Melsunger Verein sammelt Spenden für Brandopfer

Salimatas Rock brannte lichterloh

Salimata steht mit ihrer Oma (links), einer Verwandten und Intensivschwester Salamata Roamba (rechts) im Krankenhaus in Koudougou vor der Lebensmittelspende.
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Seit einem Jahr im Krankenhaus Salimata mit hinten von links ihrer Oma, einer Verwandten und Intensivschwester Salamata Roamba.

An einem kühlen Abend im November 2019 hat sich Salimatas Leben für immer verändert.

Melsungen/Koudougou –Sie kommt aus dem Dorf Imasgo bei Koudougou, der Partnerstadt von Melsungen in Burkina Faso, und war mit ihrer Oma allein auf dem Hof. Weil es kalt und windig war, wollte sich das Mädchen am Feuer wärmen. Plötzlich fing ihr Rock Feuer. Salimata rannte panisch herum und konnte von der Oma nicht eingefangen werden. 50 Prozent ihrer Haut ist verbrannt. Der Städtepartnerschaftsverein Melsungen wird die Einnahmen seines digitalen Weihnachtsmarktes der kleinen Salimata spenden. Und bittet um weitere Spenden für die kleine Salimata.

Moussa Bangré, der aus Koudougou stammt, früher Patenkind war, mittlerweile eine duale Ausbildung in Melsungen macht und stellvertretender Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins ist, hat im Sommer von Salimatas Schicksal erfahren. „Ich habe mit meiner Mutter zuhause telefoniert und sie war sehr traurig am Telefon“, erzählt Moussa Bangré. Seine Mutter arbeitet als Intensivschwester in einem Krankenhaus in Koudougou und erzählte ihm, dass die Eltern eines kleinen Mädchens, das schwere Brandverletzungen erlitten hat, das Kind nach Hause holen wollen, um es dort sterben zu lassen. Das Mädchen war Salimata.

Der angehende Wirtschaftsinformatiker war fassungslos. Er schickte regelmäßig einen Teil seines Ausbildungsgehalts nach Koudougou, damit seine Mutter zumindest die nötigsten Medikamente und Lebensmittel für das kleine Mädchen besorgen konnte. Gebraucht wurden Lebensmittel und Töpfe, weil die Oma, die bei ihrer Enkelin im Krankenhaus bleibt, dort für Salimata kocht. Außerdem hat sich das Mädchen eine Puppe, Stifte und Papier zum Malen gewünscht.

Salimata hat schwerste, großflächige Verbrennungen, von der Hüfte bis zu den Beinen. Fotos, die der HNA vorliegen, veröffentlicht die Redaktion zum Schutz des kleinen Mädchens nicht. Nur so viel: Das Mädchen leidet schlimmste Schmerzen.

In den ersten Wochen war Salimata sehr still, wohl wegen des Schocks, berichtet Moussa Bangrés Mutter Salamata Roamba, die Intensivschwester des kleinen Mädchens im „Hôpital de l’Amitié“ in Koudougou. Mithilfe ihres Sohnes Moussa und einer großzügigen Spende an den Verein konnte Ende August ein Medikament zur Behandlung von Brandwunden nach Koudougou geschickt werden. „Eine Lieferung kostet 1000 Euro und hält drei bis vier Monate“, berichtet Moussa Bangré. Kürzlich hat Salimata eine zweite Medikamentenlieferung erhalten. Denn Intensivschwester Salamata Roamba kann über erste kleine Erfolge berichten: Die Wunde riecht nicht mehr, und die verbrannte Haut beginnt, trockener zu werden.

Das kleine Mädchen ist sehr tapfer: „Meine Mutter berichtet, dass sie ein fröhliches Kind ist und viel redet“, sagt Moussa Bangré, „aber die Hölle kommt immer dann, wenn die Wunden gereinigt werden müssen. Dann weint Salimata sehr viel.“

Vor dem kleinen Mädchen, dessen Eltern wegen der Arbeit in der Elfenbeinküste leben, liegt noch ein langer Weg. Wegen der Verbrennungen hat sich die Haut an Bauch und den Knien so zusammengezogen, dass das Mädchen nicht stehen und nicht gehen kann. Sie wird sich mehreren plastischen Operationen unterziehen müssen, damit sie wieder ein halbwegs normales Leben wird führen können.

Durch Vermittlung von Dr. Ulrike Schnell, Vorstandsmitglied im Städtepartnerschaftsverein, steht Salimata fest auf der Operationsliste von Interplast Germany. Das ist ein Verein, der Ärzte und Pflegepersonal auf ehrenamtlicher Basis in afrikanische Länder schickt, um die Menschen zu behandeln. Ein Besuch in der Stadt Léo, zwei Autostunden von Koudougou entfernt, steht im Januar 2021 an. Aufgrund der Coronapandemie sind aktuell alle plastisch-chirurgischen Hilfseinsätze ausgesetzt. Denn auch Burkina Faso lässt keine Ausländer ins Land.

Spendenkonto: Städtepartnerschaftsverein Melsungen; IBAN: DE66520521540011010311; Stichwort: KDG – Salimata-Brandverletzung

(Claudia Feser)

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