In Teilzeitjobs arbeiten überwiegend Frauen

Schwalm-Eder. In Teilzeit- und Minijobs im Schwalm-Eder-Kreis arbeiten überwiegend Frauen. 75 Prozent dieser Jobs werden von weiblichem Personal besetzt, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit.

Bei den 18.200 Teilzeitstellen im Landkreis liegt der Frauenanteil bei 84 Prozent.

Laut der Hans-Böckler-Stiftung unterbrechen Frauen ihre Tätigkeit immer noch öfter aus familiären Gründen und arbeiten deswegen häufiger in Teilzeit als Männer. Selbst bei bester Ausbildung und Qualifikation arbeiteten die meisten Frauen besonders in der Familienphase weniger als Männer, sagte die Frauenbeauftragte des Schwalm-Eder-Kreises Bärbel Spohr.

Andreas Kampmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft, spricht von einer Karrierefalle. Wer 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es deutlich schwerer beim beruflichen Aufstieg. Frauen seien zudem oft in Branchen wie in der Gastronomie tätig, in denen weniger Lohn gezahlt wird.

All dies führe zu niedrigeren Einkünften von Frauen, niedrige Renten, im Zweifel sei Altersarmut die Folge. Männer erhalten im Durchschnitt 42 Prozent mehr Rente. Außerdem verdienen Frauen durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer, sagte Spohr. Zwar gebe es einen Rechtsanspruch auf Transparenz. Frauen dürften einsehen, was ein Mann in ähnlicher Position verdiene. Das nütze aber nicht viel, weil Frauen weniger selbstbewusst über Gehalt verhandelten als Männer. Kampmann fordert nach der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau die gleiche Bezahlung: Unterschiedliche Löhne für Männer und Frauen dürfe es heute nicht mehr geben.

Dafür wirbt auch Bärbel Spohr. Am Sonntag, 18. März, gibt es den bundesweiten Aktionstag „Equal Pay Day“, der denselben Lohn für dieselbe Arbeit fordert.

Insgesamt weniger Minijobs

8137 Frauen arbeiten im Landkreis in Minijobs. Die Zahl sank um 6,2 Prozent gegenüber 2007. 5458 Frauen sind ausschließlich geringfügig beschäftigt und 2679 im Nebenjob geringfügig beschäftigt, teilt die Agentur für Arbeit mit. Die geringfügige Beschäftigung insgesamt sank um 22,8 Prozent in den vergangenen zehn Jahren, im Nebenjob stieg sie um 66 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen sei gestiegen. Gründe seien gestiegenes Wirtschaftswachstum, mehr offene Stellen. Die Beschäftigungsquote der Frauen stieg, auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Frauen partizipierten am wirtschaftlichen Aufschwung. (cty)

Equal Pay Day:  Gleiche Bezahlung von Mann und Frau

Männer verdienen trotz Gleichberechtigung im Durchschnitt immer noch 21 Prozent mehr als Frauen, sagt die Kreisfrauenbeauftragte Bärbel Spohr. Sie fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Am 18. März findet daher der jährliche Aktionstag „Equal Pay Day“ statt. In diesem Jahr ist dies ein Sonntag, daher veranstaltet das Kreisfrauenbüro bereits am Donnerstag, 15. März, am Melsunger Marktplatz gemeinsam mit dem Vdk Melsungen eine Werbeaktion. Dort sollen während der Marktzeit Werbetüten verteilt werden, um Passanten auf das Problem aufmerksam zu machen. Dagmar Rothhämel vom VdK Melsungen will dann Taschen verteilen, die auf das Motto „Gehalt hat kein Geschlecht“ aufmerksam machen sollen. Bärbel Spohr spricht von einem Missverhältnis: Frauen arbeiteten öfter in Teilzeit, auch wenn sie gut oder sehr gut qualifiziert seien. Immer noch übernähmen die Frauen den Hauptteil der Erziehungs- und Familienarbeit. Die meisten Frauen würden dies freiwillig tun, weil dies immer noch das vorherrschende Rollenbild sei. Es sei ihnen zwar bewusst, dass sie in der Folge auch weniger Rente bekämen. Doch das Erwachen komme erst beim Renteneintritt. Außerdem werde jede zweite Ehe geschieden, auf Alimente könnten Frauen nicht mehr bauen. Man müsse rechtzeitig an zwei Stellschrauben drehen. Mädchen müssten vermehrt in Männerberufen Fuß fassen, um dem Problem entgegenzuwirken. Das gelinge aber nicht so wie man sich das wünsche. Männer müssten noch mehr Verantwortung bei der Familienarbeit übernehmen, als das bisher der Fall sei. Selbst wenn Männer Elternzeit nähmen, sei dies die zweimonatige Elternzeit, die oft für gemeinsame Reisen genutzt werde, anstatt dass die Frau Zeit habe, in den Beruf zurückzukehren.

• Equal Pay Day in Melsungen: Donnerstag, 15. März, ab 10 Uhr, Marktplatz

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