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GEW-Kreisvorstand hofft auf Präsenzunterricht im Schwalm-Eder-Kreis

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Von: Damai Dewert

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Unterricht in Präsenz: Die Lehrergewerkschaft begrüßt die kostenlosen Tests für Schüler.
Unterricht in Präsenz: Die Lehrergewerkschaft begrüßt die kostenlosen Tests für Schüler. © Damai Dewert

Hinter den Schülern im Landkreis liegen zwei Schuljahre mit Einschränkungen und Veränderungen.

Melsungen – Wir haben mit Bodo Hofmann-Thomschewski und Sebastian Schackert vom GEW-Vorstand des Kreisverbandes Melsungen-Fritzlar über die Erwartungen an das neue Schuljahr gesprochen.

Mit welchen Gefühlen schauen Sie auf den bevorstehenden Schulstart mit Herbst und Winter?

Hofmann-Thomschewski: Corona ist nach wie vor ein wichtiges Thema und wird – leider – sicherlich im Herbst und Winter wieder akuter werden und uns beschäftigen. Hier sehen wir dem Herbst und Winter natürlich mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Momentan gelten unsere Sorgen aber auch noch ganz anderen Bereichen.

Welche sind das?

Hofmann-Thomschewski: Wir haben einen erheblichen Zuwachs an Schülerinnen und Schülern – das Kultusministerium sagt zwar, dass neue Stellen geschaffen wurden, aber das heißt nicht, dass diese alle besetzt werden konnten, und schon gar nicht mit ausgebildeten Lehrkräften. Außerdem herrscht vor allem in Grundschulen akute Raumnot – teilweise wird in Containern unterrichtet, teilweise ist sogar das nicht möglich – hier ist der Schulträger gefordert.

Hinzukommt die Energiekrise. Das ist sicher eine zusätzliche Belastung.

Schackert: Die Energiekrise macht uns selbstverständlich große Sorgen. Wir fragen uns beispielsweise schon, ob die Schulen ausreichend beheizt werden können. Gleichzeitig stehen die zu erwartenden Energiesparmaßnahmen im Gegensatz zu notwendigen Hygienemaßnahmen – so wird zum Beispiel der Verzicht auf warmes Wasser empfohlen.

Belastet der Krieg in der Ukraine die Schüler?

Hofmann-Thomschewski: Das Kriegsgeschehen in der Ukraine stellt nach wie vor eine erhebliche psychische Belastung für viele unserer Schülerinnen und Schüler dar. Und nicht zuletzt befürchten wir daher eine starke Arbeitsbelastung aller Beschäftigten in der Schule: Schulleitungen, Lehrer, sozialpädagogische Mitarbeiter und Erzieherinnen. Hinzu kommt die starke Arbeitsbelastung durch die zunehmende Heterogenität der Schüler. Hier fehlt es nach wie vor an genügend ausgebildeten Förderschullehrern, um inklusive Beschulung pädagogisch sinnvoll umzusetzen.

Welche Lehren sollten Kultusministerium und Schulträger aus den vergangenen zwei Jahren gezogen haben?

Hofmann-Thomschewski: Dass das Maskentragen eine der wesentlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist. Der beste Beleg ist der starke Anstieg von Corona-Infektionen unter Schülerinnen und Schülern und auch Lehrer nach dem Wegfall der Maskenpflicht. Der flächendeckende Einsatz von geeigneten Luftfilteranlagen und Lufttauschern ist außerdem noch immer dringend geboten.

Schackert: Schülerinnen und Schülern benötigen einen pädagogisch sinnvollen und nicht gesundheitsgefährdeten Unterricht mit sozialem Austausch in der Schule. Andererseits müssen wir die Energiekrise ernst nehmen. Grundsätzlich muss der Präsenzunterricht oberste Priorität haben.

Aber die Digitalisierung ist nicht wirklich vorangekommen, oder?

Schackert: Es gibt noch viele Baustellen. Wir benötigen ein stabiles Breitbandnetz im gesamten Kreisgebiet, die Beschäftigten müssen mit geeigneten Endgeräten ausgestattet sein und vor allem benötigen bedürftige Familien solche Geräte. Dazu gehört auch der technische Support der Hard- und Software durch Fachkräfte.

Hofmann-Thomschewski: Im Bereich der Digitalisierung muss das Kultusministerium die Zusammenarbeit mit den Schulträgern grundlegend verbessern.

Und was hat sich verbessert?

Hofmann-Thomschewski: Immerhin gibt es erste Raumlufttauschanlagen, die Digitalisierung wurde angegangen, aber recht langsam und Informationen kommen schneller an. Wirklich positiv ist festzuhalten, dass vom Kultusministerium nach wie vor kostenlose Tests für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zur Verfügung gestellt wurden und werden.

Wie sieht ihre Wunschliste für die kommenden Monate aus?

Schackert: Auf jeden Fall warme Klassenzimmer im Winter und Luftfilter, die laufen dürfen. Dazu weniger Unterrichtsausfälle wegen überlasteter Lehrer und grundsätzlich die Möglichkeit, Unterricht in einem normalen und pädagogisch sinnvollen Rahmen in den Schulen zu erhalten. Die Lehrer benötigen außerdem Entlastung.

Für Grundschulen wurden ja zusätzliche Lehrer eingestellt zum Teil auch ohne Zweites Staatsexamen.

Hofmann-Thomschewski: Ohne diese zusätzliche Hilfe wäre der Schulbetrieb gar nicht möglich. Diese Kräfte mit befristeten Verträgen benötigen vernünftige Qualifizierungen und es muss Unterstützung für Quereinsteiger geben. Da hat das Ministerium glücklicherweise aber bereits ein Programm aufgelegt.

Was wünschen sie den Erstklässlern?

Schackert: Einen guten Schulanfang in einem schönen Klassenraum und ein möglichst unbeschwertes Schuljahr mit wenig finanziellen Sorgen im Elternhaus und jeder Hilfe, die sie brauchen. Damai D. Dewert)

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