Gespräche am Pflanztisch

Für ihre Enkel ist es das Anders-Land: Viel zu entdecken gibt es im Blumengarten von Sibylle Ebinger

Nur wenig Gemüsegarten: Sibylle Ebinger fühlt sich in ihrem kleinen Paradies zu Hause. Sie selbst bevorzugt Blumen in allen Farben, Gemüse baut die 72-Jährige nur wenig an.
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Nur wenig Gemüsegarten: Sibylle Ebinger fühlt sich in ihrem Paradies zu Hause. Sie selbst bevorzugt Blumen in allen Farben, Gemüse baut die 72-Jährige nur wenig an.

Seit Corona haben Garten und Natur noch einmal an Bedeutung gewonnen. In unserer Sommerserie Gespräche am Pflanztisch besuchen wir Leser in ihren grünen Oasen, so wie Sibylle Ebinger in Melsungen.

Sibylle Ebingers Gartentipp für eine lange Blütenpracht

In Sibylle Ebingers Garten darf eine farbenfrohe Blütenpracht nicht fehlen. Damit sie diese in ihrem günen Paradies lange genießen kann, schneidet die 72-jährige Melsungerin regelmäßig die verwelkten Blüten ab. „So kann die Pflanze noch einmal erneut eine Blüte bilden – auch in demselben Jahr noch“, erklärt die gelernte Landwirtschaftlich-technische Assistentin. Wenn man das Verblühte hingegen an der Pflanze lasse, würde die ihre gesamte Kraft in die Entwicklung von Samen stecken.

Melsungen – Am Gartentisch, zwischen duftenden Blumenstauden und einem Teich voller Seerosen, sitzt Sibylle Ebinger. Gerade noch war die Melsungerin inmitten von grünen Sträuchern, Kräuterbeeten und vollen Apfelbäumen in ihrem Garten unterwegs. Unter dem Pavillon ruht sich die 72-Jährige nun erst einmal aus.

In ihrem Garten gibt es viel zu tun – besonders in diesem Jahr ist das so. „Es wächst und blüht überall, so was habe ich noch nie erlebt. Es ist einfach nur schön“, sagt Ebinger, für die ihr Garten ein Ort der Erholung und Gelassenheit ist. Seit 40 Jahren kümmert sie sich nun um den Garten, der zu ihrem Elternhaus gehört. Den grünen Daumen habe sie wohl schon in die Wiege gelegt bekommen, ihre Ausbildung zur landwirtschaftlich-technischen Assistentin ihr noch einmal zu mehr Fachwissen verholfen.

In ihrer Kindheit hat ihr Vater das „grüne Paradies“ gepflegt, wie sie es nennt. „Damals standen hier überall große Tannen und Fichten. Mittlerweile hat es meine Handschrift. Ich liebe Blumen“, sagt Ebinger und zeigt auf eine Mischung aus Mohnblüten, Margeriten und Lilien. „Ein Garten ohne Blumen ist wie ein Himmel ohne Sterne.“

Auch ein kleines Gemüsebeet ist auf dem Grundstück zu entdecken, und im gesamten Garten verteilt sind Salbei, Fenchel und andere Kräuter. Am Rand des kleinen Steinwegs wachsen sogar Walderdbeeren. „Ich weiß gar nicht, wie die mal hier hergekommen sind“, sagt die 72-Jährige lachend.

Natur pur: Sibylle Ebinger lässt erst einmal alles wachsen in ihrem Garten. Sie mag die grüne Vielfalt.

Einige Kirsch- und Apfelbäume stehen auch heute noch im Garten von Sibylle Elbinger. „Die Apfelbäume tragen in diesem Jahr prächtig“, sagt die 72-Jährige bei einer Erkundungstour durch den Garten. Das macht die Melsungerin jeden Morgen und jeden Abend. „Ich schaue dann, was alles zu tun ist“, sagt sie.

„Was morgens gerade wächst, kann abends schon wieder schief sein, aber ich arbeite einfach vor mich hin, ohne Hektik.“ Denn auch wenn die Arbeit im Garten häufig mühsam ist, ist sie für Elbinger vor allem eins: Entspannung.

Auf ihren Gartenrunden gibt es für die Melsungerin immer wieder Neues zu entdecken. „Abends, wenn es schon dunkel ist, blühen die Nachtkerzen. Das ist wunderschön“, schwärmt Elbinger. Und erst vor einigen Nächten habe sie eine Erdkröte im Blumenbeet gefunden. „Ich habe sie erst gar nicht gesehen und mit einer Taschenlampe gesucht, was da diese Geräusche macht.“

Die 72-Jährige ist stolz auf die artenreiche Pflanzen- und Tierwelt in ihrem Garten: Winzige Amseln zwitschern in den Baumkronen, Libellen tummeln sich über dem Seerosenteich und Wildbienen schwirren um das Insektenhotel. „Ich habe auch viel Totholz im Garten verteilt. Darin leben so viele Hirschkäfer“, erzählt sie erfreut und zeigt auf die Stämme und Äste, die zwischen den Pflanzen verteilt sind.

Eine kleine Auszeit: Überall im Garten sind Stühle und andere Sitzgelegenheiten verteilt.

Hoch oben ragt ein Baumhaus aus den Kronen der Obstbäume heraus: Ein Kindheitstraum der 72-Jährigen, den sie sich vor etlichen Jahren nun doch noch erfüllt hat. In dem Häuschen mit Balkon und blauem Sonnenschirm spielen ihre beiden Enkel gern, wenn sie in den Ferien zu Besuch kommen. Für den zehnjährigen Charlie und den fünfjährigen Eddie gibt es viel zu entdecken in Omas Garten. „Sie freuen sich immer, hier spielen zu können. Für sie ist mein Garten das Anders-Land“, erzählt Ebinger.

Insgesamt sind ihre Blumen und die dicht wachsenden Sträucher bei Kindern sehr beliebt. „Es gibt eine Kindergarten-Gruppe, die läuft beim Spazierengehen an meinem Garten vorbei. Und die Kinder staunen immer“, sagt sie. Die Erzieherinnen hätten sie schon darauf angesprochen, ob ein paar Kinder ihren Garten erkunden dürften – für die 72-Jährige gar keine Frage. „Das fände ich sehr schön. Es freut mich sehr, wenn Kindern mein Garten gefällt.“

In Sibylle Ebingers Garten weiß man nie, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet. Genau so müsse es sein, sagt die Melsungerin. Noch einige Wochen lang wird sie dort viel zu tun haben. „Im Herbst kehrt aber langsam Ruhe ein. Das ist der Rhythmus der Natur, und es wird dann auch Zeit, mich zu erholen“, sagt die 72-Jährige. „Trotzdem freue ich mich jetzt schon weder auf den nächsten Frühling!“ (Anna Weyh)

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