Familienstreit geriet außer Kontrolle: 42-Jähriger der Körperverletzung schuldig

Melsungen. Zwei 42- und 54-jährige Männer aus dem Schwalm-Eder-Kreis mussten sich gestern wegen des Vorwurfs der schweren Körperverletzung vor dem Melsunger Amtsgericht verantworten.

Der 42-Jährige wurde zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt, der 55-Jährige wurde freigesprochen.

Richter Stephan Heidelbach sprach von widersprüchlichen Aussagen der Zeugen, die die Wahrheitssuche erschwerten. Drei Stunden lang wurden die sieben Zeugen vernommen und Beweise gesichtet, am Ende war laut Richter nur die Schuld eines der beiden Angeklagten sicher. Der verurteilte 42-Jährige hatte schon zu Beginn des Verfahrens Schläge gegenüber dem Opfer zugegeben und sich dafür bei ihm entschuldigt.

Auslöser der Tat - so die Zeugenberichte - soll ein tätlicher Übergriff des 52-jährigen Opfers und Stiefvaters auf den 16-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin gewesen sein. Dieser hatte am Tattag per SMS seinem Bruder Bescheid gegeben, dass er und seine Mutter abgeholt werden müssten. Der ältere Bruder fuhr mit seiner Freundin und den beiden Angeklagten nach Malsfeld. Im Auto hätte sich die Stimmung unter den Insassen hoch geschaukelt, denn laut Aussage der Freundin sei es nicht der erste Hilferuf des Jungen gewesen.

Der 28-jährige Bruder sagte aus, nach Ankunft an der Werkstatt des Opfers als erster in diese gestürmt zu sein, ihn angeschrien und bedroht zu haben. Der 42-jährige Angeklagte sei daraufhin dazwischen gegangen und hätte dem Opfer zugerufen: „Man schlägt keine Frauen und Kinder.“ Daraufhin habe er ein oder zwei Mal zugeschlagen, woraufhin der 52-Jährige gestürzt sei.

Familienstreit lief aus Ruder 

Das Opfer erlitt neben einer Kopfverletzung, eine Wunde am Auge und zahlreiche Prellungen im Rückenbereich. Letztere seien ihm laut Ermittlungen mit einem gepolsterten Hammer zugefügt worden.

Das Opfer konnte keinen Täter eindeutig benennen: „Die Tür ging auf, einer stürmte rein und ich flog in den hinteren Teil der Werkstatt, dann wurde ich mit dem Hammer bearbeitet.“ Als möglichen Täter schloss er nur den älteren Sohn seiner Lebensgefährtin aus. Am Hammer wurden keine Spuren gefunden. Wer für die Schläge verantwortlich war, konnte während der Verhandlung durch die widersprüchlichen Zeugenaussagen nicht geklärt werden. Fest stehe, dass es eine Familienangelegenheit war, die aus dem Ruder gelaufen sei, so der Richter.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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