Biomüll-Ärger im Altkreis – Auslieferung beginnt am 24. Mai

Für jeden Mieter eine Tonne

Noch mehr Mülltonnen in der Altstadt: Für jede der drei schwarzen Restmülltonnen bekommt Dr. Hans-Joachim Fastenrath aus Melsungen eine Biotonne.
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Noch mehr Mülltonnen in der Altstadt: Für jede der drei schwarzen Restmülltonnen bekommt Dr. Hans-Joachim Fastenrath aus Melsungen eine Biotonne.

Melsungen/Felsberg – Die Biotonnen sind im Altkreis Melsungen noch gar nicht ausgeliefert, da gibt es schon Ärger und Unsicherheiten. Denn jede Wohnung bekommt eine 120 Liter-Biotonne, die Stadt Felsberg macht in der nächsten Woche den Anfang im Altkreis Melsungen.


Das bedeutet: Ein Sechs-Parteien-Haus bekommt sechs Biotonnen – zusätzlich zu den gelben, blauen und grauen Tonnen. „Das ist doch ein Schildbürgerstreich“, sagt Dr. Hans-Joachim Fastenrath, auch wenn die Mieter seines Hauses in der Altstadt den Plastikmüll in gelben Säcken entsorgen dürfen. Der Melsunger bekommt ab dem 26. Juni drei Biotonnen vors Haus geliefert – weil zu seiner Immobilie an der Burgstraße drei Restmülltonnen gehören. Dabei lebt in dem Haus, das Fastenrath vermietet, nur eine Familie, und im Erdgeschoss ist eine Zahnarztpraxis.

Markus Diehl, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft, appelliert an alle, die Biotonne eine Zeit lang zu testen. Es sei wichtig, dass sich jeder mit dem Thema Abfalltrennung beschäftige: „Jeder kann zuhause was für den Klimaschutz tun.“

Wer dennoch meint, keinen Bedarf für die Tonne zu haben, kann einen Antrag auf Wiederabholung stellen. Dieser muss jedoch triftig begründet werden. Es müsse nachgewiesen werden, dass der biologisch abbaubare Müll auf dem Grundstück fachgerecht kompostiert werde. Jeder Antrag werde geprüft, teilt Diehl weiter mit. Ein entsprechendes Formular kann erst nach Ende der Auslieferung, also Mitte Juli, auf der Internetseite des Zweckverbands heruntergeladen werden. Warum wurde der wirkliche Bedarf nicht vor der Auslieferung der rund 80 000 Tonnen im Schwalm-Eder-Kreis ermittelt? Das sei logistisch nicht machbar gewesen, weil alle 80 000 Wohneinheiten vorher angeschrieben hätten werden müssen. Sein Tipp: Die Zahl der Tonnen kann grundsätzlich reduziert werden, also statt zwei 120 Liter-Tonnen eine 240 Liter-Tonne, das gilt auch für die Restmülltonne. Das kann jeder Hauseigentümer im Rathaus beantragen. „Wichtig ist, dass das Gesamtvolumen stimmt.“


Der Melsunger Dr. Hans-Joachim Fastenrath hat eine Immobilie an der Burgstraße und er weiß jetzt schon kaum, wohin mit den drei Tonnen für den Restmüll und den drei Tonnen für den Papiermüll. Zum Glück ist die Altstadt „Gelbes-Sack-Gebiet“, weshalb die Eigentümer von den gelben Tonnen für den Plastikmüll verschont wurden.

Die Biomülltonnen werden bis Anfang Juli im Schwalm-Eder-Kreis ausgeliefert – auch an Gewerbetreibende ohne Biomüll.

Für sein Haus in der Altstadt benötige er keine drei Biotonnen, eine sei ausreichend. Im Erdgeschoss ist eine Zahnarztpraxis, oben wohnt eine Familie. Aber weil zum Haus drei Restmülltonnen gehören, gibt es automatisch drei Biotonnen. „Aber die Kaffeekapseln, die in der Praxis anfallen, dürfen ja nicht in den Biomüll“, sagt er, „und für ein paar Teebeutel lohnt sich eine eigene Biotonne nicht.“

Auch Margret Desselberger aus Gensungen ärgert sich über die Biotonnen. Die 81-Jährige lebt in einem Sechs-Parteien-Haus, das aber nur von sieben Personen bewohnt wird. Für jede Wohnung soll laut eines Schreibens des Abfallzweckverbands eine Biotonne aufgestellt werden. Schon jetzt stehen vor dem Haus zwölf Tonnen: je vier schwarze, blaue und gelbe. „Die bekommen wir schon nicht richtig voll, uns würden drei Tonnen von jeder Sorte genügen“, sagt Desselberger, „für die 18 Mülltonnen müssen wir erst mal einen Platz finden.“ Eigentlich würden drei Biotonnen für alle Hausbewohner völlig ausreichen. Beim Abfallzweckverband hat sie bereits angerufen, dort habe man sie aber abgewimmelt.

Auf Anfrage der HNA teilt Markus Diehl vom Zweckverband Abfallwirtschaft Schwalm-Eder mit: „Grundsätzlich muss jede Wohneinheit eine 120 Liter-Tonne vorhalten“ und verweist auf den Anschluss- und Benutzungszwang der Abfallsatzung.

Gleichwohl könne es auch Einzelfälle geben, die keine Biomülltonnen benötigen, etwa landwirtschaftliche Betriebe. Nach Ende der Auslieferung Anfang Juli kann auf der Seite des Abfallzweckverbands ein Formular heruntergeladen werden, mit dem Biotonnen abbestellt werden können. Hierfür müsse eine wichtige Voraussetzung nachgewiesen werden: dass eine ordnungsgemäße Kompostierung auf dem Grundstück möglich ist.

Hans-Joachim Fastenrath aus Melsungen sagt: „Das wird ein totales Chaos, wenn das so umgesetzt wird.“ Er zähle noch zu den Hauseigentümern, die kleine Abstellmöglichkeiten für die bislang sechs Mülltonnen hätten. Das sei an vielen Stellen in der Altstadt nicht gegeben. Bedeutet es für die Altstadt als „Gelbes-Sack-Gebiet“, dass dies auch als Abbestellgrund dienen kann? „Diesen Automatismus gibt es nicht“, sagt Markus Diehl. Schließlich hätten dort die wenigsten Garten, in dem sie selbst, fachgerecht kompostieren könnten.

Fastenrath sieht mit den zusätzlichen Tonnen „große Probleme für das Melsunger Stadtbild“: Denn viele ungenutzt und ungebrauchte Tonnen würden draußen vor den Türen stehen. „Es wäre sinnvoller gewesen, wenn man vorher den wirklichen Bedarf ermittelt hätte.“ Dieser Meinung ist auch Gertraud Landbeck aus Melsungen: Es wäre besser gewesen, wenn man vorher hätte sagen können, ob man eine Tonne brauche oder nicht. Die Melsungerin kompostiert nach eigenen Angaben schon seit vielen Jahren im Garten und habe gar keinen Bedarf. Außerdem sieht sie sich im Nachteil, weil nun die Restmülltonnen nur noch alle drei Wochen geleert werden sollen. Was sei mit den jungen Familien oder den Senioren, bei denen Windeln anfallen? „Ich weiß nicht, ob das eine kluge Regelung ist.“ (Von Claudia Feser Und Judith Feaux De Lacroix)

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