Historische Dreschmaschine jetzt dauerhaft in Wanderscheune Nausis

Die historische Lanz-Dreschmaschine: vorne von rechts Roland Zeidler und Kurt Schäfer, auf dem Erntewagen Dennis Fey, links Dieter Fey, auf der Maschine von links Herbert Thomas und Holger Kerkmann. Foto: privat/nh

Nausis. Die Gutsdreschmaschine des Historischen Maschinenrings Spangenberg hat eine dauerhafte Bleibe: Sie wird in der Wanderscheune in Nausis stehen.

Das hat kürzlich ein Schlichtungsgespräch ergeben, unter Leitung des Spangenberger Bürgermeisters Peter Tigges.

Es gab Interessenkonflikte um die Scheune. Denn nicht nur der Historische Maschinenring wollte die Dreschmaschine dort unterstellen - auch die Jagdgenossenschaft benötigte die Wanderscheune als Stellplatz für einen Viehanhänger und ein Baugerüst. Beides gehört der Jagdgenossenschaft, wird aber bei Bedarf an alle Dorfbewohner verliehen, erklärt Reiner Kehl, Mitglied der Jagdgenossenschaft und des Ortsbeirats Nausis. Doch in der Scheune ist nicht genug Platz für Dreschmaschine, Viehanhänger und Baugerüst, zumal das Gebäude ja auch für Veranstaltungen genutzt werden soll. Das liegt auch den Jagdgenossen am Herz: Sie hatten sich zusammen mit anderen Dorfbewohnern beim Umbau des Gebäudes zur Wanderscheune engagiert.

Fakt ist nun, dass die Maschine - Baujahr 1935 - in der Scheune stehen darf. Nach Mitteilung des Vorsitzenden Herbert Thomas soll noch bis zum Winter ein Anbau, ein so genannter Koffer für die Maschine, an die Scheune gebaut werden. Dadurch kann die Maschine weiter aus der Scheune herausragen, und im Inneren ist mehr Platz. „Damit wäre beiden Seiten geholfen“, sagt Reiner Kehl von der Jagdgenossenschaft. Er sei froh, wenn der Interessenskonflikt auf diese Weise gelöst werden könne: „Es geht nur miteinander, nicht gegeneinander“, betont Kehl.

Gutsdreschmaschine ist weltweit einzigartig 

„Die Maschine ist einzigartig“, sagt Vorsitzender Herbert Thomas, „denn sie ist weltweit die einzige ihrer Art, die noch intakt ist.“ Mit der Gutsdreschmaschine, eine der letzten großen Lohndreschmaschinen, wurden einst sämtliche Getreidesorten wie Roggen und Hafer, aber auch Hülsenfrüchte wie Raps und Mohn gedroschen. Sie kam bis Mitte der 1970er-Jahre zum Einsatz - bis sich immer mehr die Mähdrescher auf den Feldern durchsetzten. Zuletzt war sie im Besitz der Familie Kellner aus Bergheim. Diese hat die Maschine vor rund fünf Jahren dem Historischen Maschinenring Spangenberg geschenkt mit der Auflage, diese immer im Raum Spangenberg unterzubringen. Die erste Zeit stand sie in einer Scheune in Metzbach, aus finanziellen Gründen musste ein neuer Ort gefunden werden. Da bot sich die Scheune des ehemaligen Bauernhofs Rüppel in Nausis an.

Einmal im Jahr demonstrieren die Vereinsmitglieder die Technik der Lanz-Maschine. „Das ist eine Woche Arbeit für uns“, berichtete Vorsitzender Thomas. Zuletzt wurde sie während der 1250-Jahr-Feier in Braach bei Rotenburg gezeigt. „Dann riecht die ganze Umgebung nach Bratkartoffeln“, sagt Thomas, „und das ist toll.“ Denn das gedroschene Getreide kommt anschließend in eine Getreidemühle, wird zu Öl gepresst, und dann werden Kartoffelpuffer oder Bratkartoffeln gebacken.

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