Große Nachfrage 

Hitlers "Mein Kampf" ist vergriffen: Buchhandlungen haben zum Teil Wartelisten

Gefragtes Buch: Die kommentierte Neuauflage von Hitlers „Mein Kampf“ ist derzeit vergriffen. Buchhändler Bernd Vockeroth zeigt auf dem Bildschirm das Cover einer gekürzten Fassung – sieben verschiedene Ausgaben des Buchs sind auf dem Markt. Foto: Féaux de Lacroix

Melsungen/Gensungen. Eine kritische kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ ist seit kurzem auf dem Markt. Wir wollten von Buchhändlern wissen, wie groß die Nachfrage ist.

Wer die kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ kaufen möchte, muss sich gedulden - oder richtig viel Geld auf den Tisch legen. Denn die erste Ausgabe des Buchs ist bereits vergriffen. Im Internet kursieren zwar Angebote, die sofort lieferbar sind, aber dann zum Preis von mehreren hundert Euro.

Zum regulären Preis von 59 Euro sei „Mein Kampf“ erst in den kommenden Tagen wieder lieferbar, sagt Bernd Vockeroth, Inhaber der Buchhandlung Mein Buch in Melsungen. „Der Verlag kommt mit der Lieferung nicht hinterher.“

Deshalb kann auch Bernd Vockeroth seinen Kunden das Buch derzeit nicht anbieten. „Hätte ich es vorrätig gehabt, hätte ich bestimmt schon 15 Exemplare verkauft“, schätzt er. Die Nachfrage sei groß, es kämen häufig Leute in seinen Laden, um nach dem Buch zu fragen. Die Interessenten beschreibt er als seriöses Publikum.

Er selbst finde an der kommentierten Ausgabe nichts Anrüchiges, sagt Vockeroth - und hätte deshalb auch kein Problem damit, das Buch bei sich ins Regal oder ins Schaufenster zu stellen.

Wer nicht warten will, bis das 2000-Seiten-Werk wieder verfügbar ist, hat unter Umständen mehr Glück, wenn er nach einer der gekürzten Fassungen fragt. Insgesamt sind laut Vockeroth sieben verschiedene Ausgaben von „Mein Kampf“ erhältlich. „Aber wenn jemand das Buch haben will, dann meistens auch in der vollständigen Ausgabe“, sagt er.

Michael Geise von der Melsunger Brückenbuchhandlung sieht das anders: „Diesen Schwachsinn muss man nicht fördern“, findet er - deshalb habe er gar nicht erst versucht, das Buch zu bestellen. Die Nachfrage sei bislang aber auch gering: „Einmal hat einer nach dem Buch gefragt.“ Er gehe davon aus, dass die meisten Leser das Buch eher im Internet bestellen würden, damit sie sich nicht im Buchladen als Interessenten „outen“ müssten.

Auch Christiane Kirschner vom Melsunger Kurhessenlädchen sagt: „Wir glauben nicht, dass wir hier ein großes Publikum für das Buch haben.“ Zwei Bestellungen seien bei ihr bis jetzt eingegangen. Nur wenn jemand das Buch bei ihr bestelle, fordere sie es beim Verlag an.

Heike Vockeroth von Foto & Buch in Gensungen hofft jeden Tag darauf, dass zumindest ein Exemplar von „Mein Kampf“ in die Buchhandlung geliefert wird. Schon über ein Exemplar würde sie sich freuen, mehrere auf einmal geliefert zu bekommen, sei derzeit unwahrscheinlich. Dabei hat sie bereits fünf Vorbestellungen auf der Warteliste. „Für Felsberg finde ich das viel“, sagt sie. Zumal das Buch nicht günstig sei. „Viele Kunden fragen nach dem Buch, aber die meisten möchten erstmal einen Blick hineinwerfen“, erzählt sie.

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