Heute leben beide Frauen in Melsungen

Schwestern jahrzehntelang getrennt – ein Foto bringt sie zusammen 

Die Halbschwestern Ingrid Zimmermann (links) und Frieda Egenolf aus Melsungen lernten sich erst vor 20 Jahren kennen. Ein Foto brachte die Schwestern zusammen.
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Die Halbschwestern Ingrid Zimmermann (links) und Frieda Egenolf aus Melsungen lernten sich erst vor 20 Jahren kennen. Ein Foto brachte die Schwestern zusammen.

Die Halbschwestern Ingrid und Frieda wussten lange nichts voneinander. Durch ein Foto haben sie sich wiedergefunden.

Melsungen – Geschwister haben eine besondere Verbindung zueinander. Das spürten auch die Halbschwestern Ingrid Zimmermann, 80, und Frieda Egenolf, 83, als sie sich im Herbst 2001 zum ersten Mal begegneten – nachdem sie lange Zeit nichts voneinander gewusst hatten.

„Das war wie im Fernsehen“, sagt Frieda Egenolf. An diesem Tag war ihre Halbschwester Ingrid Zimmermann die erste, die sie begrüßte, „und das, obwohl sie nicht wusste, dass es mich überhaupt gibt“, erzählt die 80-Jährige. Denn sie wurde geboren, als Frieda bereits adoptiert war. Doch wie kam es dazu?

Halbschwestern jahrzehntelang getrennt: Frieda wurde adoptiert - Das ist ihre Geschichte

Bei der Geburt von Frieda 1937 im heutigen Neu-Eichenberg bei Witzenhausen starb ihre Mutter. Da sich ihr Vater bereits um die drei anderen Geschwister kümmern musste, kam sie zu der Schwester ihres Vaters. Die war allerdings erst 16 Jahre alt. Im Ort seien die Stimmen immer lauter geworden, dass sie nicht richtig versorgt werde und „das Kind wegmüsse“, erzählt sie. So kam sie zu ihren Wahleltern und zog bald mit ihnen nach Beiseförth.

Erst als sie mit etwa 14 Jahren mit ihren Adoptiveltern am Bahnhof stand, da sie wegen ihrer Ausbildung zur Krankenschwester nach Marburg musste, erfuhr sie zum ersten Mal etwas über ihre Herkunft. Viel war es nicht, sagt Frieda Egenolf, denn ihre Adoptiveltern drückten ihr wortlos ihre Ausweispapiere in die Hand, auf dem der Name ihrer leiblichen Eltern geschrieben stand. Die Papiere verschwanden jedoch kurz darauf und so auch die Möglichkeit, Kontakt zu ihrer leiblichen Familie aufzunehmen.

Schwestern leben in Melsungen: Ingrid wurde ebenfalls von Halbgeschwistern getrennt

Friedas Vater heiratete einige Zeit nach dem Tod seiner Frau erneut, und seine neue Frau bekam eine Tochter: Ingrid. Doch schon als kleines Mädchen wurde auch sie von ihrem Vater und den anderen Halbgeschwistern getrennt.

Da die Beziehung ihrer Mutter zur Schwiegermutter problematisch gewesen sei, zog Ingrid 1945 mit ihrer Mutter nach Schauenburg. Leicht war das damals nicht, erzählt die heute 80-Jährige, „meine Mutter war schon sehr mutig“.

Halbschwestern wieder vereint - Dieses Foto war der Auslöser

Dass Ingrid Zimmermann noch eine Halbschwester hat, erfuhr sie durch Zufall. Bei einem Besuch bei ihrer Tante Anni – diejenige, die sich für kurze Zeit um Frieda Egenolf gekümmert hatte – sah sie ein Foto von einem kleinen Mädchen und glaubte, sie selbst sei auf dem Bild zu sehen. Daraufhin erklärten ihr ihre Tante und ihre Mutter, dass das Mädchen auf dem Foto ihre Halbschwester sei, sie aber nicht wüssten, wo sie sich aufhalte.

Mit diesem Foto begann die Suche: Zu sehen sind Frieda Egenolf und ihre Wahleltern.

Nun begann die Suche: Ingrid Zimmermann und ihre Tante Anni telefonierten über die Jahre immer wieder mit der Gemeinde und fragten herum, ob jemand ihre Halbschwester kannte. Es brauchte etwa 45 Jahre und einen Bierkutscher, bis Ingrid Zimmermann die Telefonnummer ihrer Halbschwester bekam. Ihre Tante hatte damals eine Gastwirtschaft in Vollmarshausen. Dort erzählte sie ihrem Bierkutscher von Frieda Egenolf. „Nach zwei Wochen kam er mit einer Telefonnummer wieder“, sagt Ingrid Zimmermann.

Das Treffen der Halbschwestern: „Es war gleich eine Verbindung zwischen uns da“

Als Frieda Egenolf den Anruf ihrer Tante Anni bekam, war sie zuerst schockiert und wusste nicht, ob sie einem Treffen zustimmen sollte. Heute sind die beiden froh, dass sie sich getroffen haben. „Es war gleich eine Verbindung zwischen uns da“, erzählen sie. Es folgten viele Treffen mit der ganzen Familie, gemeinsame Reisen ans Nordkap und in die Schweiz.

Mit ihrem Vater sprachen die insgesamt fünf Geschwister über die ganze Situation aber nie. „Früher hat man über sowas nicht geredet“, sagt Frieda Egenolf. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, er starb vor dem Familientreffen. Über ihre neu gewonnene Familie freute sie sich aber umso mehr.

Schwestern wurden zu Freundinnen: Heute haben die beiden regelmäßig Kontakt

Die beiden Halbschwestern trugen bei ihrer Geburt beide den Nachnamen Osterhorn, haben aber später den Namen ihres jeweiligen Ehemanns angenommen. Inzwischen sind die beiden Frauen verwitwet.

Sie leben heute in Melsungen und haben regelmäßig Kontakt. Wenn sie sich treffen, tragen sie oft zufällig die gleichen Klamotten, erzählen sie und lachen. Denn als Schwestern haben sie eben eine besondere Verbindung zueinander. Die Schwestern Frieda Egenolf und Ingrid Zimmermann aus Melsungen wollen auch Rezepte für das Melsunger Kochbuch einreichen. (Natascha Terjung)

Auch in Kolumbien kam es zu einem emotionalen wiedersehen. Hier wurden zwei Schwestern* bei einem Vulkanausbruch getrennt. Durch Zufall trafen die beiden sich wieder. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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