Garten

Hobbygärtnerin verrät: So erweckt man Salat aus dem Discounter zum Leben

Es blüht so schön im Garten von Friederike Wenderlein in Melsungen. Auch ihre Tochter Jana-Sophie hilft fleißig im Garten mit.
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Es blüht so schön im Garten von Friederike Wenderlein in Melsungen. Auch ihre Tochter Jana-Sophie hilft fleißig im Garten mit.

Jeder Gärtner hat eigene Tipps und Tricks, damit es im eigenen Garten blüht und gedeiht. Eine Hobbygärtnerin aus Melsungen verrät, wie man vom Salat aus dem Discounter besonders lange etwas hat.

Melsungen – Regrowing (Dt. Nachwachsen) heißt der Trend, den auch Friederike Wenderlein aus Melsungen empfiehlt. Sie kauft beispielsweise Pflücksalat im Discounter. Dort gebe es nämlich welchen, an denen noch Wurzelteile dran seien. Den Salat pflanzt sie einfach zu den Tomatenpflanzen in den Kübel – und dann beginnt er nachzuwachsen. So kann die Familie noch lange Pflücksalat ernten und das nur mit einem Einkauf. 

Etwas kleiner könnte der Garten sein. Auch wäre ein bisschen mehr Rasenfläche toll – für einen Pool zum Beispiel. Für Familie Wenderlein aus Melsungen ist ihr Garten nicht perfekt.

Anderer Meinung sind da allerdings unzählige Insekten, Schmetterlinge und Vögel. Auch Kaninchen und Rehe schauen öfter vorbei. Denn der Garten von Familie Wenderlein ist Natur pur. Es summt und brummt und zwitschert aus allen Ecken. Nur die Schwalben wollen nicht kommen – dafür hat es sich aber ein anderer Gast im Schwalbennest gemütlich gemacht.

Der Vorbesitzer

Vor zwölf Jahren – da war Tochter Jana-Sophie gerade geboren – kauften Friederike Wenderlein und ihr Mann Karl-Heinz Ilg Haus und Garten am Oberen Bachfeld. Und es war nicht irgendein Grundstück, in das sich die beiden verliebt hatten. Es gehörte Eberhard Driehaus, dem damaligen Leiter des Naturschutzbundes Melsungen-Spangenberg. Die Familie bekam einen Garten, der naturnaher nicht sein könnte.

Der Vorgarten

Allein schon der Vorgarten ist ein wahrer Hingucker – auch wenn das Blumenmeer aus einjährigem Rittersporn vor ein paar Wochen noch viel eindrucksvoller gewesen sei, berichtet Friederike Wenderlein. „Das ist derzeit meine absolute Lieblingsblume“, sagt die 46-Jährige. Den blauen Rittersporn lässt sie stehen, bis er ausgesamt hat, damit er auch im kommenden Jahr wieder blüht. Auch Gemüse hat die Hobbygärtnerin vor dem Haus im Hochbeet. „Wir haben Zucchini in rauen Mengen. Wir kommen kaum hinterher“, sagt die Melsungerin. Deswegen bereitet Töchterchen Jana-Sophie derzeit einmal pro Woche einen Zucchini-Auflauf zu. Auch Hokkaido-Kürbis aus dem Garten kommt oft auf den Tisch – zum Beispiel in selbst gemachten Spätzle mit Salbeibutter. Der Salbei wächst natürlich auch im Garten, genau wie Rhabarber, Tomaten, Salat und grüner Spargel. Letzterer ist übrigens besonders lecker „weil er aus dem eigenen Garten kommt“, sagt die Mutter, jedoch sei er zugegebenermaßen etwas holziger als die Sorten aus dem Supermarkt, merkt Jana-Sopie an.

Im Vorgarten hat das Mädchen vergangenes Jahr mit den Blumensamenmischungen der HNA eine bunte Wiese am Hang angelegt. Auch ein selbst gebautes Insektenhotel ist das Ergebnis des Coronalockdowns.

Die Wildblumenwiese

Auf der Wildblumenwiese tummeln sich die Insekten. Alles ist vertreten: Von Hummel bis Schmetterling.

Ein großes Insektenhotel mit Lehmsteinen hat die Familie vom Vorbesitzer übernommen. Genau wie die Wildblumenwiese im Garten hinterm Haus. Einmal im Jahr muss Karl-Heinz Ilg (51) mit der Sense ran. „Das ist wirklich eine Wahnsinnsarbeit inklusive mehrere Tage Muskelkater“, sagt seine Frau. Die Kinder – dazu gehören noch Julian (8) und Yannick (14) – helfen beim Einrechen und Säcke packen. Aber die Arbeit lohnt sich. Die Wiese steht von Frühjahr bis Herbst in Blüte. Zahlreiche Wildblumen ziehen Bienen und Schmetterlinge magisch an. „Wenn ich sehe, dass im Hochbeet Margeriten aufgehen, dann setze ich sie um in die Wiese“, sagt Friederike Wenderlein. Aber neue Pflanzen täten sich in dem dicht verwurzelten Boden mitunter sehr schwer mit dem Anwachsen. Der junge Apfelbaum, der mit am Hang steht, trage dieses Jahr endlich zum ersten Mal.

Die Wildblumenwiese war Eberhard Driehaus’ Schätzchen. Deshalb hat der Vorbesitzer der Familie sogar Unterlagen über die einzelnen Pflanzen hinterlassen, die auf der Wiese wachsen – drei DIN-A4-Seiten. Unterlagen hat auch Jana-Sophie zusammengestellt. Eine ganze Mappe über den Garten hat sie bei der Stadt Melsungen für den Wettbewerb „Blühende Gärten“ eingereicht. Und wer einmal im blühenden Paradies der Familie zu Gast war, der weiß, dass die Chancen auf einen Gewinn sehr gut stehen.

Die Teiche

Fast schon unecht wirken die Seerosen. So schön und perfekt sehen sie aus.

Zum Garten gehören auch zwei Teiche. Und die habe auch seit Neuestem eine Kröte für sich entdeckt, berichtet die Mutter. „Und die kann sogar Treppen steigen.“ Während die Kröten nicht mit ihrer Optik überzeugen, machen das die wundervollen Seerosen jedoch umso mehr. Die hat Wenderleins Vater mitgebracht und sehen mit ihrem satten Pink fast schon wie eine Kunstpflanze aus. Auch Molche, Muscheln und Wasserschnecken sind in den Teichen zuhause.

Die Arbeit

Die Liebe zum Garten hat Friederike Wenderlein von ihrer Mutter. „Ich bin mit Garten großgeworden“, sagt sie. Und die Zeit, die man im Garten verbringe, vergehe manchmal wie im Flug, das habe sie schon immer bei ihrer Mutter gemerkt. „Die hat immer gesagt ‘Ich geh mal kurz raus zum Kompost’ und dann war sie zwei Stunden verschwunden.“ Pro Woche verschlinge die Gartenarbeit mindestens zwei Stunden, schätzt die Melsungerin. Alle zwei Monate legt die Familie einen großen Gartentag ein, bei dem alle anpacken.

Der Nestdieb

Während sich nahezu die ganze heimische Vogelwelt im Garten der Melsunger wohlfühlt, warten sie noch vergeblich auf die Schwalben. Vor fünf Jahren hatte der Nabu Nester am Haus angebracht. „Schwalben sind nicht gekommen“, sagt die Hobbygärtnerin. „Aber ein Zaunkönig brütet dort.“ Der sei aber auch herzlich willkommen. (Carolin Hartung)

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