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Frischer Klang für die Stadtkirche in Melsungen

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Von: Helmut Wenderoth

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Noch ist einiges zu tun für Orgelbaumeister Peter Kozeluh (von links), Aaron und Thomas Schülken. Oben auf der Orgel: Pfarrer Dr. Sigurd Sadowski.
Noch ist einiges zu tun für Orgelbaumeister Peter Kozeluh (von links), Aaron und Thomas Schülken. Oben auf der Orgel: Pfarrer Dr. Sigurd Sadowski. © Helmut Wenderoth

Noch schützt eine Folie die bereits eingebauten Pfeifen des neuen, zusätzlichen Orgelteils in der Melsunger Stadtkirche.

Melsungen – Die bekannte Noeske-Orgel erhält durch die Erweiterung ein weiteres Manual. Damit soll das Musikgenre, das mit dem Instrument gespielt werden kann, enorm erweitert werden.

Zusätzlich handelt es sich dabei um ein Instrument zum Anfassen, denn durch die besondere Oberflächenstruktur der Pfeifen werden keine Fingerabdrücke mehr sichtbar. Damit wird auch ein musikpädagogischer Effekt erzielt, wie der zuständige Pfarrer in der Melsunger Stadtkirche, Dr. Sigurd Sadowski, sagte. Er kann sich vorstellen, dass auch Schüler die Orgel besichtigen und anfassen können. Auch Einblicke in das Innere sind möglich.

Seit sieben Monaten im Einsatz

Das Hauptaugenmerk haben Kirchengemeinde und Orgelbauer darauf gelegt, dass der Standort des neuen Teilwerkes räumlich und auch musikalisch zum Kirchenschiff und der bisherigen Orgel passen. Seit mehreren Monaten sind sieben Mitarbeiter mit den Arbeiten an dem über zwei Tonnen schweren Musikinstrument beschäftigt, sowohl in der Stadtkirche als auch in der Orgelbauwerkstatt in Rotenburg.

Ein Teil des Gewichtes kommt von der Konstruktion der Wandverkleidung, die mit Sand gefüllt wurde, um ein besonderes Klangerlebnis zu erzeugen. Orgelbaumeister Peter Kozeluh und zwei seiner Orgelbauer, Thomas und Aaron Schülken, sind derzeit fast täglich in der Melsunger Stadtkirche.

In die neue Orgel werden 779 Pfeifen eingebaut. Die größte ist 4,10 Meter lang und die kleinste zeigt gerade mal zwei Zentimeter auf dem Maßband. Bei einer Länge von mehr als vier Metern ist es besonders anspruchsvoll, die Pfeife ohne Beschädigungen an den Wänden des frisch renovierten Gotteshauses auf die Empore zu bringen, sagen die Orgelbauer aus Rotenburg.

Größere Probleme bereitet den Handwerkern derzeit die Beschaffung der entsprechenden Technik, um die Orgel zu digitalisieren. Die Lieferung der benötigten Halbleiter zögert sich, wie momentan fast überall, heraus. Hinzu kommt laut Kozeluh, dass eine der bedeutendsten Zulieferfirmen für Orgelbauteile in Deutschland den Betrieb eingestellt hat. Bei allen Teilen, die in der Orgel in der Melsunger Kirche verbaut sind, handelt es sich um Einzel- und Sonderanfertigungen.

Digitalisierung der Orgel

Mit der Digitalisierung der Orgel ist es möglich, alle drei Teilwerke von einem Platz aus zu bedienen. Register, die bisher manuell gezogen wurden, können dann elektromagnetisch eingestellt werden. Die spielbare Musikpalette wird enorm vergrößert. Klänge können vorprogrammiert werden und erweitern so die Klangvielfalt um ein Vielfaches. Darauf freut sich Bezirkskantorin Kornelia Kupski besonders.

Wie Pfarrer Sadowski sagte, kostet die gesamte Kirchenrenovierung rund 500.000 Euro, davon entfallen 300 000 Euro allein auf die Orgel. Möglich wurde dies unter anderem durch private Spenden und durch Investitionen vom Förderverein Stadtkirche Melsungen sowie der Stiftung Kirchenerhaltungsfonds der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Wann die erweiterte Orgel zum ersten Mal wieder erklingt, steht noch nicht fest. Aber Orgelbaumeister Kozeluh verspricht: „In der Melsunger Stadtkirche entsteht mit der Erweiterung und der neuen Technik der Orgel etwas ganz Besonderes. Die Zuhörer werden begeistert sein.“

(Helmut Wenderoth)

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