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Hamstereinkäufe sorgen für leere Regale in den Supermärkten

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Von: Claudia Feser, Hannah Köllen, Fabian Becker, Ulrike Pflüger-Scherb, Damai Dewert

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Lebensmittelknappheit: Bei der EDEKA Hessenring in Melsungen sind die Lager teilweise leer. Vor allem Öl, Mehl und Teigwaren würden aktuell stark nachgefragt. Wöchentlich kommen im Lager vier Lkw-Ladungen mit Rapsöl an. Diese seien aktuell sehr schnell wieder weg, sagt Logistikleiter Peter Reckelkamm.
Lebensmittelknappheit: Bei der EDEKA Hessenring in Melsungen sind die Lager teilweise leer. Vor allem Öl, Mehl und Teigwaren würden aktuell stark nachgefragt. Wöchentlich kommen im Lager vier Lkw-Ladungen mit Rapsöl an. Diese seien aktuell sehr schnell wieder weg, sagt Logistikleiter Peter Reckelkamm. © HANNAH KÖLLEN

Speiseöl ist zur Mangelware geworden. Wer in diesen Tagen eine Flasche kaufen will, steht oft vor leeren Regalen in den Supermärkten. Denn aufgrund des Ukraine-Kriegs haben Hamsterkäufe eingesetzt – auch im Melsunger Land.

Melsungen - Speiseöl ist zur Mangelware geworden. Wer in diesen Tagen eine Flasche kaufen will, steht oft vor leeren Regalen in den Supermärkten. Denn aufgrund des Ukraine-Kriegs haben Hamsterkäufe eingesetzt – auch im Melsunger Land. „Wir stellen eine Vielkaufmentalität in sehr hohem Maße fest“, sagt Hans-Richard Schneeweiß, Hauptgeschäftsführer der Edeka Hessenring. Die Nachfrage nach Speiseöl aller Art haben sich um das zehn- bis 20-fache erhöht. Das sei völlig irrational.

Ein Grund können die hohen Dieselpreise als Folge des Ukraine-Kriegs sein. Mancher Autofahrer schüttet billiges Salatöl in den Tank. Rapsöl etwa kostet im Supermarkt 1,50 bis 1,80 Euro pro Liter – im Vergleich zum aktuellen Dieselpreis eine Ersparnis von 10 bis 25 Prozent. Der ADAC warnt vor dem Tanken mit Salatöl. Sprecher Cornelius Blanke sagt: „Das größte Problem ist der deutliche Viskositätsunterschied im Vergleich zu herkömmlichem Diesel.“ Pflanzenöle führten zu Startschwierigkeiten und wirkten sich negativ auf Leistung und Lebensdauer des Motors aus. Einspritzpumpe und Einspritzdüsen von modernen Dieselfahrzeugen seien nicht für das zähflüssigere Pflanzenöl ausgelegt. Mögliche Folgen: verminderte Motorleistung, Schaden am Motor und Kraftstoffsystem.

Kunden klappern Discounter und Supermärkte nach der Ware ab

Schneeweiß beobachtet einen Speiseöl-Tourismus: Kunden würden die Discounter und Supermärkte nacheinander abklappern, um gezielt Öl zu kaufen. Derzeit seien viele Supermarkt-Regale leer. „Es wird aber keinen Ausfall beim Speiseöl geben“, betont der Kaufmann. Die Produkte wurden wieder bestellt und müssten gegebenenfalls noch produziert werden. Das dauere, denn auch die Hersteller hätten kein Bevorratungskonzept in den aktuell nachfragten Dimensionen.

Der Engpass beim Mehl sei nicht so gravierend, weil der Nachschub schneller organisiert werden könne, sagt Schneeweiß. Die Mehlmühlen hätten genügend Getreidevorrat. Getreide aus dem osteuropäischen Raum wie der Ukraine lande übrigens nicht als Ware in deutschen Mühlen und damit nicht als Ein-Kilo-Packung im Supermarkt.

