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Melsunger Initiative organisiert Gegen-Demonstration

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Von: Damai Dewert

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Die Initiatoren: (von links) Timo Riedemann, Lars Kühn, Volker Wagner, Peter Hohmann, Stefan
Die Initiatoren: (von links) Timo Riedemann, Lars Kühn, Volker Wagner, Peter Hohmann, Stefan © Damai Dewert

Das Feld dürfe nicht den Querdenkern und Coronaleugnern überlassen werden, sagt Timo Riedemann, Stadtverordnetenvorsteher und Vorsitzender des Ältestenrats in Melsungen.

Melsungen - 120 Impfkritiker trafen sich am Montag laut Ordnungsamt in der Melsunger Innenstadt. Die Spaziergänger waren friedlich und mit Abstand unterwegs. Masken hatten die meisten nicht auf.

Die Teilnehmerzahl sei trotz der hundertfach verteilten Flyer in der Kernstadt kaum gewachsen. In der Woche davor waren etwa 90 bis 100 Personen unterwegs, sagt Ordnungsamtschef Frank Werner.

Große Mehrheit für Impfungen und Schutzmaßnahmen

Gegen die Protestveranstaltung formiert sich jetzt Widerstand in der Stadt. Mit einer Melsunger Erklärung will die „Initiative Altkreis Melsungen gegen rechtsextreme CoronaleugnerInnen für Solidarität und wissenschaftsfundierte Coronapolitik“ klarstellen, dass die überwältigend große Mehrheit für Impfungen und Coronaschutzmaßnahmen, für Demokratie und gegen Gewalt, Radikalisierung, Lüge Hass und Hetze einsteht“, sagt Stadtverordnetenvorsteher Timo Riedemann. Der Impuls kam aus dem Ältestenrat der Stadt. Dieser besteht aus dem Vorstand der Stadtverordnetenversammlung, den Fraktionsvorsitzenden und dem Bürgermeister der Stadt Melsungen.

In der Erklärung heißt es beispielsweise, dass Impfungen in der Vergangenheit zahlreiche Krankheiten ausgerottet haben. Die Initiatoren sind überzeugt, dass die wirkliche Gefahr nur von der Krankheit selbst ausgeht und nicht vom Impfstoff. Die Impfungen gegen Corona bieten einen sehr guten Schutz, insbesondere gegen schwere Verläufe. Lügen, Hass und Hetze, Aufrufe zu Gewalt und gar zu Mordanschlägen sind erschreckend, abstoßend und nicht hinnehmbar, heißt es weiter.

Reden von Vertretern aus Medizin, Bildung und Kirche

Der Ältestenrat ist auch Initiator einer Veranstaltung, die kommenden Dienstag auf dem Melsunger Marktplatz stattfinden soll. Unter dem Motto „Impfen statt schimpfen“ lädt der Ältestenrat zu der Veranstaltung ein, die für das Impfen, das Miteinander und das Gedenken an die weltweit über fünf Millionen Coronatoten steht. Los geht es um 18 Uhr. Geplant sind Reden von Vertretern aus der Medizin, Bildung und von der Kirche. Es gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht.

In Zeiten hoher Inzidenzen sei es auf den ersten Blick vielleicht sonderbar, mit einer Großveranstaltung auf die Spaziergänge der Impfskeptiker zu reagieren, aber es gehe darum, sich den öffentlichen Raum zurückzuholen.

Der Ältestenrat organisiert für den kommenden Dienstag, 25. Januar, eine Veranstaltung zum Gedenken der vielen Coronatoten, zur Unterstützung der Impfkampagne und als Dankeschön für die vielen im medizinischen Bereich tätigen Menschen.

Es wird nicht gelaufen, sondern gestanden – und zwar auf dem Marktplatz ab 18 Uhr. Teilnehmer mögen bitte einen Schal zum Abstandhalten und eine medizinische Maske mitbringen, sagt Riedemann. Als Sprecher sind unter anderem der ehemalige Melsunger Chefarzt Dr. Gunther Claus und der Schulleiter der Gesamtschule Dr. Matthias Bohn vorgesehen.

200 Teilnehmer erwartet

„Es geht uns in erster Linie nicht darum, eine Gegendemonstration zu veranstalten“, sagt Riedemann. Vielmehr solle Wertschätzung für die vielen engagierten Beschäftigten zum Ausdruck gebracht und Werbung für die Impfung gemacht werden. Reden von Politikern seien nicht geplant. „Wir wollen uns raushalten. Ich glaube auch, dass ein Arzt und ein Schulleiter viel Relevantes zu erzählen haben werden.“ Der Ältestenrat hoffe auf mindestens 200 Teilnehmer, sagt SPD-Fraktionschef Volker Wagner.

Eine weitere Veranstaltung sei nur geplant, wenn es den Wunsch aus der Bevölkerung heraus gebe, so Riedemann. Es sei aber wichtig zu verdeutlichen, dass es sich bei den Impfskeptikern lediglich um eine sehr kleine Gruppe, eine Minderheit handele. Die Veranstaltung wird in den kommenden Tagen noch mit Flyern in Geschäften beworben. Eine Hauswurfsendung gebe es nicht.

„Solidarisch gegen die Pandemie“

Auch in Fritzlar ist eine Veranstaltung geplant. Dort rufen die Jusos Schwalm-Eder, die Grüne Jugend und Fridays for Future Fritzlar auf. „Solidarisch gegen die Pandemie“ lautet das Motto. Los geht es am Montag, 24. Januar auf dem Fritzlarer Marktplatz um 17.30 Uhr.

Die Initiatoren in Fritzlar werfen den Spaziergängern vor, der Querdenker-Bewegung nahe zu stehen. Damit nähmen sie in Kauf, sich offenkundig mit Neonazis und Funktionären der AfD auf die Straße zu stellen sowie mit ihren wissenschaftsfeindlichen Ansichten teilweise antisemitische und faschistische Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Mit einem Verantwortlichen der Melsunger Spaziergänger konnten wir nicht sprechen. Es gibt immer noch keinen benannten Versammlungsleiter. Am Montag marschierten die Teilnehmer friedlich einer Dame mit grünen Regenschirm hinterher.

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