Betrugsfall in Asklepios-Klinik in Melsungen: Pflegerinnen berichten über Enttarnung

Klinikmanager: Falscher Arzt wollte gegen Entlassung aus Melsunger Krankenhaus klagen 

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Asklepios-Klinik in Melsungen: Dort flog ein 38-Jähriger auf, der sich als Arzt ausgegeben hatte. 

Nach dem Bericht über den falschen Arzt an der Melsunger Asklepios-Klinik sprachen wir mit den Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, die den Betrüger auffliegen ließen. 

Es war ein Sonntag im Juni, als Teresa Linnenkohl und Cathrin Harms einem Patienten wahrscheinlich das Leben retteten. „Es ist absolut überragend, wie umsichtig die beiden Kolleginnen gehandelt haben“, sagt Asklepios-Klinikmanager Fabian Mäser. Ihnen gebühre ein großes Lob.

Gesundheits-und Krankenpflegerinnen haben falschen Arzt auffliegen lassen

Denn an diesem Sonntag fiel den beiden Gesundheits- und Krankenpflegerinnen der Asklepios-Klinik Melsungen ein Arzt auf. Der 38-jährige Libyer war an diesem Tag der diensthabende Bereitschaftarzt auf der Station 1 für Innere Medizin und Geriatrie im Melsunger Krankenhaus.

Cathrin Harms, Krankenpflegerin

Die 36-jährige Cathrin Harms wunderte sich während ihres Frühdienstes beispielsweise darüber, dass der Arzt keine konkreten Anordnungen für Medikamente gab. Er sei immer vage geblieben, sagt die Melsungerin.

Der vermeintliche Arzt hätte bei Patienten Venen punktieren sollen, also einen Zugang legen. Das gelang ihm aber nicht. Im Übergang zur Spätschicht eskalierte die Situation dann. Teresa Linnenkohl erinnert sich: Der Mann habe doch tatsächlich die Blutkonserve im Schwesternzimmer am PC vorbereiten wollen. Daraufhin habe sie ihn weggeschickt und gebeten, dies im Sterilraum zu machen. „Wir waren besonders aufmerksam. Andere Schwestern hatten uns schon vor dem sonderbaren Arzt gewarnt“, sagt die 57-Jährige. Als er dann die nicht entlüftete Blutkonserve anhängen wollte, seien sie dazwischen gegangen. Im Laufe des Tages habe der angebliche Arzt fortwährend durch Ahnungslosigkeit geglänzt. Das habe sie am nächsten Tag sofort ihrem Chefarzt Dr. Gunther Claus gemeldet, sagt die Spangenbergerin.

Betrüger hat Kündigungsschutzklage eingereicht

Teresa Linnenkohl, Krankenpflegerin

Die Dreistigkeit des verurteilten Betrügers wird an einem weiteren Vorgang deutlich, wie Mäser berichtet. Nach der Entlassung des Mannes habe dieser doch tatsächlich eine Kündigungsschutzklage eingereicht und auf eine Auszahlung der Verdienste gepocht. Krankenhäuser hätten vermehrt mit Ärzten aus dem Ausland zu tun. Diese seien top qualifiziert, sagt Mäser. Es gebe keinen Grund, etwas zu beanstanden. Standardmäßig müssten neue Mediziner vor ihrer Einstellung einen Tag hospitieren. Auch der 38-Jährige. Dessen Unfähigkeit blieb an diesem Tag aber unentdeckt. So einen Fall habe er noch nicht erlebt, sagt Mäser. Es gebe sonst höchstens mal ein Fragezeichen bei einer Bewerbung. Üblicherweise kämen neue Mediziner auch über Empfehlungen der Chefärzte ins Bewerbungsverfahren.  

Das Krankenhaus hat gegen den mutmaßlichen Hochstapler Anzeige erstattet. Den ganzen Fall über den falschen Arzt in der Asklepios-Klinik in Melsungen lesen Sie hier.

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