit der Maus auf der richtigen Antwort steht. Um diese Betrugsversuche einzudämmen, nimmt der Tüv nun einige Vorbereitungen vor. In manchen Prüfstellen müssen die zu Prüfenden umgekehrte Warnwesten tragen, sodass eine mögliche Kamera am Körper verdeckt wird.

Betrug bei Fahrprüfung: Sperren bis zu neun Monate möglich

Die Konsequenzen für die Schummler, die auffliegen: eine Prüfungssperre. „Je nach Schwere des Betrugs wird der Zeitraum für die Sperre festgelegt“, sagt Herrmann. „Das geht von 14 Tagen bis neun Monaten.“ Manche Fahrschulen würden dem aufgeflogenen Prüfling auch das Ausbildungsverhältnis kündigen. Seiner Meinung nach sind die Konsequenzen allerdings immer noch zu schwach. „Es geht um keine Klassenarbeit bei der man schummelt, sondern um eine lebenslange Fahrerlaubnis.“ Die Sicherheit anderer stehe auf dem Spiel, wenn sich Personen nicht mit den Verkehrsregeln auskennen.

Die Motive der Prüflinge zu schummeln sind verschieden: Einige hätten Respekt vor der Sprachbarriere, andere seien Analphabeten.

„Geld spielt beim Betrug oft keine Rolle. Wir haben gehört, dass die Kameratechnik teilweise bis zu 3000 Euro kostet“, sagt er.

Eine eingenähte Kamera in der FFP2-Maske: Damit absolvieren manche Theorie-Prüflinge die Prüfung.
Eine eingenähte Kamera in der FFP2-Maske: Damit absolvieren manche Theorie-Prüflinge die Prüfung. © TÜV Süd/dpa

Eine andere Betrugsmasche ist, eine Person zur Prüfung zu schicken, die dem Prüfling ähnlich sieht. „Im Darknet gibt es da einige Angebote“, weiß Uwe Herrmann.

Fahrschulprüfung: Prüfer entdeckt Kamera im Ärmel

Jochen Keim, Inhaber einer Fahrschule in Felsberg, hatte kürzlich einen Betrugsfall. „Das war vor vier Monaten“, erinnert er sich. Sein Prüfling hatte eine Kamera im Ärmel mit in die Prüfung geschmuggelt. „Er wurde erwischt und daraufhin für ein halbes Jahr gesperrt“, sagt er. Außerdem habe er ihm das Ausbildungsverhältnis gekündigt. „Mit so was möchte ich nichts zu tun haben.“ Auch die Masche mit der Maske sei ihm bekannt. „Mittlerweile lassen sich die Prüfer teilweise schon die Masken zeigen“, hat er mitbekommen.

Einige hiesige Fahrschulen geben – entgegen dem Trend – an, kaum Erfahrungen mit Betrug in der Theorieprüfung gemacht zu haben.

„Bei uns hat noch niemand betrogen“, sagt Thomas Werther, Inhaber einer Fahrschule in Melsungen. „Wir haben kaum Erfahrungen mit dem Thema“, heißt es von der Melsunger Fahrschule Schäfer. Auch bei Norbert Rieck, ebenfalls Inhaber einer Melsunger Fahrschule habe es in letzter Zeit keine Fälle gegeben. (Clara Pinto)

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