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Hans-Richard Schneeweiß Geschäftsführer der Edeka Hessenring geht in den Ruhestand

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Von: Damai Dewert

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Abschied: Hans-Richard Schneeweiß hat zum Jahresende als Geschäftsführer der Edeka Hessenring aufgehört. Dann wird er auch sein Mobiltelefon ein fast 20 Jahre altes Nokia 6230 nicht mehr brauchen.
Abschied: Hans-Richard Schneeweiß hat zum Jahresende als Geschäftsführer der Edeka Hessenring aufgehört. Dann wird er auch sein Mobiltelefon ein fast 20 Jahre altes Nokia 6230 nicht mehr brauchen. © Damai Dewert

Kennen Sie das kleine unbeugsame gallische Dorf aus den Asterix-Comics? Die Edeka-Hessenring erinnert innerhalb des Verbundes der anderen, deutlich größeren Handelsgesellschaften, an eben jenes. Dann wäre Hans-Richard Schneeweiß wohl Majestix, einer der streitbaren Gallier.

Melsungen – Auch dieser Vergleich passt gut. Schneeweiß und die Edeka Hessenring schienen untrennbar miteinander verbunden: Doch Schneeweiß hat zum Jahresende Schluss gemacht – nach 47 Ausbildungsjahren, wie er sagt.

Der Kapitän ist von Bord, möchte man sagen. Als Kapitän oder König hat sich Schneeweiß indes nie gesehen – vielmehr als Primus inter Pares – als Erster unter Gleichen. Seine unprätentiöse und zurückhaltende Art ist in jeder Ecke des Milliarden-Unternehmens zu spüren. Der Verwaltungstrakt hat etwa 50 Jahre auf dem Buckel, aber alles funktioniert: „Nicht alles, was möglich ist, ist für den Erfolg auch nötig“, sagt Scheeweiß dazu.

Eine Anekdote veranschaulicht, wie Schneeweiß tickt. Als ein kleiner Zierstein in der Wand des Besprechungszimmers defekt ist, macht sich der 65-jährige Unternehmenschef auf die Suche nach einer passenden Alternative, findet eine und passt den neuen Stein eigenhändig an. Die Firmenwagen kamen jahrelang vom Gebrauchtwagenhändler – pragmatisch bedarfsorientiert, nennt Schneeweiß das. Sein Mobiltelefon Nokia 6230 stammt noch aus den Anfangstagen der neuen Technologie. Das Freisprechgerät muss er sich längst aus den letzten Winkeln des Internets besorgen – offiziell verfügbar ist es nicht mehr.

Mit der neuesten Technik vertraut

Wer jetzt aber glaubt, er habe es bei Hans-Richard Schneeweiß mit einem Dinosaurier zu tun, der irrt. Der Melsunger ist absolut auf der Höhe der Zeit – und das nicht nur in der hart umkämpften Lebensmittelbranche.

Aufgewachsen ist er im Wildecker Ortsteil Bosserode, seine ersten Gehversuche im Handel machte er in Bebra im Delta-Markt. Nach dem Edeka-Einstieg machte er vieles und zeigte dafür Talent: „Ich habe Reden geschrieben, war Chauffeur und Einkaufsleiter“. Er managte die Ost-Erweiterung mit und war um die Wende immer auf Achse. „Ich hatte Wortfindungsschwierigkeiten – konnte schlecht Nein sagen“, sagt Schneeweiß und lacht. Viele Reisen führten ihn nach Berlin – zur Treuhand. Dort lernte er auch seine Partnerin kennen. Er lebt in Melsungen und bei eben jener im Rheinland.

Er selbst bezeichnet sich privat als Nomade. Vielleicht noch 20 Prozent seiner Zeit werde er künftig in Melsungen sein. Der Luxus, den der Ruhestand mitbringe, sei das Reisen. Der Oman habe es ihm angetan, der südliche. Für Fernreisen sei in den Berufsjahren kaum Zeit gewesen – lange Urlaube gab es selten. Und natürlich werde er Zeit haben für seine drei Söhne und vier Enkelinnen und seinen Enkel.

Die Musik ist seine große Leidenschaft

Eine andere Leidenschaft hat Schneeweiß für die Musik und für Gitarren. Ein aktuelles Prunkstück sei eine Fame Signature mit persönlicher Widmung von Peter Maffay.

Die Musik begeisterte ihn früh. Er spielte in einer Band mit Wilfried Gliem (Wildecker Herzbuben) und war auf so mancher Feier an der Gitarre zu hören. Angetan haben es ihm dabei vor allem Balladen – zum Beispiel der Eagles. Abends ein paar Akkorde zu spielen, gehöre für ihn zum Feierabend dazu. Dafür wird er sicherlich auch mehr Zeit haben und für Illuminationen. Denn kunstvolle Beleuchtungen schätzt er ebenfalls sehr. So wie man ihn kennt, wird ihm sicher nicht langweilig werden.

Florian Kramm übernimmt die Edeka-Geschäftsführung

So ganz kehrt Hans-Richard Schneeweiß der Edeka noch nicht den Rücken: Er bleibe noch Mini-Jobber, scherzt er, der noch bis Juni als Geschäftsführender-Vorstand bei den Genossen arbeitet. Nicht mehr sehen wird man ihn hingegen bei seinen wöchentlichen Streifzügen über das Firmengelände in Melsungen. Nah dran zu sein und nach dem Rechten zu schauen, sei ihm Anliegen gewesen.

In der Rückschau gehöre es sicher zu seinen größten Leistungen die Eigenständigkeit der kleinsten Handelsgesellschaft erhalten zu haben. Diese stand Ende 2001 auf der Kippe. Er habe den Großhandel ausgebaut und auch für eine 50-Millionen-Euro-Investition müsse die Edeka nicht am Geldmarkt aktiv werden. Ein Tiefkühlzentrum sei entstanden und das Fleischwerk ausgebaut worden. Ein gemachtes Nest gebe es für seinen Nachfolger indes nicht, dazu seien die Herausforderungen in der Branche zu groß.

Florian Kramm übernimmt ab sofort die Position des Sprechers der Geschäftsführung. Dem 45-Jährigen hafte Stallgeruch an, er sei erfahren und leistungsbereit – er bringe alles mit. Bereits seit 2019 ist Kramm Prokurist und seit 25 Jahren bei der Edeka. Die Verbundenheit mit dem Unternehmen sei wichtig, denn die Konstellation mit den Genossen sei eine besondere. „Wir sind bei der Edeka wie eine Familie, das muss man über viele Jahre erlebt haben.“
(Damai D. Dewert)

Stabil in der Krise

Die Edeka Hessenring deckt Nord- und Mittelhessen sowie Teile von Südniedersachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen ab. Die gesamte Gruppe beschäftigt 8200 Menschen, 1456 davon in der Handelsgesellschaft. Der Konzernumsatz mit 515 angeschlossenen Märkten lag 2021 bei 2,49 Milliarden Euro – 0,61 Prozent weniger als 2020. Den größten Teil am Umsatz machte der Großhandel aus, der die Edeka-Märkte beliefert.

Der Gewinn nach Steuern belief sich auf 40,9 Millionen Euro. Die Prognose für das Jahr 2022 liegt laut Schneeweiß bei einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro bei einem Gewinn von 28 Millionen Euro – Grund sei das Sparverhalten der Kunden wegen der Inflation.  

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