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Freiheitsstrafe für 71-Jährigen aus Schwalm-Eder-Kreis: Tödlicher Unfall an der A7

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Von: Clara Veiga Pinto

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Tödlicher Unfall am 4. Juli 2021: Der 71-jährige Angeklagte wurde nun verurteilt.
Tödlicher Unfall am 4. Juli 2021: Der 71-jährige Angeklagte wurde nun verurteilt. © Manfred Schaake

Neun Monate Freiheitsstrafe, zwei Monate Fahrverbot und 1000 Euro Strafe. So lautete das Urteil für einen 71-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis.

Schwalm-Eder – Seine Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann hatte einem 45-jährigen Motorradfahrer aus Gudensberg am 4. Juli 2021 die Vorfahrt an der Melsunger Anschlussstelle zur Autobahn 7 genommen.

Daraufhin starb der Motorradfahrer und hinterließ Frau, Kinder und Enkelkinder. Zum Unfallzeitpunkt war der Angeklagte auf dem Weg zum Gottesdienst in die katholische Kirche Gensungen, den er mehrmals wöchentlich besucht.

Am Mittwoch fand die Verhandlung am Melsunger Amtsgericht statt, während der vier Zeugen und ein Gutachter angehört wurden. Die vier Zeugen, zwei Ehepaare, die zum Unfallzeitpunkt ebenfalls dort unterwegs waren, erinnerten sich an den 4. Juli.

So sollte ermittelt werden, ob der Angeklagte, wie vorgesehen, am Stoppschild haltmachte oder dieses einfach überfuhr. Alle vier Zeugen sagten aus, dass der 71-Jährige an der Haltelinie des Stoppschildes gehalten habe. Eine Zeugin, die den Unfall mit ansah, schien immer noch betroffen: „Ich denke immer noch daran. Ich hoffe, ich sehe sowas nie wieder“, betonte sie mit zitternder Stimme.

Zeugin erinnert sich an Unfall

Kurz vor dem Zusammenstoß rief sie zu ihrem Mann, mit dem sie im Auto saß „Das Auto fährt jetzt los. Der nimmt den Motorradfahrer mit“. Der sachverständige Gutachter rekonstruierte anschließend den Unfall. Er kam wiederum zum Schluss, dass der 71-Jährige nicht am Stoppschild angehalten haben konnte.

Mit Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Wagen des Angeklagten eine Mindestgeschwindigkeit von 32 km/h gehabt haben musste. „Auf diese Geschwindigkeit hätte das Auto des Angeklagten nach dem Anhalten am Stoppschild nicht kommen können“, betonte der Gutachter.

Säule des Wagens verdeckte Sicht: Angeklagter hat Motorradfahrer übersehen

Er stellte auch fest, dass eine Säule des Wagens die Sicht des Angeklagten nach rechts verdeckte. Der 71-jährige Angeklagte schien während der gesamten Verhandlung betroffen, zeigte Reue und bat die Frau des Verstorbenen, die Nebenklägerin, um Entschuldigung. Jeden Tag frage er sich: „Warum ist er gestorben, nicht ich?“ Auch einen Brief hatte er der Witwe zukommen lassen. „Ich habe ihn gelesen und ich möchte mit ihm reden aber noch nicht jetzt“, sagte sie.

Der Richter kam auf die Vorstrafen des Angeklagten zu sprechen. So kam heraus, dass der 71-Jährige schon einmal zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt worden war. „Das, was ich gemacht habe, kann ich leider nicht rückgängig machen“, entgegnete der Angeklagte.

Von einem Führerscheinentzug sah der Richter ab, da der Angeklagte seit dem Unfall im Juli 2021 nicht mehr im Straßenverkehr aufgefallen sei. Außerdem brauche der 71-Jährige seinen Führerschein, für seinen Beruf in einem Umzugsunternehmen und um eine pflegebedürftige Frau zu Untersuchungen zu fahren. „Das Urteil kann für die Frau des Verstorbenen keinen Ausgleich schaffen“, betonte der Richter. (Clara Pinto)

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