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Heute findet die letzte schriftliche Abiturprüfung statt

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Von: Clara Veiga Pinto

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Mit dem Abiplakat der Familie durch die Prüfungen: Annika Franke, Schülersprecherin der Geschwister-Scholl-Schule Melsungen, macht dieses Jahr ihr Abitur. Der Weg zu den Prüfungen war von Corona geprägt und daher nicht immer einfach.
Mit dem Abiplakat der Familie durch die Prüfungen: Annika Franke, Schülersprecherin der Geschwister-Scholl-Schule Melsungen, macht dieses Jahr ihr Abitur. Der Weg zu den Prüfungen war von Corona geprägt und daher nicht immer einfach. © Clara Pinto

Fehlende Klassenfahrten, Homeschooling und Vorsicht: Davon war die Oberstufenzeit der Abiturienten geprägt. Heute findet in Hessen die letzte schriftliche Abiturprüfung statt.

Melsungen – Annika Franke, Schülersprecherin der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) in Melsungen, hat gestern ihre letzte von drei schriftlichen Abiturprüfung abgelegt. Jetzt fehlen nur noch die zwei Mündlichen. Als sie 2019 auf die GSS kam, hatte sie nicht geahnt, dass ihre Oberstufenzeit so sein wird, wie sie war.

Der Unterricht

„Als wir Anfang 2020 ins Homeschooling geschickt wurden, wussten auch die Lehrer noch nicht, wie sie unterrichten sollten“, sagt Annika. „Das war teilweise sehr wirr.“ Jeder Lehrer benutzte eine andere Plattform für den Onlineunterricht – jeder Lehrer hatte eine andere Art den Unterricht zu gestalten.

Gerade beim Sportunterricht, Annikas Leistungskurs, mussten die Schüler einstecken. „Teilweise hatten wir wochenlang nur Theorieunterricht. Später haben wir dann wieder Sport mit Masken machen können“, erinnert sich die 19-Jährige.

Doch die Organisation habe sich mit der Zeit verbessert. Online-Unterricht sei professioneller geworden, später gab es auch Blockunterricht in Präsenz. Der Sportunterricht wurde nach draußen verlegt. „Die Oberstufenzeit war trotz allem angenehm“, findet Annika. „Die Lehrer waren bemüht, uns bestmöglich auf das Abi vorzubereiten. Irgendwann hat sich alles eingespielt.“

Die Probleme

Mit dem Homeschooling hatte Annika Franke keine Probleme. Von Mitschülern weiß sie aber, dass das nicht allen so ging. „Die Schere zwischen denen, die selbstständig arbeiten können und denen, die einen Anstoß brauchen, um produktiv zu sein, ist sehr weit auseinandergegangen“, findet sie. Auch von vermehrten psychischen Problemen hat die Schülersprecherin erfahren.

„Ich glaube, es sind mehr Schüler von psychischen Problemen betroffen, als man denkt. Die Sozialkompetenz hat in den vergangenen Jahren sehr gelitten“, sagt Annika. Was ihr und ihren Mitschülern vor allem gefehlt hat, war der Austausch untereinander. „Es war schön, einfach mal miteinander zu telefonieren und über die Aufgaben zu reden“, erinnert sie sich. Der persönliche Kontakt auf Feiern und Klassenfahrten habe trotzdem gefehlt.

Die Motivation

Um sich zum Lernen zu motivieren, hat die 19-Jährige immer an ihr Ziel gedacht: Ein Lehramtsstudium in ihren beiden Leistungsfächern Sport und Biologie in Kassel, für das sie sich demnächst einschreibt. Ihre Wunsch-Abiturnote ist 1,4. Angst vor möglichen Defiziten im Studium hat sie nicht. „Wir haben in den zurückliegenden Jahren gelernt, unseren Tag selbst zu strukturieren und selbstständig zu arbeiten. Ich denke, das ist ein Vorteil für die Uni.“

Die Abschlussfahrt

Eine Abschlussfahrt gab es für Annika Franke und ihren Kurs vor den Herbstferien. Der Jahrgang davor musste auf diese Fahrt verzichten. „Wir durften innerhalb Deutschlands wegfahren“, erinnert sie sich. Entschieden haben sich die Schüler für die Ostsee. „Es war schön, einfach mal rauszukommen und etwas anderes zu sehen“, findet Annika.

Die Prüfungen

Die Prüfungen laufen in diesem Jahr wieder relativ normal ab. Die Masken- und Testpflicht gibt es nicht mehr. Darüber ist Annika Franke froh. „In der Prüfung stundenlang die Maske zu tragen, wäre sicherlich sehr anstrengend.“

Testen kann man sich immer noch freiwillig. Davor haben viele Abiturienten allerdings Angst. Im vergangenen Jahr habe es an der GSS einen Abiturienten gegeben, der zweimal einen falschen positiven Coronatest hatte. „Er durfte die Prüfung nicht mitschreiben und musste nach Hause gehen. Dann hat er einen PCR-Test machen lassen und der war negativ“, erzählt Annika.

Ein falscher positiver Test sei die Horrorvorstellung vieler Schüler. „Ich möchte Corona nicht haben, aber vor allem nicht in der Abiturzeit“, sagt die 19-Jährige. Vor dem Prüfungsendspurt hat die junge Frau keine Angst. „Bei meiner ersten schriftlichen Prüfung war ich sehr aufgeregt. Das ist jetzt aber nicht mehr so“, freut sie sich.

