Reparieren nur auf eigenen Stühlen

Hallenschließungen in Melsungen: Ausnahmeregeln stehen in der Kritik

Uwe Tippmann, Heinz Sohl, Ulrich Fehr und Maria Beier vom Team des Röhrenfurther Repair-Cafés setzen sich für eine Veranstaltung auch in Coronazeiten ein.
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Sie wollen das Repair-Café: von links Uwe Tippmann, Heinz Sohl, Ulrich Fehr und Maria Beier vom Team des Röhrenfurther Repair-Cafés setzen sich für eine Veranstaltung auch in Coronazeiten ein.

Die Zeit des Durchhaltens ist vorbei. Zum Beginn der Herbstferien sollen die städtischen Hallen in Melsungen und seinen Stadtteilen wieder geöffnet sein. Um eine Ansteckungswelle nach Ende der Sommerferien und dem Beginn des Schuljahrs zu vermeiden, hatte der Magistrat auf Empfehlung des Bürgermeisters Markus Boucsein die Hallen geschlossen.

Melsungen / Röhrenfurth – Es gab jedoch Ausnahmen, und die stießen bei Etlichen auf Kritik. Zum Beispiel bei der Senioreninitiative W.I.R. in Röhrenfurth, die die Anordnungen „so löchrig wie ein Schweizer Käse“ beschrieben. W.I.R.-Sprecher Heinz Sohl und seine Mitstreiter ärgern sich, dass ihr Repair-Café nicht stattfinden durfte, das Anfang September in der Vierbuchenhalle ausgerichtet werden sollte. „Es werden Ausnahmen gemacht, und das verstehen wir nicht.“

Sohl kritisiert, dass manche Gruppen in die städtischen Hallen dürfen – etwa diverse Handballspieler und Firmen-Fortbildungen – und andere nicht. Zu Letzterer gehört das Röhrenfurther Repair-Café. Dabei durfte die Veranstaltung am 19. Juni noch stattfinden, auch wegen eines rigiden Hygienekonzepts. Vor und nach der Veranstaltung wurden alle Tische und Stühle, Türgriffe und Handläufe desinfiziert. „Und jedem Besucher wurde Desinfektionsmittel in die Hände gesprüht“, berichtet Sohl. Außerdem hatten sich die Organisatoren ein System ausgedacht, nachdem nur angemeldete Personen defekte Geräte vorbeibringen durften.

Ordnungsamtsleiter Frank Werner teilt auf HNA-Anfrage mit, dass die Sperrung der städtischen Hallen erst seit dem 24. Juni gilt. Unter freiem Himmel hätte das Repair-Café Anfang September grundsätzlich stattfinden dürfen. „Aber wir konnten keine Tische und Stühle aus der Halle zur Verfügung stellen.“ Hätten die Organisatoren eigene Bestuhlung, etwa Kirmesgarnituren, zum Repair-Café mitgebracht, sei die Genehmigung kein Problem gewesen. Für diese Lösung haben die Organisatoren jedoch kein Verständnis.

Laut Bürgermeister Boucsein gelten bis zum 30. September Ausnahmeregelungen ausschließlich für schulische und betriebliche Zwecke sowie profinahen Sport. Dieser würde beispielsweise auf eigene Kosten die Reinigung der Halle übernehmen. „Wir wollten mit der Schließung kein zusätzliches Risiko eingehen, indem nach den Schulöffnungen, wo die Schüler in festen Gruppen unterrichtet werden, auch noch gemischte Gruppen in den Hallen Sport treiben“, sagt Boucsein. Er setze sich privat nicht in einer Gefährdung aus, weshalb er diese Haltung auch im Beruf wahrnehmen müsse: „Dann muss man das auch mal durchalten.“ (Claudia Feser)

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