Glocke stammt aus dem Jahr 1518

Grebenau: Seit 500 Jahren erklingt die Glocke der  Lulluskirche 

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Freuen sich auf das Fest: Kirchenvorsteherinnen Yvonne Hildebrand (links) und Martina Siebert mit einem Poster der Jubiläumsglocke.

Grebenau. Ein Jubiläumsfest mit Vortrag und Musik zum 500. Geburtstag der Glocke gibt es am Sonntag, 3. Juni. 

Grebenau. Sie ist ein Juwel unter den alten Glocken in Nordhessen, hat einen guten Klang und ruft die Christen seit nunmehr 500 Jahren zum Gebet: Die älteste der beiden Glocken in der Lulluskirche Grebenau wird in diesem Jahr 500 Jahre alt. Anlass genug, am Sonntag, 3. Juni, ab 14 Uhr gebührend zu feiern, wie es in der Einladung des Kirchenvorstandes heißt.

„Im Jahre des Herren 1518 zu Ehren der heiligen Maria.“ So lautet übersetzt die lateinische Inschrift der Glocke. Gegossen hat sie Meister Hans Kortrog. Er war einer von 14 Glockengießern, die einst in Homberg gewirkt haben.

Möglicherweise hätten die Grebenauer gar nichts von dem Jubiläum erfahren, hätte nicht Frank-Martin Engelbrecht aus Knüllwald-Lichtenhagen vor einigen Jahren die Inschrift entdeckt. Er ist ein guter Freund von Dennis Willershausen. Der Türmer von Homberg hat inzwischen über 600 Kirchtürme in Nord- und Osthessen bestiegen und mehr als 2000 Glocken begutachtet. Auch die in Grebenau.

Klaus Döring, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, war zunächst davon ausgegangen, die Glocke stamme aus dem Jahr 1517. Richtig aber ist 1518. Auch ein Jahr nach der Reformation waren die Christen in Grebenau noch katholisch, erläutert Willershausen. Die Kortrog-Glocke mit dem Schlagton as’’ ist älter als die jetzige Kirche. Mit deren Bau war nach den Unterlagen Dörings 1766 begonnen worden, nachdem der Vorgänger-Bau bereits 1727 als baufällig bezeichnet worden war. Der Neubau war mit 871 Reichsthalern veranschlagt.

Döring hat herausgefunden, dass Lullus (710 – 786), der erste reguläre Erzbischof von Mainz und erster Abt des Klosters Hersfeld, in Grebenau eine Kapelle erbauen ließ. 1430 soll ein Anbau mit 100 Plätzen entstanden sein. Ob es vor der Glocke von 1518 schon mal eine Glocke in Grebenau gegeben hat, ist nicht überliefert.

Die Familie Henschel, die etwa 250 Glocken gegossen hat – darunter vor 200 Jahren die berühmte Osanna für die Kasseler Martinskirche – fertigte 1817 eine zweite Glocke für Grebenau. Die sollte im 1. Weltkrieg für Kriegszwecke eingeschmolzen werden. Zum Glück wurde sie anhand der Inschrift wiedergefunden und kehrte nach Grebenau zurück.

Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von den Nazis beschlagnahmt. Auf dem Glockenfriedhof Hamburg verliert sich ihre Spur.

1962 goss die Werkstatt Gebrüder Rincker in Sinn eine neue Glocke für Grebenau im Schlagton f’’ mit der Inschrift „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Das 1590 gegründete Unternehmen Rincker ist die älteste Glockengießerei in Europa in Familienbesitz in der nunmehr 14. Generation.

In der Region gibt es viele Geläute aus Kortrog- und Rincker-Glocken. Experte Willershausen nennt unter anderem Beispiele in Gombeth, Felsberg und Gensungen.

Beim Treffen in der Grebenauer Kirche sind sich die Kirchenvorsteher Klaus Döring, Yvonne Hildebrand und Martina Siebert einig: „Wir sind richtig stolz auf unsere 500 Jahre alte Glocke.”

Schafschere als Markenzeichen

Nach dem Wort Maria auf der Inschrift der Grebenauer Glocke von 1518 befindet sich ein medaillonartiges Pilgerzeichen des Wallfahrtsortes Düren, in dem die Büste der Sankt Anna zu sehen ist. Rechts daneben erkennt man das Markenzeichen des Gießers Hans Kortrog, eine Schafschere. 

Solch eine Schere ist auch zu erkennen auf einer beschädigten Kortrogglocke, die vor der Gensunger Kirche steht. Die Schafschere erklärt sich der Glockenexperte Dennis Willershausen so: Entweder hat Kortrog auch Schafscheren hergestellt, oder bei schlechter Auftragslage Schafe gehütet. Oder sie erinnert an den vor dem Dreißigjährigen Krieg erlangten Reichtum durch Wollhandel. 

Jubiläumsfest am 3. Juni mit Vortrag und Musik

Das Fest zum Jubiläum 500 Jahre Kirchenglocke in Grebenau beginnt am Sonntag, 3. Juni, um 14 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche mit Pfarrer Tobias Heiner und dem Posaunenchor Wollrode. Glockenexperte Dennis Willershausen und sein Freund Frank-Martin Engelbrecht werden über den Glockengießer Hans Kortrog und die Glockengeschichte der Region sprechen. Bei einem gemütlichen Beisammensein gibt es laut Programm Kaffee, Kuchen, Bratwurst und kalte Getränke. Kontakt: Klaus Döring, Tel. 0177/ 7 85 57 16.

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