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Intensive Sprachförderung im Kindergarten Fuldaufer in Melsungen

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Von: Hannah Köllen

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Vertieft in das Spiel des Sprachförderungsprogramms: (von links) Aisha (3), Antajdeep (4), Erzieher Kevin Derjabin und Marvan (3). Die Muttersprache der drei Kinder ist nicht die deutsche Sprache. In der Kindertagesstätte Fuldaufer in Melsungen lernen die Kinder spielerisch die deutsche Sprache. Der Kindergarten nutzt hierfür das Sprachförderungsprogramm Kon-Lab.
Vertieft in das Spiel des Sprachförderungsprogramms: (von links) Aisha (3), Antajdeep (4), Erzieher Kevin Derjabin und Marvan (3). In der Kindertagesstätte Fuldaufer in Melsungen lernen die Kinder spielerisch die deutsche Sprache. © Hannah Köllen

Nahezu jedes vierte Kind kann noch kein Deutsch sprechen, wenn es in den Kindergarten Fuldaufer kommt. In dem Melsunger Kindergarten gibt es eine spezielle Sprachförderung für diese Kinder.

Melsungen – 105 Kinder besuchen den Kindergarten Fuldaufer in Melsungen, 51 von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Zum Thema Spracherwerb sprachen wir mit Anne-Kathrin Ebert, der stellvertretenden Leiterin des Kindergartens Fuldaufer.

Welche Muttersprachen haben die Kinder?

Von Tschechisch, Bulgarisch, Polnisch über Arabisch, Englisch, Türkisch, Indisch und Italienisch ist alles dabei. Unser Kindergarten ist wirklich kunterbunt.

Wie viele Kinder können bei Eintritt in den Kindergarten noch kein Wort Deutsch?

Jedes dritte bis vierte Kind kann noch kein Deutsch sprechen, wenn es zu uns in den Kindergarten kommt.

Ist Deutsch eine schwere Sprache?

Ja. Aber die Kinder werden im Kindergarten mit der Sprache konfrontiert. Sei es im gemeinsamen Stuhlkreis oder beim Vorlesen. Durch die aktive Auseinandersetzung mit der Sprache können die Kinder die Sprache sehr schnell verinnerlichen.

Wie vermitteln Sie die Deutschkenntnisse?

Zum einen nutzen wir das Sprachförderungsprogramm Kon-Lab. Dabei werden einzelne Sätze von der Erzieherin vorgesprochen und dann gemeinsam mit den Kindern nachgesprochen. 

Wie sieht das genau aus?

Es gibt Spiele, die sich mit Wortbildung, Satzteilen und Satzbildung beschäftigen. Sie bauen aufeinander auf. Sobald ein Kind ein Spiel erfolgreich beendet hat, kann es am nächsten Spiel teilnehmen. Die betreuende Erzieherin macht sich währenddessen Notizen zu jedem Kind. Die Spieleinheiten dauern höchstens zehn Minuten. Wir schauen, dass jedes Kind zwei Mal pro Woche an dem Programm teilnehmen kann. Bei einem Sprach-Screening im Vorfeld überprüfen wir, inwieweit die Kinder schon den Plural im Deutschen bilden können.

Und trainieren Sie Deutsch auch im Kita-Alltag?

Ja, denn auch die alltagsintegrierte Sprachförderung spielt eine wichtige Rolle: ob beim Singen im Morgenkreis, beim gemeinsamen Durchzählen oder auch beim Vorlesen, Spielen oder Erzählen.

Was fällt den Kindern beim Deutschlernen am schwersten?

Jede Sprache hat ihren eigenen Rhythmus. Den erfahren wir schon als Ungeborene im Mutterleib. Die Kinder mit einer anderen Muttersprache sind also einen anderen Rhythmus gewöhnt. Sie müssen dann den Rhythmus der deutschen Sprache erlernen. Hierfür ist das Programm Kon-Lab, mit dem wir arbeiten, wirklich sehr hilfreich. Es unterstützt den Lernprozess mit Rhythmik, mit Klatschen und macht es für die Kinder einfacher, die deutsche Sprache aufzunehmen.

Werden auch deutschsprachige Kinder in die Sprachförderung integriert?

Unsere Gruppen sind sehr gut durchgemischt. Wir haben in jeder Gruppe sowohl deutschsprachige Kinder als auch Kinder, die eine andere Muttersprache haben. Das schöne an Kindern ist ja, dass sie unvoreingenommen sind. Sie unterstützen sich gegenseitig. Das ist wirklich toll.

Sprache hat auch immer etwas mit Kultur und Traditionen zu tun. Inwieweit werden diese Aspekte in Ihrem Kindergarten berücksichtigt?

Das fängt schon beim Essen an. Es gibt Kinder, die kein Schweinefleisch oder nur halal (Alle Dinge, die nach dem Recht des Islam erlaubt sind, Anmerkung der Red.) essen dürfen. Darauf nehmen wir natürlich Rücksicht. Im vergangenen Jahr haben wir im Kindergarten gemeinsam das Zuckerfest gefeiert. Da konnten uns die muslimischen Kinder erklären, was es mit ihrem Fest auf sich hat.

Welchen Ratschlag geben Sie den Eltern?

Wenn diese Eltern versuchen, mit ihrem Kind Deutsch zu sprechen, führt das häufig zu Problemen. Das Kind lernt dann einen Mischmasch: In der Kita lernt es richtiges Deutsch und zuhause ein eher gebrochenes und falsches Deutsch. Dann wird es für das Kind echt schwierig. Deshalb sagen wir auch: lieber korrekte Muttersprache als gebrochenes Deutsch zuhause sprechen.

Welchen Einfluss hat der Kita-Besuch auf die sprachliche Entwicklung eines Kindes?

Die Kinder lernen auch voneinander die deutsche Sprache. Sie sollten die Sprache vor Schulbeginn beherrschen. In der Schule wird die Sprachkenntnis vorausgesetzt und ist Grundlage für die gesamte Wissensvermittlung.

Zur Person

Anne-Kathrin Ebert (36) arbeitet seit 2014 als Erzieherin bei der Stadt Melsungen. Im Kindergarten Kasselerstraße hatte sie 2017 die stellvertretende Leitung übernommen. Mit dem Umzug in den neuen Kindergarten Fuldaufer im Januar 2021 führt sie die Stelle weiterhin aus. Anne-Kathrin Ebert lebt in einer Partnerschaft und hat einen neunjährigen Sohn.

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