70-Jähriger will als parteiloser Kandidat ins Rennen gehen

Ehemaliger Tauchlehrer will Melsunger Bürgermeister werden

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Will sich zur Wahl stellen: Gerhard Schönemann aus Melsungen hat die Bewerbungsunterlagen für die Bürgermeisterkandidatur bereits abgeholt.

Melsungen. Früher arbeitete Gerhard Schönemann als Tauchlehrer auf den Malediven, nun ist er in der Melsunger Politik aufgetaucht: Der 70-Jährige will Bürgermeister werden und vieles anders machen.

Er ist keiner, der Versprechen bricht, das stellt Gerhard Schönemann klar. Deshalb hält er auch das Versprechen, das er Bürgermeister Markus Boucsein vor drei Jahren gegeben hat: „Ich habe ihm gesagt, dass ich bei der nächsten Wahl sein Gegenkandidat sein werde.“

Die Bewerbungsunterlagen hat Schönemann bereits abgeholt, 74 Unterschriften muss er sammeln, um zur Wahl zugelassen zu werden. „Das sollte klappen“, sagt er.

Der 70-Jährige, der schon als Tauchlehrer und Hotelmanager auf den Malediven gearbeitet hat, will als parteiloser Kandidat ins Rennen gehen, einem Fraktionszwang wolle er sich nicht unterwerfen. Es gehe ihm darum, Ideen zu verwirklichen, die die Stadt weiterbringen. Und dabei sei es ganz egal, von welcher Partei diese auch stammen. Die Politik in Melsungen sei ohnehin eingefahren und viel zu verschlossen dem Bürger gegenüber.

Wäre er Bürgermeister, dann bekäme jeder Stadtverordnete und auch er als Rathaus-Chef ein Diensthandy und müsste einmal wöchentlich für mindestens eine Stunde für die Melsunger persönlich erreichbar sein. „Und die Leute müssen eingebunden und ernst genommen werden“, sagt der Rentner. Seit 15 Jahren wohnt Schönemann in Melsungen, kennt jede Gasse durch seine langjährige Tätigkeit als HNA-Zusteller. „Ich fühle mich wohl hier.“ Dennoch hat er neben der fehlenden Nähe zwischen Politik und Bürger jede Menge weitere Kritikpunkte – und für vieles die passende Lösung im Ärmel.

Die Sauberkeit in der Stadt ist einer der Punkte, die er angehen würde. „Es fehlt an Kontrollen und an Personal.“ An der Entengasse könne man kaum noch langgehen, ohne auf Zigarettenkippen und Unrat zu stoßen. „Wenn sich nach einer Verwarnung nichts tut und das dritte Knöllchen dann mal 150 Euro kostet, wird man sich überlegen, ob man noch mal die Zigarettenkippe dort hinschmeißt.“ 

Auch die verkehrsberuhigten Bereiche sind Schönemann ein Anliegen, insbesondere das Vordere Eisfeld, wo der zweifache Großvater selbst seit vier Jahren zuhause ist, und die Fußgängerzone. Dort könne man gerade morgens doch kein Kind einfach so laufen lassen. „Man muss dauernd darauf achten, dass man nicht angefahren wird.“ Lieferdienste fuhren teils von einem zum übernächsten Geschäft, statt einfach eine Sackkarre zu benutzen. „Es muss doch nicht sein, dass die jede fünf Meter mit dem Wagen fahren.“

Eine Stadt, die familienfreundlich sein will, müsse auch genug für junge Menschen tun, sagt Schönemann. Es fehle beispielsweise an Freizeitangeboten für Jugendliche. „Ich will für Kinder was tun. Auch wenn ich schon 70 bin, habe ich nicht vergessen, dass ich auch mal ein Kind war.“

Ob er eine Chance auf den Chefsessel hat, könne er schlecht einschätzen. „Ich bin in keinem Verein, gehe in keine Kneipen.“ Vielleicht Kriterien, die eine Rolle spielen könnten, meint er. Obwohl der 70-Jährige kaum Alkohol trinkt, ist sein Lieblingsgetränk trotzdem Bier – ein alkoholfreies Weizen gönnt er sich gern. 

Sollte Schönemann tatsächlich Bürgermeister werden, will er sich sofort in die Arbeit stürzen. Sollte es nicht klappen, dann steht eine weitere Reise an: Tauchen in Indonesien. Ihn interessierten die kleinen Dinge im Wasser, nicht die großen Fische.

Zur Person

Gerhard Schönemann (70) ist gebürtiger Homberger. Nach einer Lehre bei der Post war er 21 Jahre bei der Bundeswehr, zuletzt als Offizier im Mittleren Fachdienst. Anschließend arbeitete er unter anderem als Tauchlehrer auf den Malediven und als Reiseleiter. Als er 1993 nach Deutschland zurückkehrte, holte er sein Fachabitur nach, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und die Prüfung zum Betriebswirt. Er arbeitete bis 2006 als Taxifahrer, seit fünf Jahren ist er Rentner und trägt nebenbei die HNA aus. Schönemann ist geschieden, hat zwei Söhne (37 und 40) und zwei Enkelkinder.

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