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So geht es den Menschen in Melsungens Partnerstadt Koudougou

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Von: Damai Dewert

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Zusammenkunft: Koudougous Bürgermeister Maurice Mocktar Zongo (Mitte) hatte Patenkinder und Helfer in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen.
Zusammenkunft: Koudougous Bürgermeister Maurice Mocktar Zongo (Mitte) hatte Patenkinder und Helfer in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. © Emile Nikiema

In Melsungens Partnerstadt Koudougou ist in den vergangenen vier Wochen enorm viel geschehen: Die Stadt mit mehr als 150 000 Einwohnern liegt in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder Afrikas. Dort regiert seit nunmehr vier Wochen eine Übergangsregierung unter militärischer Führung.

Melsungen – Der Putsch war aber nicht blutig, sagt Moussa Bangré. Im Gegenteil, der überwiegende Teil der Bevölkerung begrüße den Machtwechsel. Etwa 20 Millionen Menschen leben in dem westafrikanischen Land, über das es kaum nennenswerte Nachrichten in den hiesigen Medien gibt. Selbst der Putsch war nicht vielmehr als eine Randnotiz. Das bedauert Bangré – er ist gut informiert.

Auch Moussa Bangré war einst ein Patenkind und kam so in Kontakt mit Melsungen. Der 28-Jährige ist mittlerweile Informatik-Ingenieur, lebt seit 2016 in Deutschland und absolvierte von 2017 bis 2021 ein duales Studium bei B. Braun. Heute lebt er in Melsungen, ist stellvertretender Vorsitzende des Patenschaftsvereins und ist verheiratet.

Das Interesse in Melsungen an Burkina Faso ist groß. Nicht nur wegen der seit mehr als 40 Jahre bestehenden Städtepartnerschaft mit Koudougou, sondern auch wegen der 300 Patenschaften, die Familien in Melsungen mit Kindern aus Koudougou unterhalten.

In der Geschichte Burkina Fasos gab es viele Putsche – zumeist ohne viel Blutvergießen. So auch diesmal: „Es gab Verletzte, aber keine Toten“, sagt Bangré. Als Gründe für den Putsch unter Sidsoré Kader Ouedraogo nennt er Unzufriedenheit mit der Staatsführung unter Präsident Roch Marc Kaboré. Insbesondere seine Sicherheitspolitik wurde von der Bevölkerung kritisiert.

Im Norden Burkina Fasos im Ländereck mit Mali und Nigeria nehme die Zahl islamistischer Terrorakte seit Monaten zu. „Die Menschen leben in Angst vor islamistischen Anschlägen. Viele sind auf der Flucht.“ Immer wieder gebe es Schwierigkeiten mit islamistischen Gruppierungen – auch vom IS sei die Rede, berichtete Bangré. Die Menschen dort fühlten sich nicht sicher. Auf die Lebensumstände in Koudougou habe der Putsch aber keine spürbaren Auswirkungen gehabt. So sei der Bürgermeister in Melsungens Partnerstadt immer noch im Amt. Auch die Corona-Pandemie sei nicht das bestimmende Thema. Seine Mutter arbeitet im Krankenhaus, dort habe sie natürlich mit Corona zu tun, es gebe Fälle, aber die Ampel stehe keinesfalls auf Rot. Der milde Pandemieverlauf habe unter anderem mit der sehr jungen Bevölkerung zu tun, vermutet Bangré. Das Durchschnittsalter in Burkina Faso sei selbst für afrikanische Verhältnisse niedrig. Es liegt bei 16,5 Jahren – in Deutschland liegt es aktuell bei 44 Jahren.

Die Sorgen der Burkiner seien aktuell, neben einer hohen Arbeitslosigkeit und geringen Verdienstmöglichkeiten, fehlende Lebensmittel, sagt Bangré. „Wie im Rest der Welt erleben wir in Burkina Faso auch ein unzuverlässiges Wetter.“ Die Regenzeiten seien kürzer, die Ernten schlechter und das Essen knapp. Der Putsch habe dies wegen temporärer Grenzschließungen verschärft. „Die Lage ist ernst, aber von einer Hungersnot würde ich nicht sprechen“, sagt Bangré.

Positive Ablenkung habe es in den vergangenen Wochen während des Afrika-Cups im Fußball gegeben. Der Sport sei in Burkina Faso die Nummer eins und die Etalons – so wird die Nationalmannschaft genannt – total beliebt. Die Hengste, so die französische Übersetzung, schafften es ins Halbfinale des Cups. Dort scheiterten sie am späteren Sieger Senegal. „Klar, das war großartig“, sagt Bangré, schränkt aber sofort ein, dass auch das Finale drin gewesen wäre. „Wir konnten nicht mit unserem besten Torwart spielen und die besseren Gelegenheiten hatten auch wir.“ Sofort hört man die Begeisterung in Bangrés Stimme. Aber der Cup sei sicher zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Es habe viel zu feiern gegeben. Der Putsch habe schließlich schon etwas verunsichert.

Zur Situation der Patenkinder berichtet Alexander Schmidt vom Team Koudougou im Städtepartnerschaftsverein: Aktuell sei der Auszahlungstermin für die Kinder und Familien in den Patenschaften. Der Termin laufe reibungslos, berichte Ousmane Sylla, der Ansprechpartner in Koudougou. „Christiane Heinecke-Porstmann und ich wären eigentlich vor Ort. Schade. Aber die Lage vor Ort ist zu unübersichtlich“, bedauert Schmidt. Das Geld und die Briefe seien aber gut angekommen, sagt er. „Wir sind sehr froh, dass die Umstände keine Auswirkungen auf die Patenschaften haben“, sagt Schmidt.

Interessenten an Patenschaften seien willkommen. Kontakt per E-Mail unter koudougou@partnerschaftsverein-melsungen.de (Damai D. Dewert)

Auszahlungstermin Die Kinder bringen Zeugnisse und Schulbestätigung mit zum Termin. Vom Putsch spürt man in Koudougou nicht viel.
Auszahlungstermin Die Kinder bringen Zeugnisse und Schulbestätigung mit zum Termin. Vom Putsch spürt man in Koudougou nicht viel. © Emile Nikiema
Karte von Nordafrika mit  burkina Faso
Koudougou in Burkina Faso © HNA-Grafik

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