Glyphosat-Verbot auf öffentlichen Flächen

Kommunen im Schwalm-Eder-Kreis haben Probleme mit wucherndem Wildkraut

Die Pflanze stirbt nach der Anwendung ab.

Schwalm-Eder-Kreis – Die Städte und Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis haben mit wucherndem Wildkraut auf öffentlichen Flächen zu kämpfen.

Der Grund: Das Bundesland Hessen hat den Einsatz von Glyphosat auf kommunalen Flächen im Jahr 2015 verboten. Damals hatte die IARC, ein Gremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Seither versuchen viele Kommunen, Alternativen zu dem Unkrautvernichter zu finden.

Das funktioniere aber noch nicht einwandfrei, sagt Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz. „Wir versuchen Wildkraut so gut wie möglich zurückzudrängen“, sagt Steinmetz. Das sei aber mit der neuen Technik kaum machbar. In Felsberg hat die Stadt beispielsweise ein umweltfreundliches Heißwassergerät angeschafft. „Damit können wir das wuchernde Wildkraut aber nicht ganz eliminieren.“

Auch in Morschen sieht es ähnlich aus. Gerade aus Neumorschen habe es Beschwerden wegen wachsendem Wildkraut gegeben, sagt Morschens Bürgermeister Ingo Böhm. Man werde dem Wildkraut ohne Glyphosat aber einfach nicht Herr. „Es gibt keine Alternative zu Glyphosat, die das Problem genau so gut lösen könnte.“

In Melsungen wird gegen den Wildwuchs mechanisch vorgegangen. Die Stadt setzt eine Kehrmaschine mit Wildkrautbesen ein. „Die Maschine schafft viel – aber in den Ecken muss noch händisch nachgearbeitet werden“, sagt Bauamtsleiter Martin Dohmann. Auch dort können die Wildkräuter nicht zu 100 Prozent beseitigt werden.

Auch in Schwalmstadt ist Wildkraut ein Problem. „Wir haben schon lange vor dem landesweiten Verbot auf Chemie verzichtet“, sagt Schwalmstadts Bauhofsleiter Edgar Steuernagel.

Auch mit einer Wildkrautbürste sei es schwer, Herr über die Lage zu werden. Die äußerst warmen Frühlingsmonate seien Schuld daran, dass sich die Wildkräuter in diesem Jahr so extrem ausgebreitet haben, erklärt Steuernagel.

Ganz ohne Chemie: Kommunen verzichten auf Einsatz von Glyphosat

Löwenzahn, meterhohe Brennnesseln und Disteln, die beispielsweise aus Pflastersteinfugen oder an Wegesrändern wuchern, sind ein Problem. Wegen der warmen Witterung der vergangenen Monate sind die Wildkräuter extrem schnell aus den Böden geschossen und sie verändern das Stadtbild – aus kommunaler Sicht gestaltet sich die Behandlung schwierig. So auch in Felsberg.

„Das Problem haben wir schon seit geraumer Zeit“, sagt Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz. Als das Land Hessen die Verwendung von Glyphosat auf kommunalen Flächen im Jahr 2015 verboten hat, mussten die Kommunen auf Alternativen bei der Entfernung von Wildkräutern umsteigen. „Es ist eine wichtige und richtige Entscheidung, damit der Einsatz von Pestiziden verringert werden kann“, sagt Steinmetz. 

Entfernt Wildkraut mit dem Heißwassergerät: Der Mitarbeiter des Felsberger Bauhofs Michael Machmar. Fotos. linett hanert

Im vergangenen Jahr hat die Stadt nach einigen Testversuchen ein Heißwassergerät angeschafft. Die Kosten betrugen etwa 24 000 Euro. Das Gerät erhitzt das Wasser auf 99 Grad Celsius. „Die Hitze tötet das Eiweiß in der Pflanze ab“, erklärt Michael Machmar vom Felsberger Bauhof. Durch einen Schlauch wird das heiße Wasser auf die Wildkräuter gesprüht, anschließend „sterben die Pflanzen innerhalb weniger Minuten ab“, sagt er. Das Wildkraut trocknet dann aus und den Rest erledige die Natur, sagt Machmar. Durch die wiederholte Anwendung werde auch die Wahrscheinlichkeit verringert, dass sich das Kraut verbreitet. Allerdings bekämpfe das Heißwassergerät die Wildkräuter nicht an ihren Wurzeln, weshalb es immer wieder nachwachse. 

Mitarbeiter des Bauhofes kommen nicht nach

„Das ist auch das größte Problem, mit dem die Bauhofmitarbeiter zu kämpfen haben“, sagt Steinmetz. Mit dem Gerät könne Machmar etwa drei Quadratmeter pro Minute von den unerwünschten Pflanzen befreien. Etwa 16 000 Liter fasst das Gerät. In einer Minute verbraucht es 11,5 Liter. „Was die Wildkrautbehandlung angeht, ist das Ergebnis mit dem Heißwassergerät akzeptabel“, sagt Steinmetz. Natürlich sei die Leistungsfähigkeit des Heißwassergerätes nicht vergleichbar mit dem Einsatz von Chemie.

„Deshalb ist es so, dass wir uns an den Anblick von etwas Wildkraut in den Städten gewöhnen müssen“, sagt Steinmetz. Die öffentlichen Flächen sollen natürlich auch weiterhin gepflegt werden, das brauche aber nun mehr Zeit, sagt er. „Wir versuchen aber, so schnell wie nur möglich hinterherzukommen.“

Wildkraut im Garten behandeln

Wer im heimischen Garten bei der Behandlung von Wildkraut auf Chemie verzichten möchte, für den hat Michael Machmar vom Felsberger Bauhof einen Tipp: Wasser im Wasserkocher abkochen und sofort über die Wildkräuter verteilen, erklärt er. Der Effekt sei derselbe wie mit dem Heißwassergerät.

Nabu ruft zu Verzicht auf

Auch der Nabu ruft zum Verzicht von Glyphosat im Garten und auf dem Balkon auf. „Im Garten sind Pestizide leider immer noch weit verbreitet. Knapp 6000 Tonnen werden jährlich in privaten Gärten verwendet“, erklärt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Nabu. Das Problem: Ameisen auf dem Gartenweg, Wildkräuter in den Pflasterfugen oder Blattläuse am Apfelbaum. „Die Lösung sei meist mit Pestiziden verbunden. Aber mit den Giften werden nicht nur unliebsame Gäste getötet, sondern auch nützliche Insekten“, erklärt Eppler. Erst mal abzuwarten, sei auch im Garten oft ein bewährtes Rezept bei kleineren Problemen. Denn wer seinen Pflanzen ausreichend Zeit gebe, sich selbst gegen Schädlinge, Pilze und Krankheiten zu wehren, werde mit gesunden und kräftigen Pflanzen belohnt.

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