Melsungen

Ortstermin in Kirchhof: Im Bach wird es manchmal eng

Der Kehrenbach als Nadelöhr in Kirchhof: Beim letzten Starkregen hat der Kirchhöfer Ortsvorsteher Holger Hartung eine lange Bohle aus dem überfluteten Kehrenbach gezogen. Diese hatte sich vor der Brücke vor der Feuerwehr verkeilt.
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Der Kehrenbach als Nadelöhr in Kirchhof: Beim letzten Starkregen hat der Kirchhöfer Ortsvorsteher Holger Hartung eine lange Bohle aus dem überfluteten Kehrenbach gezogen. Diese hatte sich vor der Brücke vor der Feuerwehr verkeilt.

Sie haben immer ein Ohr für das, was die Menschen in ihrem Dorf beschäftigt: die Ortsvorsteher. In unserer Serie Ortstermin stellen wir sie und ihre Ziele in loser Folge vor.

Kirchhof – Starkregen macht den Kirchhöfern zu schaffen. Denn der Kehrenbach, der sich eigentlich beschaulich durchs Dorf schlängelt, kann Keller und Straßen unter Wasser setzen. Das gab’s schon mehrmals und wird aufgrund des Klimawandels künftig häufiger passieren, befürchten die Kirchhöfer. Ein Grund ist die Engstelle des Bachlaufs nach der Brücke beim Dorfgemeinschaftshaus, sagt Ortsvorsteher Holger Hartung.

Erst Anfang August hatte der Bach bei einem größeren Regen eine drei Meter lange Bohle mitgerissen. Die hatte sich vor der Brücke verkeilt, sodass der Wasserspiegel bedrohlich anstieg. Ortsvorsteher Hartung hatte das zufällig bemerkt und die Bohle aus dem Wasser gezogen, berichtet er.

Möglicherweise hat er damit Schlimmeres verhindert. Bereits Mitte Juli hatte es infolge eines Starkregens einen stark erhöhten Wasserstand gegeben: Zur Brückenkante waren nur noch zehn Zentimeter Platz.

Der Kehrenbach fließe an der Brücke wie in einem Trichter, berichtet Hartung: Vorne laufe das Wasser breit hinein, und hinter der Brücke verenge sich der Bachlauf. Das sei kritisch, weil früher dort, wo heute das Dorfgemeinschaftshaus und die umliegenden Häuser stehen, ein Sumpfgebiet gewesen sei. „Wir haben noch ein paar Ecken im Dorf, wo’s kritisch werden kann.“ Etwa an der Lehmkaute und am alten Sportplatz.

Der Ortsbeirat beschäftigt sich nun mit einer nachhaltigen Lösung für die häufiger auftretenden Hochwasserstände. Auch auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung war es wieder Thema. Nach Meinung von Holger Hartung könnte eine Staustufe oberhalb des Dorfgemeinschaftshauses helfen. Damit könnte sich das Wasser, das von Günsterode und Kehrenbach kommt, in den Wiesen stauen. Es gebe bereits Gespräche.

„Aber wie lange soll es noch dauern“, fragt Hartung. Die Gewitter, die von Melsungen her kommen, blieben über Kirchhof stehen, weil sie nicht über den Himmelsberg bei Günsterode rüberkämen. „Und diese Probleme nehmen immer mehr zu.“

Der Kinderspielplatz Wiesengrund profitiert bald vom Wasser. Denn dort soll im kommenden Frühjahr ein neues Wasserspielgerät aufgebaut werden, im vorderen Bereich, wo es bereits einen Wasseranschluss gibt. Das wird der Ortsbeirat aus seinem Ortsteilbudget bezahlen. Zur Bachseite hin gibt es bereits einen neuen Zaun, der im Sommer gesetzt wurde, ebenso einen im vorderen Bereich.

Mittelfristige Veränderungen sind am Radweg geplant. Dort könnte ein Aktivweg entstehen, mit Übungen zum Balancieren, Klettern und Dehnen. „Noch suchen wir einen geeigneten Platz.“ Fahrradfreundlicher soll das Dorfgemeinschaftshaus werden. Dort sollen zwei Fahrradständer aufgestellt werden.

Völlig unklar ist aber, wie es in Sachen Mobilfunknetz in Kirchhof weitergeht. „Die Netze Telekom und Vodafone gehen in Kirchhof nicht“, berichtet Ortsvorsteher Hartung, „O2 nur mit Schwächen, hin und wieder fällt es aus.“

Als vor zwei Jahren Glasfaser für den Handymastempfang durchs Dorf gelegt wurde, wollte die Telekom einen Anschluss an den bestehenden Mast im Wald Richtung Günsterode am Abzweig Kehrenbach legen, auf dem auch die Polizeiantenne ist. Dafür ist der Mast, der der Deutschen Funkmast GmbH gehört, aber nicht ausgelegt. „Ein neuer Mast ist nötig, damit sich weitere Anbieter anschließen können“, sagt Ortsvorsteher Hartung. (Claudia Feser)

Straßensanierung soll bis 2026 fertig sein

Wann werden die Straßen von und nach Kirchhof saniert? Das fragen sich die Kirchhöfer schon lange. Die Bauarbeiten in Richtung Günsterode waren für 2020/2021 geplant. Und die Straße in Richtung Melsungen war für das Jahr 2023 angepeilt. Jetzt nennt Hessen Mobil auf Nachfrage keinen genauen Zeitraum. Beide Streckenabschnitte seien, neben anderen Sanierungsprojekten, „in der Sanierungsoffensive des Landes Hessen“, alle Projekte sollen bis 2026 abgearbeitet sein. Laut Pressesprecher Heiko Lingemann stünden die Kirchhöfer Abschnitte „relativ hoch auf der Agenda“. In Sachen Umleitungsstrecke teilte er mit: „Die Umleitung ist in dem langen und engen Tal von Kehrenbach und Ohebach eine Herausforderung.“ Im Herbst werde es Behördengespräche geben.

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