HNA hat bei heimischen Märkten nach der Lage gefragt

Viele Lebensmittelbetreiber im Altkreis Melsungen haben derzeit mit Hamsterkäufen wegen des Kriegs in der Ukraine zu kämpfen. Besonders in den Regalen für Mehl und Speiseöl finden sich oft nur noch wenige Produkte – wenn überhaupt.

Das sieht auch im Edeka-Markt Marg in Morschen so aus, wie Steffi Gipper aus der Geschäftsleitung berichtet. „Wir bekommen oft nur noch einen kleinen Teil der bestellten Menge“, sagt sie. Den Kunden gegenüber erklären die Mitarbeiter offen die Situation. Noch seien diese verständnisvoll, Gipper fürchtet aber, dass bei einigen die Stimmung kippen könnte. „Die Verkäufer müssen das leider oft ausbaden.“

Auch im Frischmarkt in Melsungen von Hogir Gündüz sind nur noch vereinzelte Ölflaschen zu finden. Die Liefermengen vieler Großhändler seien begrenzt, besser sehe es da bei türkischen Lieferanten aus. „Es werden aber nicht alle Speiseöle so stark nachgefragt“, sagt Gündüz. „Olivenöl ist mittlerweile teilweise günstiger als Sonnenblumenöl.“ Viele Kunden, die schon Vorräte angelegt hätten, kauften noch mehr, weil sie in Panik seien. „Ein Kunde wollte das ganze Öl kaufen, das ich noch im Frischmarkt hatte“, sagt Gündüz. „Ich hatte aber gar nichts mehr da.“

Ähnlich sieht es im Rewe-Markt in Felsberg aus. „Die Öl-Vorräte werden knapp“, sagt Sina Plath. Auch Mehl, Milch, Klopapier und Nudeln würden momentan vermehrt gekauft. Bei diesen Produkten sei die Nachlieferung aktuell noch nicht problematisch. Schwieriger sei es bereits beim Öl. Zweimal wöchentlich gibt es eine neue Lebensmittellieferung. Am Dienstag kamen jedoch nur zwölf Flaschen Rapsöl an. „Damit möglichst alle Kunden etwas bekommen, darf nun pro Person nur eine Flasche Öl gekauft werden“, sagt Plath.

Netto ist mit einem Markt in Körle vertreten: In Einzelfällen könne es bei bestimmten Produkten zu kurzzeitigen Lieferengpässen kommen. Betroffen seien insbesondere aus der Ukraine stammende Speiseöle. Kundinnen und Kunden könnten auf Eigenmarken- und Markenartikel als Produktalternativen zurückgreifen. „Es gibt keinen Anlass, zusätzliche Vorräte anzulegen“, sagt die Unternehmenssprecherin.

Bei der Edeka Hessenring in Melsungen kommen wöchentlich vier Lkw-Ladungen mit Rapsöl und zwei Ladungen mit Sonnenblumenöl an. „Momentan bekommen wir nur etwa ein Fünftel der bestellten Ware“, sagt Logistikleiter Peter Reckelkamm. Die Nachfrage nach Öl, Mehl und Teigwaren sei immens gestiegen. „Die Menschen kennen es nicht, dass die Regale in den Supermärkten leer sind“, sagt Reckelkamm. Er sieht im Hamstern von Lebensmitteln vor allem einen Grund: „Die Leute wollen aktiv werden und etwas gegen das Gefühl der Hilflosigkeit in diesen unsicheren Zeiten tun.“

Supermarkt rationiert Lebensmittel

Viele Regale in den Supermärkten sind leer. Das hat Folgen für die Kunden: So wollte Dieter Vaupel aus dem Baunataler Stadtteil Kirchbauna Kidneybohnen für Chili con Carne im Edeka-Markt Hellwig in Besse kaufen. Drei kleine Dosen mit einem Füllgewicht von je 410 Gramm hatte er sich genommen. Doch kaufen durfte er letztlich nur zwei. Die Mitarbeiter hätten ihn darauf hingewiesen, dass nur handelsübliche Mengen eingekauft werden dürften. Bleibt die Frage: Wie viel von was dürfe man denn noch kaufen? 

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