Patienten werden derzeit in Schwalmstadt betreut

Intensivstation in Melsungen bleibt weiter geschlossen

Baugrube für Krankenhaus-Neubau von Asklepios an der Kasseler Straße in Melsungen
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Asklepios sichert die Baugrube an der Kasseler Straße: Eine entsprechende Baugenehmigung der Kreisverwaltung liegt laut Klinikkonzern jetzt vor.

Die Intensivstation am Melsunger Krankenhaus soll erst im März wieder öffnen. Das hat Asklepios-Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch mitgeteilt.

Melsungen – Die Melsunger Intensivstation von Asklepios bleibt geschlossen. Das teilt Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch mit. Die Betreuung von intensivpflichtigen Patienten erfolgt seit Anfang Dezember in Schwalmstadt. Die abgestellten Mitarbeiter hätten eigentlich im Januar zurückkehren können.

Eine weitere intensivmedizinische Versorgung gibt es im Landkreis noch im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist. Dort stehen zehn Intensivbetten zur Verfügung.

Federwisch kündigt gegenüber der HNA an, die Intensivstation in Melsungen im März zu öffnen, die Planungen dazu beginnen schon im Februar. Sie hoffe auf eine Personalstärke beim Pflegepersonal von zwei je Schicht. Es sei aber auch nur ein 1-1-1 denkbar. Stand jetzt sei es aber die richtige Entscheidung gewesen, die Intensivkapazitäten beider Kliniken in Schwalmstadt zu bündeln. Dies habe sich insbesondere bei der Betreuung der Covid-Patienten ausgezahlt.

Es gab Stimmen, die befürchteten, die Zusammenlegung der Intensivstationen gefährde die Notfallversorgung in Melsungen. Eine Auswertung des internetbasierten Versorgungsportals Ivena legt das nahe. Demnach wurden in Melsungen bis zum 27. Januar 59 Notfallpatienten versorgt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 142.

Das liege primär daran, dass Covid-Notfälle direkt nach Schwalmstadt gingen, sagt sie. Eine interessante Erklärung, gab es 2020 im Januar doch noch keine Covid-Fälle. Außerdem, so sagt sie, würden Patienten vermehrt regulär anstatt notfallmäßig aufgenommen. Nach HNA-Informationen gibt es aber weitere Hinweise darauf, dass die Notfallversorgung in Melsungen aktuell unzureichend ist.

Trotz der schlechten Nachrichten rund um das Melsunger Krankenhaus gibt es auch gute: In der Zentralen Notaufnahme stehen zwei Beatmungsplätze mit Überwachung zur Verfügung. Außerdem, so berichtet Asklepios-Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch, werde die Baugrube an der Kasseler Straße keinesfalls geschlossen. Diese Gerüchte hatte es zwar gegeben.

Aber es sei vielmehr das Gegenteil der Fall: „Wir sind immer noch gewillt, an dem dortigen Standort ein neues Krankenhaus zu bauen“, sagt sie.

Baugrube und Hang müssen laut Asklepios zwei Jahre nach Baustopp erneuert werden. Dazu wurde ein Bauantrag vorgelegt, welcher nun von der Kreisverwaltung, nach Prüfung durch einen Statiker, freigegeben wurde. Asklepios plant, den Hang zu sichern und die Grube teilweise aufzuschütten.

Wie gut es indes um die Notfallversorgung der Melsunger steht, ist nicht klar. Nach HNA-Recherchen und Informationen sind wesentliche Leistungen in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) wiederholt abgemeldet. So stand an vielen Tagen der Computertomograf (CT) am Melsunger Krankenhaus nicht zur Verfügung und damit auch nicht der Schockraum der Zentralen Notaufnahme.

Ein Schockraum ist wichtiger Bestandteil der Notversorgung, da dort schwer verletzte und polytraumatisierte Patienten erstversorgt werden können. Gerade bei schweren Verletzungen an Kopf und Rumpf können dort beispielsweise innere Verletzungen und Blutungen diagnostiziert werden. Der Schockraum wird auch Reanimationsraum genannt.

Asklepios bestätigt, dass die Akutversorgung mit Schockraum abgemeldet wird, wenn der CT nicht zur Verfügung steht. Eine vollständige Abmeldung der Notfallversorgung werde bei Abmeldung des CT nicht vorgenommen. Es finde aber auch ohne CT an 24 Stunden und sieben Tage in der Woche eine Notfallversorgung statt. Für den Einsatz der Elektrokonvulsionstherapie in der Psychiatrischen Abteilung gibt es bis zur Wiedereröffnung der Station Intermediate-Care (IMC) ein gesondertes Überwachungsprozedere.

Internistische und chirurgische Notfälle könnten in der ZNA in Melsungen behandelt werden. Eine Weiterbehandlung von berufsgenossenschaftlichen Unfällen ist aktuell immer noch nicht möglich, die Erstversorgung bei akuter Gefahr für die Gesundheit des Verunfallten ist davon unabhängig jedoch möglich. Nach HNA-Informationen ist Leistungsspektrum wegen Personalmangels und der fehlenden Intensivstation eingeschränkt.

Dazu sagt Asklepios: Bezüglich der medizinischen Versorgung kann am Standort Melsungen im Bereich der Inneren Medizin das Leistungsangebot der vergangenen Jahre uneingeschränkt fortgeführt werden. Das gelte für elektive Eingriffe – also geplante – und für Notfälle. Die Psychiatrie wurde zum Jahresbeginn um eine geschlossene Abteilung für die Patientenversorgung erweitert. Unfallchirurgische ambulante Patienten werden in der Melsunger ZNA versorgt. Eine spezialisierte Weiterbehandlung großer Traumata werde unter Beachtung der freien Arztwahl mit dem Patienten gemeinsam geplant. (Damai D. Dewert)

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