Elternbesuch ist nicht erlaubt

Für elf Monate in die USA: Melsunger bekommt begehrtes Stipendium

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Vorbereitende Lektüre: Johannes liest sich in den Bestseller über das Weiße Haus ein.

Melsungen. 4000 Schüler haben sich bundesweit um das Stipendium des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms der Bundesregierung beworben. Johannes Berg aus Melsungen hat einen der begehrten Plätze erhalten.

Er wird ab August für elf Monate an einem Austauschprogramm mit den USA teilnehmen.

Im Juni hat Johannes sein Abschlusszeugnis von der Realschule in Oberurff entgegengenommen – als Zweitbester seines Jahrgangs mit einem Notendurchschnitt von 1,2. Sein nächstes Ziel ist das Abitur. Doch jetzt geht es erst einmal in die Vereinigten Staaten.

„Die Idee mit dem Auslandsjahr wurde ihm schon in die Wiege gelegt“, sagt seine Mutter Sabine Berg. „Als er klein war, haben wir ihm die Postkarten seines Großvaters vorgelesen. Der ist viel auf Geschäftsreisen gewesen.“ Auch sein Vater habe ein Auslandsjahr in England verbracht. Nun zieht es die dritte Generation in die Ferne.

Nach der Bewerbung im September wurde Johannes für ein Auswahltreffen eingeladen. Dort hielt er unter anderem einen Vortrag über den Atomwaffenkonflikt zwischen den USA und Nordkorea. Außerdem sollten die Teilnehmer Gegenstände mitbringen, die sie nach Amerika mitnehmen würden. Johannes Wahl fiel auf eine Ahle Wurst. „Ich verstehe mich als Botschafter meiner Heimat“, sagt der 16-Jährige. Er möchte ein offenes Deutschland repräsentieren.

Nach dieser ersten Bewerberrunde folgte im Februar ein Gespräch mit Bettina Hoffmann, Abgeordnete der Grünen im Bundestag aus dem Wahlkreis Schwalm-Eder. Dafür war eine halbe Stunde angesetzt, am Ende wurden 90 Minuten daraus. Damit hat Johannes das Stipendium gegen seine zwei verbleibenden Mitbewerber aus dem Wahlkreis gewinnen können.

Familie soll nicht zu Besuch kommen

In wenigen Wochen geht es los. Von seinem Auslandsjahr erhofft er sich neue Menschen und Sichtweisen kennenzulernen. „Mich interessiert auch, ob die Gesellschaft wirklich so drastisch in Demokraten und Republikaner aufgeteilt ist. Und, ob etwas dran ist am American Dream“, sagt Johannes. Als zukünftiger High-School-Schüler denkt er auch an die Amokläufe der vergangenen Jahre. „Ausschließen kann man das natürlich nicht, aber ich könnte ja auch hier auf der Straße angegriffen werden.“ Auf seiner Wunschliste steht zudem ein Gespräch mit einem amerikanischen Politiker: „Ein persönliches Gespräch mit einem Senator, das wäre interessant.“

Während der elf Monate soll die Familie ihren Sohn nicht besuchen. Doch das kann Sabine Berg akzeptieren. „Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, schenke ihnen Flügel“, zitiert sie ihren Leitspruch. Sie hat keinen Zweifel daran, dass Johannes wertvolle Erfahrungen sammeln wird.

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