506 Schüler zum Abitur zugelassen

Die schriftlichen Abiturprüfungen 2022 finden vom 27. April bis zum 11. Mai statt. Aufgrund der besonderen Situation gelten für die Prüfungen in Hessen Sonderregeln: Die Schüler haben etwas mehr Zeit sowie einen zusätzlichen Aufgabenvorschlag. Außerdem müssen sie in diesem Jahr während der Prüfungen keinen Mundschutz mehr tragen. In diesem Jahr sind im Schwalm-Eder-Kreis 506 Schüler zum Abitur zugelassen. Im Vorjahr waren es 295. 2020 waren 571 Schüler zugelassen und 2019 zählte das Schulamt 621. Aufgrund des Wechsels von G9 zu G8 und dann von G8 zu G9 sind die Zahlen in den vergangenen Jahren allerdings kaum miteinander zu vergleichen. Die Abiturienten des Landkreises kommen von sechs verschiedenen Schulen: König-Heinrich-Schule (Fritzlar), Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule (Homberg), Jugenddorf-Christophorusschule (Bad Zwesten), Geschwister-Scholl-Schule (Melsungen), Melanchthon-Schule (Willingshausen) und Ursulinenschule (Fritzlar). Das Schwalmgymnasium (Schwalmstadt) hat wegen der Umstellung von G8/G9 in diesem Jahr seinen Nulljahrgang.

Schulamtsleiter und Gymnasialdezernent über Vorbereitungen und Abiturprüfung

Heute finden in Hessen die letzten schriftlichen Abiturprüfungen statt. Stephan Uhde, Leiter des Schulamtes des Schwalm-Eder-Kreises und des Landkreises Waldeck-Frankenberg, und Gymnasialdezernent Frank Siesenop beantworten Fragen zu den Prüfungen und den Vorbereitungen.

Die Schüler, die dieses Jahr ihr Abitur machen, kennen die Oberstufe nur in der Corona-Zeit. Was haben sie verpasst?

„Die Corona bedingten Einschränkungen haben sich bei den Jugendlichen vor allem im Privatleben und den dort reduzierten Freizeitangeboten bemerkbar gemacht“, berichten Uhde und Siesenop. In der Schule seien den Abiturienten Zusatzangebote wie AGs oder auch gemeinsame Exkursionen und Studienfahrten entgangen. Der Unterricht, gerade für diese Jahrgangsstufe, habe aber weitgehend in Präsenz stattgefunden.

Sind die Abiturprüfungen in den vergangenen drei Jahren einfacher gewesen als die vor der Pandemie?

Bei den inhaltlichen Anforderungen seien seitens des Kultusministeriums keine Abstriche bei den Abiturprüfungen gemacht worden.

Den Abiturienten werde dadurch das Ablegen eines vollwertigen Abiturs ermöglicht und kein „Corona-Abitur-light“. Wie bereits im Vorjahr wurde aber eine verlängerte Bearbeitungszeit gewährt und in jedem Fach ein zusätzlicher Aufgabenvorschlag bereitgestellt.

Gibt es viele Schüler, die die Prüfungen krankheitsbedingt nicht antreten können?

„Trotz der immer noch recht hohe 7-Tage-Inzidenz an Corona-Infektionen in Nordhessen ist die Anzahl der Abiturientinnen und Abiturienten, die aus Krankheitsgründen die Prüfung nicht antreten konnten, auch im Vergleich zu den Jahren vor Corona sehr gering“, betonen beide. „Eine Erklärung dafür könnte sein, dass sich das Gesundheitsbewusstsein gerade auch der jungen Menschen in den vergangenen zwei Jahren deutlich erweitert hat“, heißt es weiter.

Hatten die Schüler in der Vorbereitungszeit auf das Abitur einen Nachteil?

„Da in den vergangenen Monaten Präsenzunterricht stattfinden konnte, sollte es keine Beeinträchtigungen der Vorbereitungszeit gegeben haben“, sagen Uhde und Siesenop. Die Abiturienten würden eher davon profitieren, dass die schriftlichen Prüfungen aufgrund der bundesweiten Vereinheitlichung erst nach den Osterferien begonnen haben und es dadurch mehr Vorbereitungszeit gab.

Können wieder Abschlussfeiern und -fahrten stattfinden?

Die Studienfahrten, die in der Regel am Ende der Jahrgangsstufe 12 oder zu Beginn der Stufe 13 vorgesehen sind, mussten für die meisten Kurse ausfallen. Den Entlassungsfeiern und Abiturbällen stehe aber grundsätzlich nichts im Weg.

Ist der Zusammenhalt der Schüler anders als in den Jahren ohne Corona?

„Erfahrungsgemäß führen Krisen und herausfordernde Situationen in den meisten Bereichen der Gesellschaft zumindest vorübergehend zu einem stärkeren Zusammenhalt“, sagen Uhde und Siesenop.

Was nimmt das Schulamt aus der Corona-Zeit mit? Wird es nun mehr digitale Lehre geben?

„Zweifellos hat die Digitalisierung an den Schulen durch die zwischenzeitliche Notwendigkeit des Distanzunterrichts einen enormen Schub bekommen“, berichten Uhde und Siesenop. Die Nutzung von Online-Lernplattformen könne auch langfristig bisherige Unterrichtsformen ergänzen. (Clara Pinto)

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