Hessen ehrte Obermelsunger mit Pflegemedaille

MS kam in den Flitterwochen - Pflegefall seit 19 Jahren

Hat die ganze Wohnung behindertengerecht umgebaut: Der Obermelsunger Sven Meißner-Salzmann mit seiner an Multiple Sklerose erkrankten Frau Daniela. Foto: Rehermann

Obermelsungen. Seit 19 Jahren pflegt der Obermelsunger Sven Meißner-Salzmann seine Frau Daniela.

„Von der Pflegemedaille habe ich erst erfahren, als ich zur Preisverleihung eingeladen wurde.“ Sven Meißner-Salzmann war überrascht, als die Nachricht ihn erreichte. Seit 19 Jahren kümmert er sich um seine Frau Daniela, die an Multipler Sklerose leidet. Das Land Hessen ehrte ihn deshalb jetzt mit der Hessischen Pflegemedaille.

Die beiden waren frisch verheiratet, als die Krankheit an die Tür klopfte: Das Paar war 1996 in den Flitterwochen am wandern, als Daniela plötzlich nicht mehr richtig laufen konnte. Zehn Jahre später musste die Anwaltsgehilfin ihren Beruf aufgeben.

Heute ist im Haus der Meißner-Salzmanns alles auf die 44-Jährige ausgerichtet. Eine Rampe überbrückt die Stufen an der Haustür, im Flur parkt ein Rollstuhl. Das Bad baute Sven Meißner-Salzmann im Alleingang um: „Hier war einmal eine Wand, die habe ich weggerissen“, sagt er und deutet auf die Raummitte. An die Decke installierte er einen Hebekran, damit er seine Frau leichter unter die Dusche und auf die Toilette setzen kann.

Den ganzen Tag im Pflegebett 

Im Wohnzimmer läuft die Heizung auf Hochtouren, die 44-Jährige würde sonst schnell auskühlen. Morgens hebt ihr Mann sie ins Pflegebett. Dann fährt er zur Arbeit, wo er Autos behindertengerecht umbaut. Währenddessen liegt Daniela den ganzen Tag - denKopf leicht geneigt, die verkrampften Beine angewinkelt. Sie schläft viel, zwischendurch schauen die Schwiegereltern nach dem Rechten.

Sobald Meißner-Salzmann Feierabend hat, ist er wieder für seine Frau da, richtet ihren Kopf, streckt ihre Beine, gibt ihr zu trinken und zu essen. „Meist schauen wir dann noch einen Film“, sagt er. Ab und an treffe er sich abends mit einem Kollegen, die meiste Zeit fährt er jedoch direkt nach Hause.

„Ich weiß nicht, woher die Kraft kommt, aber auf der Arbeit erhole ich mich von Zuhause und zu Hause erhole ich mich von der Arbeit“, sagt er. „Wir bleiben positiv und machen das beste daraus.“

Besonderer Anspruch 

Die Pflege aus der Hand zu geben, kommt für ihn nicht in Frage. „Pflegedienste können sich nicht so intensiv kümmern wie Angehörige. Das Geld, was man für die Pflegestufe bekommt, deckt den Anspruch einfach nicht ab.“

Ändern tut die Hessische Pflegemedaille nichts an der Lage, aber trotzdem bedeutet sie ihm viel: „Die Anerkennung und Wertschätzung ist mir wichtig. Freunde und Verwandte wissen, was die Pflege bedeutet. Außenstehenden fehlt aber oft die Vorstellung.“

Von Vanessa Rehermann

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