Poetry Slam am Freitag in Melsungen

Interview mit Leticia Wahl: "Beim Poetry Slam kann jeder auf die Bühne"

Leticia Wahl ist gebürtige Melsungerin: Zum zweiten Mal findet kommenden Freitag der Melsunger Poetry Slam statt. Leticia Wahl wird ihn gemeinsam mit Marvin Ruppert, ebenfalls gebürtiger Melsunger, moderieren. Foto: Katharina ahnefeld

Zum Melsunger Poetry Slam am Freitag, 19.30 Uhr laden Leticia Wahl und Marvin Ruppert ein, beide gebürtige Melsunger. Wir haben uns mit Leticia Wahl getroffen.

Frau Wahl, was halten Sie von Jugendsprache und Schimpfwörtern?

Das finde ich überhaupt nicht verwerflich, wenn man es selbst mag und rechtfertigen kann, was man wie und wann gesagt hat. Priorität jedoch sollte sein, dass es nicht darauf aufbaut, andere Menschen zu diskriminieren.

Darf Kunst alles?

Die Grenzen zwischen „Spaß“ und „Diskriminierung“ sind oft fließend. Daher ist ein reflektierter Diskurs darüber, was Kunst darf oder auch nicht, sehr wichtig und beginnt meist schon in einem selbst. Ich selbst habe dafür auch kein Patentrezept parat, dass sich in drei Sätzen beschreiben ließe und immer auf alles anwendbar ist. Viel eher ist es ein wechselseitiger Prozess und die Frage des Umgangs damit.

Wie sprachsensibel ist die Poetry-Slam-Szene?

Was ich an unserer Szene sehr mag, ist die Sensibilität und Offenheit. Seit ein paar Jahren etabliert sich beispielsweise das Gendern auf der Bühne. Das finde ich gut und wichtig. Auch wenn es nur ein sehr kleines Beispiel eines viel größeren Konstrukts ist.

Was bedeutet Poetry Slam für Sie?

Dominique Macri hat damals beim Workshop den Fokus auf das kreative Schreiben gelegt. Das hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe gemerkt, dass ich mich auf dieser Ebene ausdrücken kann. Ich spiele Fußball. Das hat mir früher geholfen, einen Ausgleich zu finden. Mittlerweile finde ich das im Schreiben. Außerdem habe ich schon immer gerne auf der Bühne gestanden, früher während der Schulzeit Theater gespielt.

Was erwartet die Zuschauer am Freitag?

Wir haben drei Slammer und eine Slammerin eingeladen, die qualitativ alle sehr gut sind. Jan Cönig, der amtierende Hessische Poetry-Slam-Meister, Kaleb Erdmann aus Leipzig, Flemming With, amtierender Thüringer-Poetry-Slam Meister und Suse Bock-Springer aus Kassel sind zu Gast. Außerdem tritt die Big Band der Geschwister-Scholl-Scholl-Schule (GSS) auf. Wir hoffen, dass auch Schülerinnen und Schüler aus dem Workshop an der GSS Lust haben, sich auf der Bühne auszuprobieren. Beim Poetry Slam kann jeder auf die Bühne.

Wie kommen Sie auf Ihre Themen?

Ich gehe mit offenen Augen, offenen Ohren und einem offenen Herzen durch die Welt und schaue, was diese Eindrücke mit mir machen und wie ich sie formulieren kann. Das ist nicht immer etwas Spezifisches, sondern meistens Eindrücke und die Gefühle, die diese auslösen. Das Schöne am Poetry Slam ist, dass man sich dafür in jede beliebige Richtung ausprobieren kann.“

Wie ist die Idee eines Poetry Slams in Melsungen entstanden?

Ich mag meine Heimatstadt sehr gerne. Es ist eine hervorragende Stadt, um aufzuwachsen. Aber es gibt nicht viele kulturelle Veranstaltungen, vor allem nicht abends. Marvin Ruppert, mit dem ich den Poetry Slam moderiere, ist auch Melsunger.

Vor ein paar Jahren hat er mit einer Kollegin eine Lesung in der Brücken-Buchhandlung organisiert und mich gefragt, ob ich einen Text vortrage. Daraus ist die Idee entstanden, einen Poetry Slam in Melsungen auszuprobieren. Im Vorfeld werde ich diese Woche einen zweitägigen Workshop an der Schule geben. Ich würde mich freuen, wenn sich der Poetry Slam in Melsungen etabliert.

Gibt es bestimmte Fähigkeiten, die ein Poetry Slammer braucht?

Was gut oder schlecht ist, ist sehr subjektiv. Man muss vor allem Lust haben und hinter dem stehen, was man macht. Es ist wichtig, den Mut zu haben, sich auszuprobieren.

Was sind die Slam Alphas, bei denen Sie sich engagieren?

Der Verein Slam Alphas unterstützt Frauen in der Poetry-Slam-Szene, da mehr Männer als Frauen auftreten. Das Problem ist systematischer Natur, wie überall. Die Slam Alphas haben zum Beispiel eine Landkarte für Veranstaltungen entwickelt, auf der Slammerin im deutschsprachigen Raum verzeichnet sind. Slammen als Beruf machen vor allem Männer.

Gibt es dafür einen Grund?

Ich habe den Eindruck, dass Frauen sich mehr absichern, zum Beispiel studieren und nicht alles auf eine Karte setzen. Dadurch wird man automantisch unflexibler, als wenn man sich nur auf das Slammen konzentriert.

Sind Sie vor Ihren Auftritten noch nervös?

Immer. Wenn ich nicht nervös bin, habe ich nicht genug Energie. Ich wandele die Nervosität in etwas Positives um.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.